Teilnehmer des „VORbereitungskurses Literaturwissenschaft“ 2015; Foto: Dettmar

Teilnehmer des „VORbereitungskurses Literaturwissenschaft“ 2015; Foto: Dettmar

Austauschstudenten sind in den Geisteswissenschaften gewiss keine Seltenheit, ERASMUS und andere Programme machen’s möglich. Dass aber auch ein großer Anteil von ausländischen Regelstudenten an der Goethe-Uni eingeschrieben ist, ist weniger bekannt. Fächer wie Germanistik, Amerikanistik, Anglistik, Romanistik oder Skandinavistik sind bei ausländischen Studierenden sehr beliebt. 15 Prozent der Studierenden des Fachbereichs 10 sind „Bildungsausländer“, haben also ihre Hochschulreife im Ausland erworben.

An die Goethe-Uni kommen dabei nicht nur jene, die bereits in ihrem Herkunftsland ein literaturwissenschaftliches Studium aufgenommen oder abgeschlossen haben. Manche zieht es direkt nach dem Abitur nach Frankfurt. Von den Herausforderungen, die sich hieraus ergeben, berichtet der Germanist PD Dr. Bernd Zegowitz. „Wir Dozenten beobachten, dass ausländische Studierende oft Hemmungen haben, sich im Seminar zu beteiligen. Das liegt manchmal an einer anderen Mentalität, oft aber auch an Sprachdefiziten, die sich dann auch in den schriftlichen Arbeiten niederschlagen.“

Aber auch andere Hürden sind für einen reibungslosen Start ins Studium zu überwinden: So haben gerade ausländische Erstsemester zu Studienbeginn meist noch wenig Kontakte. Mühsam ist für viele auch die Orientierung im Studium: „Das deutsche Hochschulsystem ist auf den ersten Blick sehr kompliziert“, hat Anastasia festgestellt, die aus der Ukraine nach Frankfurt gekommen ist.

Um hier gezielt zu unterstützen, hat Bernd Zegowitz den „VORbereitungskurs Literaturwissenschaften“ konzipiert, der Teil des BMBFgeförderten Programms „Starker Start ins Studium“ ist und in Zusammenarbeit mit dem International Office angeboten wird. Die TeilnehmerInnen können Kontakte knüpfen, lernen die Stadt und das Unisystem kennen und erhalten Einführungen ins wissenschaftliche Arbeiten. Zegowitz macht mit den Studierenden Übungen zur Analyse literarischer Texte sowie zum wissenschaftlichen Schreiben und stärkt ihre rhetorischen Fähigkeiten.

Ihm zur Seite steht Anna Yeliz Schentke, die selber noch studiert und sich noch gut an die Mühen des Studienbeginns erinnern kann. Sie hilft beim Erstellen von Stundenplänen und anderen Fragen der Studienorganisation. „Welche Kurse ich besuchen kann und wie die Prüfungsordnungen zu verstehen sind, hätte ich mir alleine kaum erschließen können“, berichtet die Brasilianerin Serena, die den Kurs im letzten Jahr mit Begeisterung besucht hat. In den zwei Wochen vor Vorlesungsbeginn im Wintersemester findet dieser als Blockseminar für 15 – 20 TeilnehmerInnen statt.

Auf dem Programm steht auch eine Exkursion, bei der die Studierenden einen aktiven Part übernehmen. „Jeder von uns hat beim Stadtrundgang ein Referat über einen bekannten Ort oder ein bedeutendes Gebäude Frankfurts gehalten“, berichtet der Kolumbianer Pedro. Die Teilnahme am Kurs, der nur Bildungsausländern offensteht, ist freiwillig, wird aber bei erfolgreichem Abschneiden mit Credit Points belohnt.