Gemeinsam mit dem Präsidium der Goethe-Universität hat das Forschungskolleg Humanwissenschaften zum Sommersemester 2021 drei Universitätsprofessor*innen als Goethe-Fellows ans Kolleg berufen: den Politikwissenschaftler Gunther Hellmann, den islamischen Theologen Ömer Özsoy und die Sinologin Zhiyi Yang. Das Goethe-Fellowship-Programm unterstützt die Wissenschaftler*innen bei der Ausarbeitung neuer Forschungsvorhaben und der Beantragung von drittmittelfinanzierten Forschungsprojekten, indem es ihnen u. a. die Mittel und die Infrastruktur für die Durchführung von vorbereitenden Workshops und Konferenzen mit Partnern aus dem In- und Ausland zur Verfügung stellt und sie in den internationalen Diskussions- und Arbeitskontext am Forschungskolleg Humanwissenschaften einbindet.

GUNTHER HELLMANN
»Demokratische Antinomien multilateraler Ordnung«

Foto: privat

Gunther Hellmann ist seit 1999 Professor für Politikwissenschaft mit dem Schwerpunkt Deutsche und Europäische Außenpolitik am Institut für Politikwissenschaften der Goethe-Universität Frankfurt am Main. Seit vielen Jahren befasst er sich neben Fragen der Theorie der internationalen Politik mit den transatlantischen Beziehungen sowohl in seinen Publikationen wie auch in seinem gesellschaftspolitischen Engagement bei diversen Stiftungen, Instituten oder Vereinigungen. Als Goethe-Fellow ist er an der Ausgestaltung des neuen Forschungsschwerpunktes »Democratic Vistas. Reflections on the Atlantic World« beteiligt. Dabei legt er den Akzent auf die internationalen Beziehungen in einer mehr denn je »unregierbar« erscheinenden Welt, insbesondere auf den Zusammenhang zwischen der Krise des Multilateralismus und der Krise von demokratischen Vergemeinschaftungsformen.

ÖMER ÖZSOY
»Rekonstruktion der Entstehungs- und
Formierungsdynamiken des Islams«

Foto: privat

Ömer Özsoy ist seit 2009 Professor für Koranexegese am Fachbereich Sprach- und Kulturwissenschaften der Goethe-Universität Frankfurt sowie Direktor des dortigen Instituts für Studien der Kultur und Religion des Islam. In seinen historisch-kritischen Forschungen, in denen er sämtliche historischen Quellen aus der Entstehungszeit des Islam berücksichtigt, geht er der Frage nach, wie der Islam im 7. Jahrhundert entstanden und in den anschließenden Jahrhunderten fortgeschrieben wurde. Um diese überaus komplexe Entstehungsgeschichte zu erfassen, arbeitet Özsoy mit Expert*innen aus der ganzen Welt zusammen. Die Infrastruktur des Forschungskollegs möchte er dazu nutzen, den Austausch mit ihnen zu intensivieren, indem er sie zu Fellowaufenthalten und Konferenzen nach Bad Homburg einlädt.

ZHIYI YANG
»Sinophone Classicism. Contested Memory and Multifaced Chineseness in a Global Space«

Foto: Stefanie Wetzel

Zhiyi Yang ist seit 2012 Professorin für Sinologie an der Goethe-Universität in Frankfurt. In ihren jüngsten Forschungen und Publikationen hat sie sich mit der chinesischen Dichtung und Kunst des Mittelalters beschäftigt (Dialectics of Spontaneity, Brill 2015) und mit dem Leben und Werk von Wang Jingwei, einem politisch aktiven Dichter des angehenden 20. Jahrhunderts (Poetry, History, Memory: Wang Jingwei and China’s Wartime Collaboration, Manuskript im Erscheinen). In ihrem neuen Projekt wendet sie sich der Kultur der »sinophonen Welt« zu – betrachtet also nicht nur das chinesische Kernland, sondern auch die chinesisch geprägten Länder im asiatischen Raum und die chinesischen Communities in der Diaspora. Sie möchte untersuchen, wie chinesische Traditionen in die moderne Literatur und Kultur der sinophonen Welt eingehen und welche Funktion sie in diesem globalen, zunehmend digitalen Raum einnehmen.

Dieser Beitrag ist in der Ausgabe 3/2021 (PDF) des UniReport erschienen.