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Theodor W. Adorno

Mit dem »Wissenschaftsstadtplan« wird bedeutenden Wissenschaftlern Frankfurts gedacht.34 Gedenktafeln sollen insgesamt an den Häusern und früheren Wohnorten bedeutender Wissenschaftler der Goethe-Universität angebracht werden. Schließlich gibt es unter den Forschern der Universität 19 Nobelpreisträger. Bei vielen der Wissenschaftler handelt es sich um Physiker, was nicht verwunderlich ist bei einem Standort wie Frankfurt.

Zur Universitätsgründungszeit waren hier schließlich die Metallgesellschaft, die Metallurgische Gesellschaft, das Chemie- und Pharmaunternehmen Cassella Farbwerke Mainkur und einige einflussreiche Stifter aus dem Bereich der Physik wie zum Beispiel Wilhelm Merton ansässig. Die Unternehmer bildeten hier quasi ihre zukünftigen Mitarbeiter aus. Wenn man mit dem Historiker und Städtebauer Björn Wissenbach vom Campus Bockenheim zum Campus Westend spaziert, entspinnt sich ein Netz aus Geschichten und Persönlichkeiten.

Der Stadtführer bringt seinen Zuhörern die Geschichte der Universität anekdotenreich und auf Hessisch babbelnd näher. Dann erzählt er von Hans Bethe (1906 – 2005), der natürlich nichts mit den Frankfurter Bethmännchen zu tun hatte. Er lebte im Kettenhofweg 126, musste jedoch in die USA auswandern: „Hans Bethes Mutter war Jüdin“, so Wissenbach. Der promovierte Physiker entwickelte dort zusammen mit Robert Oppenheimer die ersten Nuklearwaffen.

Auch an der Wasserstoffbombe war Bethe beteiligt. Nachdem er allerdings die Folgen des Einsatzes in Hiroshima und Nagasaki gesehen hatte, wurde er zum Pazifisten. Besonders interessiert Wissenbach an den Biographien, wie sich die Wissenschaftler zum Nazi-Regime verhalten haben. Der Historiker Ernst Kantorowicz (1895 – 1963) zum Beispiel war Sohn eines jüdischen Schnapsfabrikanten. Der Historiker Ernst Kantorowicz (1895 – 1963) zum Beispiel war Sohn eines jüdischen Schnapsfabrikanten.

So hätte auch er als Professor der Goethe-Universität durch das Gesetz der Wiederherstellung des Berufsbeamtentums in den Ruhestand versetzt werden müssen. Doch aufgrund seiner Freikorpsaktivitäten und Teilnahme am Ersten Weltkrieg war er vorerst nicht von dem Gesetz betroffen. aufgrund seiner Kriegsteilnahme und Freikorpsaktivitäten im Ersten Weltkrieg. Er wohnte in der Bockenheimer Landstraße 72- 74. Matthias Gelzer (1886 – 1974) hingegen arrangierte sich eher mit der Situation.

Er wohnte früher in einer Villa in der Westendstraße 95 und beteiligte sich an der „Aktion Ritterbusch“. Manche Wissenschaftler gingen auch auf Distanz, so wie Max von Laue (1879 – 1960), der in der Beethovenstraße 33 lebte. Von Laue war der erste Professor für experimentelle Physik und promovierte bei Max Planck. Er fand heraus, dass Röntgenstrahlen durch Kristalle die Richtung ändern. Lesungen hielt er nur ungern. 1914 erhielt er für seine Forschungsarbeit den Nobelpreis für Physik.

Diesen vertraute er jedoch seinem dänischen Kollegen Niels Bohr an, der in Kopenhagen arbeitete, um eine Konfiszierung in Deutschland zu verhindern. Von Laue trat während der Nazi-Herrschaft für Albert Einstein und gegen die „Deutsche Physik“ ein. Als Kopenhagen 1940 jedoch von deutschen Truppen besetzt wurde, löste der ungarische Chemiker George de Hevesy, der im Labor von Bohr arbeitete, von Laues Medaille in Königswasser auf, um einen Zugriff der Nazis zu verhindern.

Nach Kriegsende extrahierte de Hevesy das im Königswasser verborgene Gold der Medaille und übergab es der Königlichen Schwedischen Akademie der Wissenschaften, die daraus eine neue herstellte. Auch Frauen sind unter den klugen Köpfen, beispielsweise Ruth Moufang (1905 – 1977). Die Mathematikerin war die erste promovierte deutsche Frau, die als Naturwissenschaftlerin in der Industrie eine Anstellung erhielt. Doch Moufang zog es zurück an die Universität.

Nach Ende des zweiten Weltkriegs hörte sie auf, für das Forschungsinstitut der Firma Krupp zu arbeiten, und kehrte an die Goethe-Universität zurück. Als dritte Frau in Deutschland wurde sie im Fach Mathematik habilitiert. Sie beteiligte sich am Wiederaufbau des Fachbereichs. Es sollte jedoch noch einige Jahre dauern, bis sie auch ein Professorengehalt erhielt, erst 1957 wurde sie zur ordentlichen Professorin ernannt. Bis 1977 nahm sie noch an den Festlichkeiten des Fachbereichs teil.

Sie wohnte im Grüneburgweg 117 im ersten Stock. Aber auch die Geschichten rund um Theodor Wiesengrund Adorno im Kettenhofweg 123 oder Walter Hallstein in der Beethovenstraße 69 (einer der Väter der Europäischen Union) und noch viele weitere erzählt Wissenbach. Und manchmal bekommt man auch die heutigen Bewohner der Häuser zu Gesicht. Dann fragt Wissenbach ganz neugierig: „Haben Sie sie noch kennengelernt?“ [Autorin: Tamara Marszalkowski]