Grünberg vor dem Platz, der nach ihm benannt ist. Foto: Jürgen Lecher

Der Physik-Nobelpreisträger Peter Grünberg ist im Alter von 78 Jahren gestorben. 2008 hatte die Goethe-Universität den Platz vor dem Physik-Gebäude nach ihrem Alumnus benannt.

Peter Grünberg erhielt den Physik-Nobelpreis 2007 zusammen mit dem Franzosen Albert Fert für die Entdeckung des Riesenmagneto-Widerstand-Effekts (GMR-Effekt). Dank dieser Entdeckung konnte die Speicherkapazität von Festplatten deutlich erhöht werden.

Peter Grünberg wurde 1939 in Pilsen geboren. Nachdem seine Heimat 1946 an die Tschechoslowakei gefallen war, siedelte er mit seiner Mutter und Schwester nach Deutschland aus. Der Vater, ein bei Skoda beschäftigter Ingenieur, war im November 1945 in tschechoslowakischer Haft gestorben. Grünberg besuchte das Realgymnasium im hessischen Lauterbach und bewarb sich dann 1959 an der Goethe Universität. Als angestrebten Beruf gab er auf dem Personalbogen der Universität „technischer Diplomphysiker“ an. Den größten Eindruck machten auf ihn die Vorlesungen von Prof. Marianus Czerny in Experimentalphysik, wie er 2008 im Rückblick auf seine Studienzeit in Frankfurt sagte.

Grünberg lag offenbar nicht viel daran, sich durch besonders gute Noten hervorzutun. In dem handschriftlichen Lebenslauf, den er 1961 anlässlich seiner Zulassung zum Vordiplom verfasste, heißt es: „Ich studiere lediglich aus Interesse an der Physik“. Er bestand gerade eben mit der Note „genügend“. „Wie man sieht, werden Kreativität und Genialität in solchen Prüfungen nicht erkannt“, kommentiert Prof. Horst-Schmidt-Böcking, pensionierter Physik-Professor an der Goethe-Universität.

Nach dem Vordiplom wechselte Grünberg an die Technische Hochschule Darmstadt. Dort promovierte er 1968 und ging dann für drei Jahre als Postdoktorand an die Universität Ottawa, Kanada. 1972 trat er eine Stelle als wissenschaftlicher Mitarbeiter am neu gegründeten Forschungszentrum Jülich an, wo er die nächsten 45 Jahre seines Berufslebens verbrachte. Dort entdeckte er 1988 den Riesenmagneto-Widerstands-Effekt. Er beschreibt den Umstand, dass sehr schwache Änderungen eines äußeren Magnetfeldes große Veränderungen des magnetischen Widerstands eines Speichermaterials mit einem bestimmten Aufbau bewirken. 1997 wurde das erste Speichermedium auf Basis des GMR-Effekts auf dem Markt gebracht und entwickelte sich bald zur Standard-Technologie.

Die Goethe-Universität ehrte ihren Alumnus im Jahr nach der Vergabe des Nobelpreises, indem sie den Platz vor dem Physikgebäude auf dem Campus Riedberg nach Peter Grünberg benannte. Damals gab Grünberg während einer Feierstunde eines der wichtigsten Ereignisse aus der Frankfurter Zeit preis: In der Mensa – in der es damals noch Eintopf für 50 Pfennige gab – lernte er Helma Prausa, seine spätere Frau kennen. Zur Erinnerung an die Studienjahre setzte er sich auch noch einmal in seinen damaligen Hörsaal in Bockenheim und stellte sich vor, wie Czerny dort vortrug. Damals, sagte er schmunzelnd, habe er immer auf den hinteren Plätzen gesessen.