Zum Wintersemester startet der Masterstudiengang Kinder- und Jugendliteratur-/Buchwissenschaft, den Goethe-Uni und Uni Mainz gemeinsam anbieten. 20 Studierende können sich dann zwei Jahre lang intensiv mit Kinder- und Jugendmedien wissenschaftlich beschäftigen.

Weitermachen, tiefer in die Materie einsteigen: Das hatten sich viele Germanistikstudierende mit Begeisterung für Kinder- und Jugendliteratur schon lange gewünscht. Bisher endeten die entsprechenden Angebote an der Goethe-Universität für sie nach dem Bachelor.

Das ändert sich jetzt: Zum Wintersemester startet der neue Masterstudiengang Kinder- und Jugendliteratur-/Buchwissenschaft, den das Institut für Jugendbuchforschung der Goethe-Universität und das Gutenberg-Institut der Universität Mainz gemeinsam anbieten. Für 20 Studierende gibt es dann die Möglichkeit, sich zwei Jahre lang intensiv mit Kinder- und Jugendmedien im interdisziplinären Zusammenspiel von literatur, kultur-, buch- und weiterführenden medienwissenschaftlichen Fragestellungen zu beschäftigen.

Auch Prof. Ute Dettmar, Geschäftsführende Direktorin des Instituts für Jugendbuchforschung, freut sich spürbar, dass es jetzt mit dem neuen RMU-Studiengang losgeht: »Unsere Angebote aus dem literatur- und kulturwissenschaftlichen Bereich ergänzen sich ideal mit denen der Kolleginnen und Kollegen aus Mainz, die vor allem den Buchmarkt, die Verlagswelt, aber auch Aspekte wie die Leseförderung in den Blick nehmen.

Und die Kooperation über die Rhein-Main- Universitäten hat uns jetzt noch einmal Rückenwind gegeben, was die konkrete Umsetzung angeht.« Weil sich beide Institute schon lange kennen und zusammengearbeitet haben – so haben die Mainzer Kolleginnen einen Vortrag zur Frankfurter Ringvorlesung Poesie und Praxis beigetragen –, wurden sich die Frankfurter und Mainzer schnell einig über Inhalte und Verteilung der Anteile.

»Wir kennen uns alle persönlich, das hat es natürlich noch einmal leichter gemacht zügig zusammenzukommen. « Die Herausforderungen lagen daher auch eher auf der administrativen Seite, zumal in diesem Fall zwei verschiedene Landesgesetze zum Tragen kommen. »Das hat uns schon auf Trab gehalten«, lacht Dettmar, »aber die Verwaltung hat uns wirklich super unterstützt bei allem, was neu geregelt werden musste – ob es nun um die Harmonisierung der Rahmen- und Studienordnungen ging oder um Fragen wie die, wo die Studierenden eingeschrieben sind. Es war schon ein aufwändiger Prozess, aber wir haben für alles eine gute Lösung gefunden.«

Den Daumen hoch für die jetzige Gestaltung des Masters gab es auch von Seite der Studierenden: Diese waren in den Akkreditierungsprozess eingebunden, konnten sich bei Begehungen und Besprechungen einen Eindruck verschaffen und ihre Positionen einbringen. Die Rahmung über die RMU macht es unter anderem möglich, dass die Studierenden nur einmal ihre Immatrikulationsgebühren zahlen müssen, obwohl sie an zwei Hochschulen studieren.

Wozu sie aber bereit sein müssen, ist, die Zeit für die Anfahrten zu beiden Universitäten auf sich zu nehmen und sich auf zwei verschiedene Hochschulkulturen einzulassen. Praktisch wird es dann so aussehen, dass alle Studierenden mit einer gemeinsamen Einführungsveranstaltung zur Kinder- und Jugendliteraturwissenschaft/Buchwissenschaft beginnen. Anschließend spezialisieren sie sich in verschiedenen Modulen und entscheiden sich im zweiten Studienjahr für einen Schwerpunkt auf der Buch- oder Literaturwissenschaft. Beim Abschlusskolloquium kommen dann schließlich alle Studierenden erneut zusammen. Praxisphasen sind fester Bestandteil des Studiengangs.

»Sowohl wir als auch die Mainzer pflegen ein lebendiges Netzwerk zu den Medienhäusern und Verlagen in der Region Rhein-Main, aber auch zu Kulturinstitutionen für Kinder wie dem Struwwelpeter-Museum oder dem Kindertheater. Davon profitieren unsere Studierenden«, erzählt Prof. Ute Dettmar. Der neue Master stärkt nicht zuletzt auch das Forschungsfeld Kinder- und Jugendliteratur in Deutschland.

Während es beispielsweise im englischen Sprachraum verbreitet sei, Geschichten für Kinder als kulturell relevante Erzählungen wahrzunehmen, gebe es in Deutschland bislang nur wenige Experten, die sich wissenschaftlich mit Kinder- und Jugendbüchern auseinandersetzen würden, erläutert Dettmar, deren eigene Forschung vom 18. Jahrhundert bis in die Gegenwart reicht und auch Erzählformen wie den Film miteinschließt.

»Der Studiengang ist daher schon ein Alleinstellungsmerkmal, mit dem wir auch an den wissenschaftlichen Nachwuchs denken, denn ohne Master bekommen wir am Ende auch keine Promovenden. Wir möchten denen, die gut sind und gerne weitermachen wollen in der Wissenschaft, etwas anbieten können, und mit dem RMU-Studiengang schaffen wir eine gute Basis dafür.« Aber auch die Absolventen, die nach dem Abschluss lieber bei Verlagen, Kulturinstitutionen oder Redaktionen arbeiten möchten, können optimistisch auf den Arbeitsmarkt blicken: Während die Bücherbranche ansonsten eher kriselt, ist Kinder- und Jugendliteratur nach wie vor nachgefragt und stabil.

Website des Studiengangs Kinder- und Jugendliteratur-/Buchwissenschaft:
www.ma-kjl-buwi.uni-mainz.de

Buchttipps von Ute Dettmar für junge Bücherfreunde:
· Dita Zipfel und Mateo Dineen: Monsta! (Tulipan) (empfohlenes Alter: ab 4 Jahren)
· Benjamin Tienti: Unterwegs mit Kaninchen (Dressler) (ab 10 Jahren)
· Tamara Bach: Wörter mit L (Carlsen) (ab 11 Jahren)

Dieser Artikel ist in der Ausgabe 3-2019 des Mitarbeitermagazins GoetheSpektrum erschienen.