Mehr als 200 Studierende von acht Universitäten nahmen an einem gemeinsamen Politikseminar zur aktuellen Migrationspolitik teil. Ziel war auch, den Studierenden Kompetenzen in der wissenschaftlichen Nutzung digitaler Medien zu vermitteln.

Ein aktuelles Thema« und »Praxisbezug« – so lauten die Wünsche von Studierenden der Sozialwissenschaften, wenn sie nach neuen Lehrveranstaltungen befragt werden. Um dies zu ermöglichen und Studierenden zudem Kompetenzen in der wissenschaftlichen Nutzung digitaler Medien zu vermitteln, haben sich Politikwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler von acht deutschen Universitäten zusammengeschlossen. Sie führten im Sommersemester 2018 gemeinsam das Seminar »Security- Development-Migration Nexus« durch, bei dem die aktuelle Migrationspolitik der europäischen Staaten und ihre Auswirkungen in den afrikanischen Staaten untersucht wurde.

In Frankfurt nahmen vor allem Studierende des Masterstudiengangs Internationale Studien/Friedens- und Konfliktforschung daran teil. Mehr als 200 Studierende der Universitäten Düsseldorf, Frankfurt, Freiburg, Hamburg, Mainz, Marburg, Magdeburg und Tübingen diskutierten im Sommersemester 2018 kontrovers das Thema. Dazu bereiteten sie sich nicht nur durch Texte vor, die auf der Freiburger Lernplattform ILIAS bereitgestellt wurden. Sie schauten auch 20- bis 30-minütige Videos von externen, teils internationalen Experten, die diese extra erstellt hatten. In der Sitzung ermöglichte die Nutzung des Video-Konferenzsystem Vidyo den standortübergreifenden Diskurs und die Diskussion mit den live zugeschalteten Experten. Per Tweedback konnten Studierende zudem Fragen stellen und Kommentare abgeben.

Auf diese virtuelle Chatwall können Studierende über ihre mobilen Endgeräte zugreifen. Das dem Twittern ähnliche Posten von Fragen und Feedback war eine viel genutzte Beteiligungsmöglichkeit. Studentische Referate gab es keine. Die Studierenden erstellten vielmehr Erklärvideos, Literaturpodcasts zur Sitzungslektüre oder Videos mit Meinungsumfragen in der Bevölkerung. Diese zusätzlichen Materialien nutzen alle Studierenden zur Vor- und Nachbereitung der Sitzungen. Was einfach klingt, gestaltete sich jedoch teils schwierig. Hier ist zunächst die Technik zu nennen. Acht Universitäten zu vernetzen und das Seminar zugleich aufzuzeichnen gelang einem anderen Rechenzentrum nicht, sodass die Medientechnik der Goethe- Universität spontan einsprang und half.

Erstaunlicherweise war die Mediennutzung für die Studierenden anfangs ungewohnt. Obwohl sie soziale Medien selbstverständlich nutzen, waren die Studierenden anfangs sehr zurückhaltend, wenn es darum ging, in die Kamera zu sprechen. Zurückhaltung prägte auch in einigen Arbeitsgruppen die Zusammenarbeit. Da sich die Studierenden der verschiedenen Universitäten untereinander nicht kannten, lief die Kommunikation nur zögerlich an. In einigen Gruppen mussten die Lehrenden intervenieren und motivieren. Schließlich war die Vorbereitung des gesamten Seminars wie auch die der wöchentlichen Sitzungen sehr zeitaufwändig, da acht Lehrende eben auch acht verschiedene didaktische und inhaltliche Verständnisse haben.

Trotz dieser Herausforderungen war das Seminar ein Erfolg: Einzelne Lehrende hätten nie so viel Expertinnen und Experten aus der Praxis einladen, nicht so viel Videomaterial erstellen und nicht so viele kontroversen Positionen erarbeiten können. Die gemeinsame Bearbeitung standortübergreifender Aufgaben führte zwar nicht in jedem Fall zu optimalen Ergebnissen. Jedoch wurden die Aufgaben oftmals sehr kreativ gelöst. Die digitale Kompetenz der Studierenden ist ausgebaut, standortübergreifenden Kontakte gefördert. »Nicht nochmal mit acht Universitäten «, schlussfolgerte die Frankfurter Veranstalterin, Prof. Tanja Brühl, »aber in einem kleineren Rahmen jederzeit wieder!«

[Autorin: Maria Stalla]

Dieser Artikel ist in der Ausgabe 3.18 der Mitarbeiterzeitung GoetheSpektrum erschienen.