Froh, dass es das Welcome Centre an der Goethe-Uni gibt: Midori Wakabayashi und Wataru Kureishi. Foto: Lecher

Froh, dass es das Welcome Centre an der Goethe-Uni gibt: Midori Wakabayashi und Wataru Kureishi. Foto: Lecher

Die japanischen Wissenschaftler Midori Wakabayashi und Wataru Kureishi erforschen die Situation von Familien in Japan. Die beiden interessieren sich beispielsweise dafür, warum immer weniger Japaner heiraten und die Geburtenrate in Japan so niedrig ist. Entgegen dieser Trends sind Midori Wakabayashi und Wataru Kureishi verheiratet und haben zwei Kinder. Seit Oktober ist die ganze Familie in Frankfurt zu Gast.

Midori Wakabayashi und Wataru Kureishi verbringen einen 11-monatigen Forschungsaufenthalt an der Goethe-Universität im House of Finance. Die beiden Wirtschaftswissenschaftler wurden über das Visitors- Programm des Forschungszentrums SAFE nach Deutschland eingeladen. Midori Wakabayashi forscht in Japan als Associate Professor an der Tohoku Universität in Sendai.

Dort arbeitet sie an der Fakultät für Ökonomie und Management und bietet auch Vorlesungen für Studenten an. Wataru Kureishi ist Senior Researcher am National Institute of Population and Social Security in Tokio. Das Institut ist an das japanische Ministerium für Gesundheit, Arbeit und Sozialwesen angegliedert und hat die Aufgabe, das Ministerium zu beraten sowie Studien zu politikrelevanten Themen zu erstellen.

Arbeitsteilung bei der Forschung

Kennengelernt haben sich Midori Wakabayashi und Wataru Kureishi vor fünfzehn Jahren bei ihrem Studium an der Osaka Universität, an der beide auch ihren Ph.D. gemacht haben. Da beide sehr ähnliche Forschungsinteressen haben, arbeiten sie häufig an gemeinsamen Projekten und veröffentlichen Studien zusammen.

Während Wataru Kureishi dabei meist den theoretischen Teil der Arbeit übernimmt und Hypothesen aufstellt, die später anhand von empirischen Daten überprüft werden sollen, ist Midori Wakabayashis Aufgabe in der Regel die Auswertung der Daten. Für ihre Analysen verwenden die beiden bisher nur asiatische, hauptsächlich japanische Daten. Die beiden erforschen unter anderem die Situation von Familien, finanzielle Entscheidungen von privaten Haushalten, Auswirkungen einer alternden Gesellschaft und Möglichkeiten zur Verbesserung der Sozialversicherungssysteme.

Wataru Kureishi arbeitet aktuell an der „National Survey on Social Security and People’s Life“ für Japan. Dabei soll zum Beispiel untersucht werden, wie Menschen sich innerhalb einer Familie in wirtschaftlich schwierigen Situationen gegenseitig helfen. Die Unterstützung innerhalb von Familien oder Gemeinschaften spiele eine wichtige Rolle bei der Ergänzung der öffentlichen Sozialversicherungssysteme, so Wataru Kureishi.

Laut Midori Wakabayashi sei ein Problem in Japan, dass das Sozialversicherungssystem immer noch auf traditionelle Familienmodelle ausgerichtet sei. Gerade alleinstehende Frauen würden in diesem System benachteiligt, so Midori Wakabayashi.

Unverheiratete Frauen müssen mehr sparen

In der Studie „What motivates single women to save? The case of Japan”, die beide Wissenschaftler 2013 gemeinsam veröffentlichten, haben sie sich die Situation von unverheirateten Frauen in Japan genauer angeschaut. Sie haben herausgefunden, dass alleinstehende Frauen einen viel größeren Anteil ihres Einkommens sparen müssen, um für Notfälle und das Alter vorzusorgen. Das habe zum Beispiel damit zu tun, dass unverheiratete Frauen einem höheren Risiko ausgesetzt seien, wenn sie arbeitslos werden, erläutert Midori Wakabayashi.

In einer Ehe könne der Partner im Notfall einspringen und die Familie versorgen. In Deutschland wollen die beiden Forscher jetzt mehr über die Situation von Familien in Europa erfahren und auch deutsche Datensätze auswerten. Einen Unterschied bei der Kinderbetreuung in Deutschland im Vergleich zu Japan haben sie schon gleich bei ihrer Ankunft in Frankfurt festgestellt, als sie ihren fast 2-jährigen Sohn im Kindergarten anmelden wollten.

Während die Anmeldung in Japan zentral organisiert ist, mussten sie sich in Deutschland bei jedem Kindergarten einzeln bewerben, was gar nicht so einfach war, da in vielen Einrichtungen nur Deutsch gesprochen wird. Ein Vorteil in Deutschland sei aber, so Midori Wakabayashi, dass die Kinder hier jederzeit für den Kindergarten angemeldet werden können.

In Japan sei eine Anmeldung dagegen nur jeweils zum 1. April eines Jahres möglich. So profitieren die Wissenschaftler von ihrem Aufenthalt in Frankfurt gleich doppelt: Sie können mehr über den aktuellen Stand der Forschung in Europa erfahren, aber auch im Alltag die praktischen Unterschiede zwischen einem Familienleben in Deutschland und Japan kennenlernen. [Autorin: Ina Christ]