Ihm verdankt die Goethe-Universität den Besitz eines eigenen Museums: Carlo Giersch, hier im Garten des Museums, hat sich mit der Schenkung selbst übertroffen.

Ihm verdankt die Goethe-Universität den Besitz eines eigenen Museums: Carlo Giersch, hier im Garten des Museums, hat sich mit der Schenkung selbst übertroffen.

»Es bleibt einem nur das, was man verschenkt « – nach diesem Motto des Komponisten Robert Stolz hat sich das Frankfurter Stifterpaar Karin und Carlo Giersch vielfach um das Gemeinwohl verdient gemacht. Auch die Goethe-Universität hat vom Engagement der Gierschs schon oft profitiert. Zum Beispiel durch die großzügige Schenkung der Skulptur »Dreifachtor« des Künstlers Volker Bartsch, die vor dem FIAS aufgestellt wurde.

2014, rechtzeitig zu ihrem 100. Geburtstag, konnte die Hochschule sich über ein ganz besonderes Geschenk freuen: Carlo Giersch kündigte der Uni an, das Museum Giersch am Schaumainkai zu über geben. Die Idee für das Geschenk habe er aus den USA mitgebracht, erklärte Carlo Giersch in einem Interview. Dort verfügten die meisten Unis über ein eigenes Museum. In Deutschland ist das bislang eher unüblich.

Das Gebäude befindet sich, so wurde es vereinbart, weiterhin im Besitz der Stiftung Giersch. Die Universität hat das Nutzungsrecht und erhält für die nächsten 30 Jahre jeweils 500.000 Euro plus Inflationsausgleich. Im Jahr 2015 wurde das Museum dann an die Universität übergeben, quasi als krönender Abschluss der fulminanten Jubiläumsausstellung »Ich sehe wunderbare Dinge« über die Sammlungen der Goethe-Universität.

Eröffnet worden war das Museum in der ehemaligen Villa Holzmann im Jahr 2000 als Einrichtung der gemeinnützigen Stiftung Giersch. Der Fokus liegt bisher auf der Kunstlandschaft des Rhein-Main-Gebiets im 19. und 20. Jahrhundert – und füllt damit eine thematische Lücke in der Frankfurter Museumslandschaft. Jährlich sind dem Kunstschaffen zwischen Mainz und Hanau, Aschaffenburg und Wiesbaden, Darmstadt und Friedberg zwei Wechselausstellungen gewidmet.

blog_einblick_museum-gierschDie Ausstellungen mit Regionalbezug sind erfolgreich – etwa die farbenprächtige Schau »Reinhold Ewald: Expressiv. Experimentell. Eigenwillig« im vorigen Jahr oder derzeit »Horcher in die Zeit – Ludwig Meidner im Exil« mit Werken des jüdischen Künstlers, der während der NS-Zeit nach London emigrieren musste. Im Herbst wird eine Ausstellung über Künstler zu sehen sein, die in Frankfurt Spuren hinterließen, aber nicht geblieben sind.

Begleitend zu den Ausstellungen werden Führungen, Vorträge, Lesungen, kulturell-kulinarische Veranstaltungen angeboten, zuweilen finden auch Exkursionen statt. Besonders beliebt sind die Kreativwerkstätten und Ferienworkshops für Kinder, die den jüngsten Museumsbesuchern ermöglichen, den Künstlern auf ihre Weise mit Pinsel und Papier nahezukommen. Alle Studierenden und Mitarbeiter der Universität und des Uniklinikums haben freien Eintritt zu den Ausstellungen.

Nun soll das Konzept im Sinne der Uni weiterentwickelt werden. Inzwischen wurde auf Seiten der Universität ein Beirat gebildet, dem Unipräsidentin Birgitta Wolff vorsitzt und dem sowohl weitere Vertreter der Uni als auch der Stiftung Giersch sowie prominente Externe angehören.

Der frühere Unipräsident Werner Müller-Esterl koordiniert die Tätigkeit dieses Beirats; derzeit wird darüber beraten, nach welchem Konzept das Museum ein »universitäres Fenster der Stadt« sein könnte. Die zweite Sitzung findet Mitte April statt. Auf alle Fälle werden künftig auch kultur- und kunstwissenschaftliche sowie historische Ausstellungsthemen aus der Universität vertreten sein.

Museum Giersch der Goethe-Universität
Schaumainkai 83 (Museumsufer)
60596 Frankfurt am Main
Infos unter www.museum-giersch.de

Dieser Artikel ist in der Ausgabe 32 (April 2016) des Alumni-Magazins EINBLICK erschienen.