Nina Morgner scheint ein genügsamer Mensch zu sein. Mit einem Augenzwinkern sagt sie: „Um im Leben glücklich zu sein, braucht man zweierlei: Vakuumapparaturen und Laseraufbauten.“ Zum ersten Mal wurde ihr das bewusst, als sie in Freiburg ihr Physikstudium mit einer Diplomarbeit über Clusterphysik abschloss. Zwar hat sie sich seither auf eine benachbarte Disziplin verlagert, schon ihre Doktorarbeit am Institut für Physikalische und Theoretische Chemie der Goethe-Universität angefertigt und dort inzwischen eine Professur angetreten.

Aber Vakuumapparaturen und Laseraufbauten sind noch immer ein wichtiger Teil ihres Forscherlebens: Für ihre Dissertation arbeitete sie an der Entwicklung eines Massenspektrometrie-Verfahrens, mit dem sich Erkenntnisse zu Struktur und Funktion von Biomolekülen gewinnen lassen, also von Eiweißen (Proteinen) ebenso wie von der Erbsubstanz DNA oder aber von Insulin, Adrenalin und anderen Hormonen. Auch als Professorin entwickelt Morgner das Verfahren noch stetig weiter: Um etwas über die Struktur von Biomolekülen zu erfahren, bestrahlt sie diese nach wie vor mit einem Laser, und um zu verhindern, dass die Messergebnisse verfälscht werden, muss Morgner die Messungen im Vakuum vornehmen; die Voraussetzungen für ihr Glück sind also nach wie vor gegeben.

Zumal Morgner zeit ihres Lebens von technischen Basteleien fasziniert war: „Das habe ich von meinem Vater, einem inzwischen emeritierten Physikprofessor, mitbekommen“, erzählt sie, „ich fand es absolut faszinierend, wenn er mich mal ins Labor mitgenommen hat.“ Auch wenn ihr Vater zu Hause im Keller gebastelt und kleine Experimente gemacht habe, habe sie sich begeistert beteiligt – „mehr als mein Bruder“, fügt Morgner hinzu, „der war daran nicht so sehr interessiert. Aber ich fand es unglaublich spannend. Meine Liebe zum Experimentieren habe ich ganz klar von meinem Vater mitbekommen.“

Drei »Elternteile«

Nach ihrem biologischen Vater und ihrem Doktorvater hat ein dritter Elternteil Morgners akademischem Weg die entscheidende Richtung gegeben: „Meine Postdoc-Mutter ist in der Massenspektrometrie ein internationaler Superstar“, berichtet Morgner, „gegen Ende meiner Promotion habe ich sie auf einem Symposium persönlich kennengelernt und mich direkt als Postdoc bei ihr beworben.“

Mehr als drei Jahre habe sie dann als Postdoc in England verbracht, zunächst in Cambridge und dann in Oxford. Dort habe sie Massenspektroskopieverfahren angewandt, mit denen sie noch keine Erfahrungen hatte, „in dieser Zeit habe ich unglaublich viel dazugelernt“, berichtet Morgner. Nachdem sie anschließend zwei weitere Jahre als leitende wissenschaftliche Mitarbeiterin in Oxford geforscht hatte, kehrte Morgner 2013 als Junior-Professorin an die Goethe-Universität zurück, um sich hier weiter der Massenspektroskopie zu widmen: um einerseits Instrumente für diese experimentelle Technik zu entwickeln beziehungweise zu verbessern und um sich andererseits – vor allem in Kooperationen mit anderen, sehr renommierten Frankfurter Forschenden – mit Membranproteinen zu beschäftigen.

„Das ist eine ganz wichtige Klasse von Biomolekülen“, sagt Morgner, „sie sitzen in einer Zellmembran, wo sie wichtige Funktionen haben. Manche wirken zum Beispiel gewissermaßen als Schleuse, indem sie sich ein bisschen verformen und auf diese Weise entweder kleinere Teilchen durch die Membran hindurchlassen oder aber die Öffung blockieren.“ Gerade hier sei das Massenspektrometrieverfahren, das in wesentlichen Teilen auf ihrer Doktorarbeit beruhe, eine besonders geeignete Untersuchungsmethode:

„Bei der Massenspektrometrie muss die zu untersuchende Substanz in Form einzelner Moleküle in der Gasphase vorliegen“, erläutert Morgner. „Das kann ich in meinem Verfahren dadurch erreichen, dass ich winzige Tröpfchen einer wässrigen Lösung der Biomoleküle mit einem Infrarot-Laser bestrahle.“ Die Intensität des Lasers könne passend abgeschwächt werden, so dass er zwar noch die Tröpfchen zur Explosion bringe, was die gelösten Biomoleküle in die Gasphase freisetze, aber noch nicht die Biomoleküle beschädige, „Sonst würde ich in dem Massenspektroskopie-Experiment nur noch die Bruchstücke der Biomoleküle nachweisen, und nichts über die Moleküle erfahren, wie sie in der lebenden Zelle vorliegen.“

Forschung frei von Projektplänen

Natürlich betreibe sie Grundlagenforschung, stellt sie klar, allerdings könnten diese unter Umständen in wichtige pharmazeutische Anwendungen münden. Trotzdem sehe sie ihren Platz an einer Universität: „Hier forschen wir, und wenn wir auf etwas Spannendes stoßen, dann können wir es weiterverfolgen, egal, ob das in unseren Projektplan passt oder nicht“, sagt Morgner, „da wäre ich in der Industrie viel stärker festgelegt. Mein Entschluss, eine akademische Laufbahn einzuschlagen, war also genau richtig.“

Der Erfolg gibt ihr Recht: Die DFG (Deutsche Forschungsgemeinschaft) hat sich entschieden, Morgners Karriere im Rahmen einer Heisenberg-Professur zu fördern, außerdem erhielt Morgner einen Auslandsruf an die University of Amsterdam – für die Goethe-Universität war das Grund genug, Morgners Stelle in eine reguläre Professur umzuwandeln. „In drei Jahren, wenn die Heisenberg-Professur ausläuft, werde ich zwar nochmal evaluiert“, gibt sie zu bedenken, „aber von einem positiven Ergebnis gehe ich erstmal aus.“ Die Nadel von Nina Morgners Karriere-Kompass zeigt auf die Goethe-Universität.

Stefanie Hense

Dieser Artikel ist in der Ausgabe 6.19 des UniReport erschienen.