Von links nach rechts: Helmut Vogt, Eva-Bettina Trittmann (Richterin), Prof. Joachim Zekoll, apl. Prof. Jeannette Schmid (Psychologin) und Dr. Robin Fritz (Rechtsanwalt); Foto: Lecher

Von links nach rechts: Helmut Vogt, Eva-Bettina Trittmann (Richterin), Prof. Joachim Zekoll, apl. Prof. Jeannette Schmid (Psychologin) und Dr. Robin Fritz (Rechtsanwalt); Foto: Lecher

Ein guter Jurist muss nicht nur die Gesetze kennen: Wer sich etwa nicht ausdrücken kann, hat vor Gericht und auf anderen Arbeitsfeldern schlechte Karten. Wichtige Kompetenzen für juristische Berufe vermittelt an der Goethe-Universität seit zehn Jahren das Zentrum für Schlüsselqualifikationen am Fachbereich Rechtswissenschaft. Der runde Geburtstag war Grund zum Feiern. Fast 200 Gäste, darunter Vertreter anderer Universitäten wie Köln oder Berlin, kamen in den Casino- Festsaal am Campus Westend, um sich dem Thema Schlüsselqualifikationen in der universitären Ausbildung zu widmen.

Helmut Vogt, Präsident des Justizprüfungsamtes in Wiesbaden, machte in seiner Festrede deutlich, dass das Frankfurter Zentrum im deutschlandweiten Vergleich eine Vorreiterrolle habe. „Juristerei ist keine Wissenschaft. Sie ist bestenfalls ein Handwerk. Aber Richten und Entscheiden ist oft mehr: das ist eine Kunst.“ Prof. Ute Sacksofsky, Dekanin des Fachbereichs Rechtswissenschaft, berief sich auf Kurt Tucholsky, um die Bedeutung der Schlüsselqualifikationen für das rechtswissenschaftliche Studium zu unterstreichen.

Wobei sich das rechtswissenschaftliche Studium in Frankfurt sowohl durch seine Wissenschaftlichkeit als auch durch Praxisorientierung auszeichnet – mit der Betonung der Grundlagenfächer einerseits und dem Zentrum für Schlüsselqualifikationen auf der anderen Seite. Hier hob Sacksofsky besonders auf den Aspekt Internationalisierung ab: Während andernorts nur Angebote im Bereich Englisch oder Französisch bestünden, gibt es in Frankfurt zudem Veranstaltungen zum italienischen, türkischen und russischen, brasilianischen, portugiesischen, spanischen und griechischen Recht.

Anlass für die Gründung des Zentrums war eine Gesetzesänderung. In Paragraph fünf, Absatz drei des Deutschen Richtergesetzes von 2002 heißt es: „Die Inhalte des Studiums berücksichtigen die rechtsprechende, verwaltende und rechtsberatende Praxis einschließlich der erforderlichen Schlüsselqualifikationen wie Verhandlungsmanagement, Gesprächsführung, Rhetorik, Streitschlichtung, Mediation, Vernehmungslehre und Kommunikationsfähigkeit.“

Die Uni sollte den Studierenden nicht mehr nur dogmatisches Wissen vermitteln. Eigentlich sei man in Deutschland mit dem Referendariat schon gut aufgestellt gewesen, sagt Prof. Joachim Zekoll, Geschäftsführender Direktor des Zentrums und als Professor zuständig für Zivilrecht, Zivilprozessrecht und Rechtsvergleichung. Andererseits sei es nie zu früh, die dafür notwendigen Fähigkeiten einzuüben. In Hessen machte sich die Goethe-Universität schon bald an die Umsetzung der neuen Vorgaben.

Der Fachbereich entschied sich, eigens ein Zentrum zu gründen. Das Angebot ist zweigeteilt: Einerseits gibt es Schlüsselqualifikationen im engeren Sinne, die Hülya Sözsahibi betreut, hier werden Methoden- oder Aufgabenkompetenz, Ich-Kompetenz und sprachliche Kompetenz vermittelt. Andererseits gibt es den fremdsprachlichen Bereich, organisiert von Hasan S¸ ahin. Jeder Jura-Student muss jeweils einen Schein pro Bereich vorweisen.

„Das heißt, wir haben rund 600 Studierende pro Semester in unseren Veranstaltungen“, erklärt Hülya Sözsahibi. 50 Lehrbeauftragte müssen betreut und koordiniert werden. Dass sich die Kosten bislang im Rahmen halten, ist vor allem der Tatsache zu verdanken, dass alle Dozenten ehrenamtlich arbeiten. Einnahmen gibt es lediglich durch ein kostenpflichtiges Weiterbildungsangebot für Externe zum Thema Deutsche & Internationale Schiedsgerichtsbarkeit in englischer Sprache in Kooperation mit dem Frankfurt Arbitration Circle (FAC).

Juristische Praktiker ließen sich gut rekrutieren, so Joachim Zekoll: „Frankfurt ist hierfür ein wunderbarer Ort. Die Alumni machen gern mit, viele empfinden das als Ehre und Bereicherung.“ Nicht nur die Großkanzleien stellten das Lehrpersonal, sondern man habe auch Psychologinnen und Mediatoren gewinnen können sowie Rechtsanwälte aus kleineren und mittelständischen Kanzleien. Für die Studierenden bedeutet das Angebot die Chance, sich über die eigene Lebensplanung klar zu werden – und schon das Studium erfolgreich anzugehen. „Bei Referaten bewerte ich auch die Qualität der Präsentation“, so Zekoll. Bei der Podiumsdiskussion im Rahmen der Jubiläumsfeier war man sich einig: Schlüsselkompetenzen bedeutet nicht nur, „funktionierende“ Juristen für den Arbeitsmarkt auszubilden, sondern kritische Juristen.