Forschung und Praxis sind eng miteinander verbunden im Fachbereich Medizin (FB 16), der seinen Sitz am Campus Niederrad hat. Ein Blick auf Forschungsschwerpunkte, zeitgemäße Lehre und aktuelle Herausforderungen der Universitätsmedizin.

Forschung und Praxis sind eng miteinander verbunden im Fachbereich Medizin (FB 16), der seinen Sitz am Campus Niederrad hat mit dem Universitätsklinikum und angrenzenden Forschungsgebäuden. Ein Blick auf Forschungsschwerpunkte, zeitgemäße Lehre und aktuelle Herausforderungen in der Universitätsmedizin.

Um den Namensgeber Goethe zu zitieren: »Nichts im Leben, außer Gesundheit und Tugend, ist schätzenswerter als Kenntnis und Wissen.« In der Universitätsmedizin finden Forschung, Lehre und Patientenversorgung auf höchstem Niveau zusammen. Das zeichnet Universitätsmedizin im Gegensatz zur Medizin eines nicht universitären Krankenhauses aus. Der Fachbereich Medizin steht für eine ärztliche Ausbildung auf wissenschaftlicher Grundlage, die praxis- und patientenbezogen durchgeführt wird.

Die Forschungsschwerpunkte

Als einziger bundesweit hat der Fachbereich Medizin zusammen mit den lebenswissenschaftlichen Fachbereichen der Goethe-Universität die »Translationale Arzneimittelforschung « als Schwerpunkt etabliert. Der Fachbereich bündelt seine Forschungsaktivitäten zudem in den Schwerpunkten »Kardiovaskuläre Medizin« mit dem einzigen Exzellenzcluster in Hessen in der Exzellenzstrategie, dem »Cardiopulmonary Institute«(CPI), sowie den Forschungsschwerpunkten »Neurowissenschaften « und »Onkologie / Immunologie «.

Im Jahr 2000 hatte der Fachbereich Medizin zwei Sonderforschungsbereiche (SFB), davon einen mit Sprecherfunktion. Inzwischen sind es zehn SFB, davon vier mit Sprecherfunktion und eine Ko-Sprecherfunktion. Von zentraler Bedeutung sind auch die Deutschen Zentren der Gesundheitsforschung (Deutsches Konsortium für Translationale Krebsforschung, Deutsches Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung), die Interdisziplinären Zentren des Universitätsklinikums wie zum Beispiel das Epilepsiezentrum, das Herzinsuffizienzzentrum, das Hirngefäßzentrum, das Universitäre Centrum für Tumorerkrankungen, das Universitäre Leberzentrum, das Wundzentrum – um nur einige zu nennen.

Die Universitätsmedizin Frankfurt ist in den letzten 15 Jahren in der medizinischen Forschung eine Spitzenfakultät in Deutschland geworden. Dies zeigt sich auch in der gemeinsamen Besetzung von Professuren (MPI Bad Nauheim, Georg-Speyer-Haus Frankfurt, Paul-Ehrlich-Institut Langen, DRK-Blutspendedienst Baden-Württemberg/ Hessen), in der Kooperation in einer Reihe von interdisziplinären Zentren (zum Beispiel Interdisziplinäres Zentrum für Neurowissenschaften IZN; Zentrum für Arzneimittelforschung, -entwicklung und -sicherheit ZAFES) und der Beteiligung an europäischen Verbundprojekten.

Viele dieser Kooperationen bilden die Grundstruktur der über hessische und rheinland-pfälzische Landesgrenzen hinweg im Dezember 2015 gegründeten Allianz der Rhein-Main-Universitäten (RMU). Sehr gut aufgestellt ist der Fachbereich Medizin auch, wenn man die Entwicklung der Drittmittel betrachtet, die sich seit 2005 mehr als verdoppelt haben und 2017 mehr als ein Viertel der Drittmitteleinwerbungen der Goethe-Universität umfassten.

Wie sieht die Lehre aus?

Zum Wintersemester 2001/2002 hat der Fachbereich Medizin von der Zulassung jeweils im Sommer und Winter auf das Studienjahr mit Zulassung nur noch zum Wintersemester umgestellt. Gleichzeitig wurde die Struktur des Medizinstudiums grundlegend reformiert, auch um im nationalen Vergleich bessere Prüfungsergebnisse zu erzielen.

War die Misserfolgsquote der Frankfurter Prüflinge in der staatlichen Vorprüfung – dem ›Physikum‹ – in den 80er und 90er Jahren oft groß, gelang es ab 2005 – und dauerhaft ab 2010 – mit den Frankfurter Reformen, dies grundlegend zu ändern. Seither schneiden die Frankfurter Prüflinge gut bis sehr gut ab. Dies hat zur Folge, dass in Frankfurt wesentlich mehr Studierende in der Regelstudienzeit ihr Studium erfolgreich abschließen. Mit der Fertigstellung der Gebäude MEDICUM – Lehr-, Lern- und Prüfungszentrum sowie AUDIMAX wurden dringend benötigte, zusätzliche Flächen für eine zeitgemäße Lehre geschaffen und die Studienbedingungen zusätzlich verbessert.

Im MEDICUM wurde das Frankfurter Interdisziplinäre Simulationstraining (FIneST) angesiedelt, in dem der Erwerb klinisch-praktischer Kompetenzen im Bereich der Notfallmedizin in einer Simulationsklinik inklusive Stationsbetten, einem OP-Saal und themenspezifischen Übungsräumen trainiert werden kann.

Mit Inbetriebnahme des Prüfungsraums mit 200 Laptops im Untergeschoss des Gebäudes konnten die Klausuren im klinischen Studienabschnitt mit Unterstützung des Hochschulrechenzentrums erfolgreich auf elektronische Prüfungen umgestellt werden. Über eine Nutzung der nun am Campus Niederrad angesiedelten größten zusammenhängenden Prüfungsinfrastruktur auch durch die anderen Fachbereiche der Goethe-Universität kann jetzt gezielt nachgedacht werden.

Dekaneteam mit Ärztlichem Direktor: (von links) Prof. Thomas Klingebiel (Prodekan), Prof. Bernhard Brüne (Studiendekan Vorklinik), Prof. Josef Pfeilschifter (Dekan), Prof. Robert Sader (Studiendekan Klinik und Zahnmedizin) und Prof. Jürgen Graf (Ärztlicher Direktor des Universitätsklinikums)

Stichwort Bürger-Universität: Fachbereich und Gesellschaft

Der Wissenstransfer als »Third Mission« neben Forschung und Lehre ist in der Medizin per se durch die Aufgaben der Krankenversorgung verankert. Die Translation von der Wissenschaft ans Patientenbett zeichnet die Universitätsmedizin aus. In klinischen Studien werden neue Behandlungsverfahren und Untersuchungstechniken erprobt, die zum einen den Patienten zugutekommen, zum anderen ergeben sich daraus Empfehlungen, wie eine Erkrankung festgestellt und behandelt werden kann, die dann in Leitlinien für die Behandlung der gesamten zu versorgenden Bevölkerung übergehen.

Neben dieser der Universitätsmedizin ureigenen »Third Mission« hat der Fachbereich im Juni 2014 in Kooperation mit dem Amt für Gesundheit der Stadt Frankfurt eine Studentische Poliklinik (StuPoli) eröffnet, die von Medizinstudierenden unter Anleitung von erfahrenen Ärztinnen und Ärzten geleitet wird. Die Studierenden bieten in der StuPoli Patienten ohne Krankenversicherung den Zugang zu ärztlicher Versorgung in Form einer ehrenamtlichen hausärztlichen Sprechstunde. Im Jahr 2017 wurde die Stu-Poli für dieses soziale Engagement ganz im Sinne einer Bürgeruniversität mit dem Hessischen Hochschulpreis für Exzellenz in der Lehre ausgezeichnet.

Auch mit der vor rund zehn Jahren etablierten Frankfurter »Teddy- Klinik« zeigen sich der Fachbereich Medizin und seine engagierten Studierenden bürgernah: Unter der fachkundigen Aufsicht von angehenden Ärztinnen und Ärzten werden Kuscheltiere in den eigens dafür in ein Krankenhaus umgewandelten Räumlichkeiten des Studierendenhauses KOMM behandelt. Ziel ist es, den Kindern die Angst vor Arzt- oder Klinikbesuchen zu nehmen.

Blick in die Zukunft: Herausforderungen und Chancen

Die derzeit größte Herausforderung in Lehre und Studium stellt sicherlich die Umsetzung des Masterplans Medizinstudium 2020 dar. Der Masterplan sieht weitreichende Veränderungen bei der Studienstruktur und den Ausbildungsinhalten sowie auch den Prüfungsformaten vor, die mit einer erheblichen finanziellen Belastung verbunden sein werden. Die Universitätsmedizin steht zudem in einem enormen Spannungsfeld.

Zum einen muss sie sich den Herausforderungen des demografischen Wandels stellen. Patientinnen und Patienten werden – auch durch die Errungenschaften der Hochleistungsmedizin – immer älter, leiden aber im höheren Alter zunehmend unter mehreren Erkrankungen. Zum anderen ergeben sich Chancen für die Universitätsmedizin aus den wissenschaftlichen Durchbrüchen der letzten Jahre — der Gensequenzierung und CRISPR/Cas-Technologie, der Robotik und bei den bildgebenden Verfahren. Auch die zunehmende Digitalisierung in der Medizin eröffnet zwar neue Perspektiven, birgt aber auch Risiken wie Cyberangriffe und die damit notwendige IT-Sicherheit für die extrem sensiblen Patientendaten, denen man sich offensiv stellen muss.

Gleichzeitig ist die finanzielle Situation in der Universitätsmedizin allgemein und speziell in Hessen angespannt. Der Bedarf an medizinischen Leistungen wie der personalisierten Medizin steigt; gleichzeitig erhöht sich der Druck, Kosten zu begrenzen. Der Fachbereich und das Universitätsklinikum suchen hierzu immer wieder das Gespräch mit dem Land als Träger.

Der Fachbereich begegnet solchen Aufgaben in Forschung und Lehre aber auch durch eine vorausschauende Berufungspolitik. So konnten in diesem Jahr eine Professur für Multimorbidität und Multimedikation sowie zwei Professuren für Bioinformatik besetzt werden. Die Dynamik im Fachbereich Medizin spiegelt sich dabei auch in der Anzahl der laufenden Berufungsverfahren wider, aktuell sind es 20.

Barbara Pardon

Der Fachbereich Medizin in Zahlen:
• 106 Professuren (darunter 22 Frauen)
• ca. 1650 Wissenschaftliche Mitarbeiter (inkl. ärztlichem Personal)
• ca. 450 med.-tech./ad.-tech. Personal
• ca. 280 Hilfskräfte
• ca. 4.200 Studierende
• ca. 550 Studienanfänger in den Staatsexamensstudiengängen (Human-/Zahnmedizin), 120 Studienanfänger in den B.Sc./M.Sc. Studiengängen (Medizintechnik/ Molekulare Medizin)
• 2 Leibniz-Preisträger
• 1 Exzellenzcluster (EXC 2026: Cardio- Pulmonary Institute)
• 4 SFB mit Sprecherfunktion, 1 TRR mit Ko-Sprecherfunktion, 5 SFB mit Beteiligung des Fachbereichs
• 2 Deutsche Zentren der Gesundheitsforschung (DKTK: Deutsches Konsortium für Translationale Krebsforschung, DZHK: Deutsches Zentrum für Herz- Kreislauf-Forschung)

Dieser Artikel ist in der Ausgabe 3-2019 des Mitarbeitermagazins GoetheSpektrum erschienen.