Jonas (24), Sonia (24) und Maurice (22). Foto: Dettmar

Nicht jedem fällt es zum Studienstart leicht, sich an der Goethe-Universität zurechtzufinden. UniReport-Mitarbeiter Linus Freymark, Student der Politikwissenschaft, hat Kommilitonen aus höheren Fachsemestern einmal befragt, wie man den Einstieg ins Studentenleben meistert.

Das erste Mal ist immer aufregend. Egal, ob das erste Date oder die erste Fahrstunde: Jeder, der nicht mit der Coolness eines Bruce Willis gesegnet ist, kennt das Gefühl. Die Vorfreude wird zur Spannung, mit ihr steigt die Nervosität, die sich je nach Situation zur blanken Panik auswachsen kann. Mit dem ersten Tag an der Uni verhält es sich nicht anders. Bei aller Neugier betritt man den Campus auch mit einem etwas mulmigen Gefühl im Bauch.

Eine Situation, an die sich Rafa auch nach sieben Semestern noch gut erinnern kann. Gerade hat er seine Bachelorarbeit im Fach Wirtschaftspädagogik abgegeben, jetzt organisiert er mit seinen Kommilitonen die Orientierungswoche für die Erstsemester. „Man ist auf jeden Fall aufgeregt auf das, was kommt.

Nina (26) und Lena (25). Foto: Dettmar

Auf der einen Seite fühlt man sich verloren, auf der anderen Seite hilft einem die Einführungswoche sehr dabei, schnell einen Bezug zur Uni und zu den Leuten hier herzustellen“, sagt der 22-Jährige. Auf den Partys zum Semesterstart knüpfte er schnell Kontakte, einige haben bis heute gehalten. Als Patentrezept für einen erfolgreichen Start ins Studentenleben empfiehlt er „ein gesundes Mittelmaß zwischen die Sache ernst nehmen und trotzdem seinen Spaß haben.

Hat man Spaß am Studieren, kommen die guten Noten von alleine.“ Eine Einschätzung, die auch Mitja und Lukas teilen. Eindrucksvoll seien die ersten Vorlesungen gewesen, erzählen sie: „Mit 800 Leuten in der Vorlesung zu sitzen, war schon etwas Besonderes. Sobald man aber ein paar Leute kennengelernt hat, verfliegt die Anspannung ganz schnell“, meint Mitja.

Gerade für ihn, der zum Studieren neu nach Frankfurt gezogen ist, sei der Anfang besonders aufregend gewesen, er habe sich zunächst einmal unsicher gefühlt: „Am ersten Tag bin ich im Hemd gekommen, das war vielleicht ein bisschen overdressed“, erzählt der Politikstudent und lacht.

Mittlerweile blicken beide entspannt auf ihre ersten Tage auf dem Campus zurück, den Stress, den sie sich damals machten, finden sie heute völlig unnötig. Ihre Empfehlung: Das erste Semester sollte man vor allem zur Orientierung im Unialltag nutzen und seinen Stundenplan nicht mit zu vielen Nebenfächern und Seminaren vollladen.

Soziale Kontakte sind wichtig

Aslan und Aki erging es zu Beginn ihres Studiums ähnlich. Sitzen sie heute ganz entspannt in der Sonne vor dem RuW-Gebäude, fühlte sich Aslan anfangs „wie ins kalte Wasser geworfen. Alles kam auf einmal, man musste beispielsweise seinen Stundenplan erstellen, ohne zu wissen, wie das überhaupt geht.“

Bei der Orientierung habe ihm die Einführungswoche extrem geholfen, sie sollte man auf jeden Fall mitmachen. Wichtig für das Wohlbefinden in der Uni seien zudem soziale Kontakte. Aslan empfiehlt: „Man sollte offen sein, über Lerngruppen lernt man etwa schnell Leute kennen. Vor allem der Kontakt zu Studenten aus höheren Semestern ist sehr wichtig.“

Simon und Rafa (beide 22) mit dem Autor Linus Freymark. Foto: Dettmar

Diese könnten aufgrund ihrer Erfahrung Hilfestellungen bei der Prüfungsanmeldung oder der Organisation des Studiums geben. Kumpel Aki ergänzt: „Gerade am Anfang sind die Partys extrem wichtig, um Freunde zu finden. Hier würde ich alles mitnehmen, was geht. Hat man seine Leute, geht alles von alleine.“ Dass man mit dem Kontakteknüpfen nicht zu lange warten darf, haben Lena und Nina in ihrer Anfangszeit erfahren.

Die beiden Lehramtsstudentinnen kennen sich aus der Einführungswoche, jetzt stehen sie kurz vor ihrem Examen. Zwar seien die ersten Tage gut organisiert gewesen, so dass man sich schnell zurechtfinden konnte, viele ihrer Kommilitonen hätten sie aber nicht näher kennengelernt: „Wenn man nicht schnell genug war, war man bei den verschiedenen Grüppchen sofort außen vor“, erzählt Nina.

Weil sie von dem Programm nichts erfahren hat, hat sie lediglich die offiziellen Veranstaltungen der Universität besucht, an den von der Fachschaft organisierten Kennenlernabenden hat sie nicht teilgenommen. Für Nina im Rückblick eine verpasste Gelegenheit, mit ihren Kommilitonen in Kontakt zu treten.

Einführungswoche besser nicht verpassen

Rika und Valeria sind im zweiten Semester. Auch sie kennen sich aus der Orientierungswoche. Die dort geschlossenen Freundschaften halten bis heute und haben beiden Sicherheit im Umgang mit der neuen Situation gegeben. „Haben sich allerdings erstmal Gruppen gebildet, ist es schwer, noch neue Leute kennenzulernen“, meint Rika.

Mit ihrem Studienstart sind beide sehr zufrieden, auch deshalb, weil sie an allen Programmpunkten teilgenommen haben. „Die Leute, die nicht immer bei der Einführungswoche dabei waren, sind schon ein bisschen isolierter“, findet Valeria, „obwohl es gut geklappt hat, war es am Anfang aber schon schwierig, auf die Leute zuzugehen.“

Rika (22) und Valeria (18). Foto: Dettmar

Dass sich diese Offenheit lohnt, bestätigt Maurice: „Türen aufhalten und freundlich sein, das zahlt sich direkt aus“, empfiehlt der Jurastudent. Allerdings, ergänzt seine Kommilitonin Sonia, hätten die Kontakte aus der Einführungswoche nicht gehalten. „Das liegt aber wahrscheinlich am Studiengang“, sagt sie schmunzelnd.

Trotzdem sei die erste Woche wichtig für die Orientierung, besonders für die Organisation des Studiums würden hier hilfreiche Tipps vermittelt und Fragen zu Formalitäten geklärt. Engere Kontakte hätten sie jedoch eher über die Sportangebote geknüpft. Eugens Erinnerungen an seinen Start in Frankfurt sind, obwohl er erst im zweiten Semester ist, etwas getrübt.

Freundschaften hat er vor allem in den durchzechten Nächten der ersten Woche geschlossen. Dabei hat er die eine oder andere Frist verstreichen lassen, weshalb der Student der Sprachwissenschaften nun unfreiwillig im Koreanischkurs gelandet ist. „Das wollte ich zwar am Anfang nicht, mittlerweile macht es mir aber schon Spaß“, erzählt der 20-Jährige.

Die Folgen der vielen Partys zum Studienstart müssen also, abgesehen von den Kopfschmerzen am nächsten Tag, nicht unbedingt negativ sein. Im Laufe des Semesters sollte man das Ruder allerdings herumreißen. „Sobald die ersten Vorlesungen durch sind und der Stoff mehr wird, sollte man seinen Alkoholkonsum auf jeden Fall zurückschrauben“, lautet Eugens Empfehlung. Ein Tipp, der nicht nur zum Semesterstart hilfreich ist.

[Autor: Linus Freymark]

Dieser Artikel ist in der Ausgabe 2.17 (PDF-Download) des UniReport erschienen.

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