von links: Dr. Inga Hänelt, Dr. Daniel Merk, Dr. Christian Münch

Drei Post-Doktoranden sind beim gestrigen Post-Doc Day an der Goethe-Universität mit einem neuen, von der Aventis Foundation gestifteten Forschungspreis „Life Sciences Bridge Award“ ausgezeichnet worden: Die Biochemikerin Dr. Inga Hänelt, der Pharmazeut Privatdozent Dr. Daniel Merk und der Biochemiker Dr. Christian Münch erhielten den mit jeweils 100.000 Euro dotierten Aventis Foundation Postdoctoral Award. Ziel der Förderung ist es, Forschenden in den Lebenswissenschaften frühzeitig ein selbstständiges wissenschaftliches Arbeiten zu ermöglichen und sie in der Umsetzung auch unkonventioneller Ideen zu bestärken.

„Mit ihrem Life Sciences Bridge Award will die Aventis Foundation eine Brücke über den Graben bauen, der sich für den wissenschaflichen Nachwuchs zwischen Promotion und Professur auftut. Gefördert werden sollen vor allem Forschende, die auf dem Sprung zu einer permanenten Position – typischerweise einer Professur – stehen“, so Prof. Werner Müller-Esterl, Vorsitzender der Jury des Preises.

Die Biochemikerin Dr. Inga Hänelt untersucht am Institut für Biochemie die Kommunikation zwischen Bakterien in Biofilmen. Diese überleben als Gemeinschaft, indem sie Nahrung und Stoffwechselprodukte austauschen und sich vor schädlichen Umwelteinflüssen schützen. „Biofilme sind allgegenwärtig und die meisten sind für die Ökosysteme nützlich“, erklärt die 38-Jährige. Einige Biofilme sind für den Menschen jedoch gefährlich. Sie treten bei bakteriellen Entzündungen der Lunge, der Hirnhaut, des Mittelohrs, der Harnwege oder der Haut auf.

Die Kommunikation wird durch ausgeklügelte Transportmechanismen in der Plasmamembran gewährleistet. Inga Hänelt interessiert insbesondere die Rolle von Kaliumkanälen. „Hier wurde erst kürzlich ein Konzept der elektrischen Kommunikation beschrieben, das bis dato nur für eukaryotische Zellen, wie zum Beispiel Nervenzellen, bekannt war, aber nicht für Bakterien“, erklärt sie. Den Aventis Foundation Postdoctoral Award möchte sie dazu nutzen, die Kommunikation in bakteriellen Biofilmen über Kaliumkanäle näher zu erforschen.

Der Pharmazeut Privatdozent Dr. Daniel Merk erforscht am Institut für Pharmazeutische Chemie, wie man Rezeptoren, die sich innerhalb der Zelle oder gar im Zellkern befinden (nukleäre Rezeptoren), gezielt mit Arzneistoffen ansteuern kann. „Nukleäre Rezeptoren sind an verschiedensten Erkrankungen beteiligt – von Entzündungen über Stoffwechsel-Erkrankungen bis hin zu Krebs – und deshalb pharmakologisch hochinteressant“, erläutert er.

Der Fokus des 33-Jährigen liegt auf den bisher wenig erforschten nukleären Rezeptoren, wobei er gezielt jene auswählt, die an neurodegenerativen Erkrankungen beteiligt sind. Um die Charakterisierung geeigneter Arzneistofftargets und die Entwicklung optimierter Wirkstoffe zu beschleunigen, möchte er mithilfe des Preisgeldes auch neue Technologien wie die künstliche Intelligenz oder innovative in vitro screening Methoden nutzen.

Der Biochemiker Dr. Christian Münch vom Institut für Biochemie II erforscht ebenfalls neurodegenerative Erkrankungen, allerdings interessiert er sich vor allem für fehlgefaltete Proteine, die in Nervenzellen zusammenklumpen, so dass diese absterben. „Normalerweise aktivieren Zellen spezifische Stressantworten, um eine solche Fehlfaltung zu beseitigen und die Zelle gesund zu erhalten“, erklärt Münch. „Vor ein paar Jahren wurde mir klar, dass wir fast nichts darüber wissen, wie diese Stressantwort in Mitochondrien abläuft, obwohl ja gerade die mitochondrialen Proteine lebenswichtige Funktionen für die Energieversorgung von Zellen erfüllen.“

Ziel der Forschung des 36-Jährigen ist es, zu verstehen, wie die verschiedenen Stressantworten der Zelle miteinander verknüpft sind. Dabei müssen zunächst die Einzelprozesse im Detail aufgeklärt werden, um dann das daraus hervorgehende zelluläre Netzwerk zu verstehen. Besonders interessiert Münch sich dafür, welche Störungen in diesem komplexen System zu Krankheiten führen. Dabei ist er auf ein immer breiter werdendes Spektrum hochmoderner und neuartiger Technologien angewiesen.

Bisher hat keiner der drei herausragenden jungen Wissenschaftler eine unbefristete Stelle. So wünschen sich Inga Hänelt und Christian Münch, die beide Verantwortung für eine Familie haben, für hochqualifizierte junge Wissenschaftler klare Zukunftsperspektiven in Form von Tenure-Track-Professuren. „Nur so wird es gelingen, die bestqualifizierten Frauen und Männer in der Wissenschaft zu halten“, prognostiziert Münch. Die Förderung durch den Aventis Foundation Postdoctoral Award verschafft den Preisträgern mehr Unabhängigkeit, ihre Forschungsideen umzusetzen und sich damit für eine Professur zu qualifizieren.

Die Aventis Foundation wählt die Preisträger in Zusammenarbeit mit wissenschaftlichen Institutionen aus. In diesem Jahr ist die Goethe-Universität Frankfurt Partnerinstitution. Ausgezeichnet werden promovierte oder bereits habilitierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die eine akademische Karriere anstreben und noch keine unbefristete Professur innehaben.

Informationen zum Forschungspreis: bridge.aventis-foundation.org