Das Team des Frankfurter Akademischen Schlüsselkompetenz-Trainings: (von links) Ann-Kathrien Schrimpf, Martine Lapière, Barbara Wolbring, Christina Held, Victoria Vonderbank, Katharina Lemke, (vorne) Ilislav Georgiev und David Hiller.

Studienanfänger werden ins kalte akademische Wasser geworfen, müssen universitäre Anforderungen mit Privatleben und Nebenjob unter einen Hut bringen. Das Frankfurter Akademisches Schlüsselkompetenz-Training unterstützt bei der Aneignung von Zeit- und Projektmanagements-Kompetenzen.

Wer kennt das nicht: Mehrere Projekte wollen gleichzeitig bearbeitet werden, dringend und wichtig sind sie selbstverständlich alle, Fristen müssen eingehalten werden. Familie und Freunde möchte man zwischendurch eigentlich auch gerne sehen. Schnell fühlt man sich gestresst und überfordert. Den Studierenden der Goethe-Uni geht es dabei nicht anders. Mit Studienbeginn werden sie ins kalte akademische Wasser geworfen.

Mündliche Prüfungen, Hausarbeiten, Referate – diese Verpflichtungen wollen mit Privatleben und Nebenjob unter einen Hut gebracht werden. Um diesem Arbeitspensum gerecht zu werden und auch später in der Berufswelt zu bestehen, ist es wichtig, sich Kompetenzen des Zeit- und Projektmanagements anzueignen und zu lernen, wie man in schwierigen Situationen einen klaren Kopf behält und dabei angemessen und zielführend kommuniziert.

Das Frankfurter Akademische Schlüsselkompetenz- Training unterstützt Studierende dabei. Support bekommen die Studierenden zum Beispiel mit Workshops zu Zeitmanagement. Dort haben die Studierenden die Gelegenheit zu lernen, wie schon eine Eieruhr helfen kann, gezielt Motivation und Konzentration zu steigern. Solche Strategien sollen sie dazu befähigen, sich aktiv mit ihren Arbeits- und Lernprozessen auseinanderzusetzen, um sie individuell für sich zu verbessern.

»Für uns ist wichtig, unsere Angebote auf diese Bedürfnisse auszurichten und zeitgemäße Inhalte anzubieten«, sagt Prof. Dr. Barbara Wolbring vom Zentrum Geisteswissenschaften, an dem das Schlüsselkompetenz-Training angesiedelt ist. »72 Prozent aller Teilnehmer sehen im Besuch unserer Workshops einen unmittelbaren Beitrag zu ihrem Studienerfolg, und 95 Prozent würden unsere Workshops weiterempfehlen.«

Damit das auch so bleibt, fördert das Team den offenen und ehrlichen Austausch innerhalb und außerhalb der Workshop-Sitzungen. »Wir bieten Inhalte und Strategien an, hinterfragen diese aber auch gemeinsam mit den Trainern und Teilnehmern und überlegen, welche didaktischen Methoden jeweils passen. Dadurch justieren wir bestehende Angebote, tauschen Inhalte je nach Bedarf aus und strukturieren sie um«, erläutert Katharina Lemke, die sich als operative Leiterin des Schlüsselkompetenz-Trainings gerade in den Mutterschutz mit anschließender Elternzeit verabschiedet hat. So bietet das Team jedes Semester über 50 Workshops für Studierende an.

Handy auf Flugmodus?

Durch den stetigen Austausch entstehen regelmäßig neue Angebote und Formate. Ein Beispiel dafür sind zwei neue Workshops, die sich mit Zeitmanagement im digitalen Zeitalter beschäftigen. In »Immer online, immer abgelenkt – Selbstbestimmte Nutzung der digitalen Welt« werden Möglichkeiten erarbeitet, der täglichen Flut von Push-Benachrichtigungen und ständiger Verfügbarkeit durch Smartphones und Internet Herr zu werden.

Im Workshop zum »Digitalen Zeitmanagement « ist die Perspektive eine andere. Häufig wird zwar geraten, einfach das Handy auszuschalten, dann klappe das schon mit der Produktivität. Ist das allerdings heutzutage überhaupt realistisch – und für jeden sinnvoll? Schließlich entspricht ein Verzicht auf internetfähige Geräte kaum noch unseren alltäglichen Arbeitsgewohnheiten und -notwendigkeiten. Im Gegenteil: Wir erledigen einen Großteil unserer Arbeit am Computer oder sogar am Smartphone und nutzen dabei das Internet aktiv.

In diesem Workshop geht es deshalb um die Potentiale eben dieser Technologien und wie Studierende sich Apps und Smartphone für ihre Studienorganisation zunutze machen können. So stressig wie die Orientierung im Studium ohnehin schon sein kann, gilt das für internationale Studierende gleich umso mehr. »Auch sie lassen wir nicht alleine durch den Universitätsdschungel wandern«, sagt Lemke.

Für diese Zielgruppe weitet das Schlüsselkompetenz-Team zum einen sein Angebot englischsprachiger Workshops aus, um möglichst allen Studierenden die Teilnahme zu ermöglichen. Zum anderen wird gezielt für ausländische Neuankömmlinge ein interkulturelles Training angeboten. Ziel dieses Angebots ist es, den Teilnehmenden das Ankommen an einer deutschen Hochschule zu erleichtern. Man nennt es nicht umsonst »Kulturschock« …

Kooperationen mit der Fachlehre

Mit dem akademischen Schlüsselkompetenz- Training werden nicht nur Studierende in ihrem Unialltag unterstützt, sondern auch Lehrende. »Wir bieten ihnen an, Trainings in ihren Lehrveranstaltungen abzuhalten «, erläutert Christina Held. Sie hat schon als Studentin solche seminarintegrierten Schlüsselkompetenz-Trainings durchgeführt und verstärkt das Team seit ihrem Examen im Januar als Mitarbeiterin.

Sie weiß, dass Fachinhalte allein oft nicht genügen: »Studienkompetenzen wie das Planen eines Referates, Zeitmanagement im Allgemeinen oder Techniken des Mitschreibens in Vorlesungen sind wichtiges Handwerkszeug, das dabei hilft, ansprechende Redebeiträge in Lehrveranstaltungen zu halten, zu diskutieren, das Beste aus Gruppenarbeiten herauszuholen oder sein Studium zu organisieren«, weiß Held.

Dieser Artikel ist in der Ausgabe 1/20 des Mitarbeitermagazins GoetheSpektrum erschienen.