Über den Wolken...; Foto: Akaflieg Goethe-Uni

Blick aus dem Cockpit über die schneebedeckten Pyrenäen; Foto: Akaflieg Goethe-Uni

Über Ostern brach die Akademische Fliegergruppe der Goethe-Universität zu ihrer alljährlichen Expedition in die spanischen Pyrenäen auf. In über 53 Segelflügen sammelten die Teilnehmer Flugerfahrungen und Datensätze für die Forschung.

Ende März, ein paar hundert Kilometer über den Pyrenäen: Schneebedeckte Gebirgsspitzen bestimmen den Ausblick. Von Zeit zu Zeit zieht ein Greifvogel vorbei. Wie im Miniaturwunderland zeichnen sich kleinste Ortschaften und die Wege, die dorthin führen, ab. Ein atemberaubender Blick über das wilde Gebirge, das Frankreich von Spanien trennt, bietet sich den Segelfliegern durch ihr Cockpit-Fenster. Eine Welle nach der anderen lässt sie in der Luft dahingleiten.

Es ist ein Urlaub der besonderen Art, in einer Höhe von ein paar tausend Metern: Die 1929 gegründete Akademische Fliegergruppe der Goethe-Universität (Akaflieg) verbrachte wie jedes Frühjahr zwei Wochen in Spanien, die meiste Zeit davon über den Wolken, um die Flugsaison zu eröffnen. Doch wie es sich für einen Verein einer Wissenschaftsinstitution gehört, war das Ziel der Akaflieg nicht nur, über die Pyrenäen zu gleiten und die herrliche Aussicht zu genießen, sondern auch die wissenschaftliche Arbeit im „Akaflieg Frankfurt Wave Research Camp“ voranzutreiben.

Vom Flugplatz La Cerdanya in der spanischen Region Katalonien starteten die Segelflieger Tag für Tag in die Luft auf der Jagd nach der perfekten Welle, einer sogenannten atmosphärischen Schwerewelle, die besonders viel Auftrieb gibt und ein Forschungsschwerpunkt des Vereins ist. Ein Resultat: Drei motorlose Flüge, die die Distanz von über 1000 Kilometer zurücklegten. Das entspricht ungefähr dem Weg von Frankfurt nach Barcelona. Um dies zu erreichen saßen die Piloten mehr als 9 Stunden im Flieger – ein beachtliches Ergebnis. . Die Flugzeuge transportiert die Expeditionsgruppe übrigens mit dem Autoanhänger nach Spanien.

Segelflugzeug der Akaflieg in den Pyränen; Foto: Akaflieg Goethe-Uni

Segelflugzeug der Akaflieg in den Pyrenäen; Foto: Akaflieg Goethe-Uni

Was ist eine atmosphärische Schwerewelle?

Unter einer atmosphärischen Schwerewelle (auch Gebirgsleewelle, Welle oder Mountain Wave genannt) versteht man Luftschwingungen, die bei hohen Windgeschwindigkeiten hinter großen Hindernissen wie Bergkämmen auftreten. Vorhersagemodelle und das praktische finden und vermessen, wie auch die effektive Nutzung dieser Wellen sind Bestandteile der Expedition. Quelle: Akaflieg

Insbesondere Duo Discus „FE“ half der Gruppe von 16 Segelfliegern dabei, wichtige Daten zu sammeln. Es ist einer von fünf Hochleistungsdoppelsitzern des Segelflugvereins, ausgestattet mit einem Bordcomputer und Sensorsystem, die eine Menge Daten aufgezeichnet haben: Temperatur, relative Luftfeuchte, Magnetfeld und Fluglage. Mit den GPS-Aufzeichnungen der anderen Flugzeuge konnten insgesamt mehr als 15.000 Kilometer Flugwegdaten erfasst werden, trotz der Tatsache, dass der Computer bereits nach zwei Tagen defekt ausfiel.

Die Daten helfen anschließend bei der Verbesserung von Wellenmodellen. Zudem profitieren auch Forschungseinrichtungen der Goethe-Universität von den Messwerten, wie etwa das Institut für Atmosphäre und Umwelt (IAU), das damit Wettermodelle prüft. Auch die anderen Flugzeuge der Flotte sollen mittelfristig mit Bordcomputern aufgerüstet werden, um der Wellen- und Thermikforschung noch mehr Daten liefern zu können. Bei einem Vortrag auf der Night of Science wird die wissenschaftliche Auswertung der Daten präsentiert.

Die seltenen 1000 Kilometer-Flüge haben diese drei Akaflieg-Mitglieder geschafft:

  • Christopher Rogos & Christian Keimer (Akaflieg Frankfurt) am 30.03.2016: 1078 Wertungskilometer in 9.15 Stunden
  • Thomas Seiler & Rolf Stuckmeyer (SFG Bremen & Akaflieg Frankfurt) am 30.03.2016: 1012 Wertungskilometer in 10 Stunden
  • Thomas Seiler & Rolf Stuckmeyer (SFG Bremen & Akaflieg Frankfurt) am 23.03.2016: 1112 Wertungskiometer in 9.31 Stunden

Für einige Flugschüler, die im vergangenen Sommer zum ersten Mal geflogen waren, hielt die Expedition die nächste Entwicklungsstufe in ihrer Segelfliegerkarriere bereit: die Gebirgsflugausbildung. Geht es in höhere Lagen kommen die Flieger nicht um eine Sauerstoffversorgung und Thermokleidung herum. Zurück in der Heimat geht nun die Flugsaison auf dem Heimatflugplatz Ziegenhain in Nordhessen weiter. Der Verein mit mehr als 150 Mitgliedern aus Studenten, Alumni und anderen am Segelfliegen Interessierten, bietet dort jeden Sommer Anfängerkurse, neben den regulären Wochenendtrainings, an.