19. Juli, ab 19 Uhr: Historiker Till van Rahden und Philosoph Rainer Forst im Gespräch

Toleranz spielt eine zentrale Rolle in Demokratien: Es geht um die Frage, wie Menschen mit verschiedenen Lebensformen und Werten in einer Gesellschaft zusammenleben können, welche die allgemeine Gleichheit ihrer Mitglieder postuliert. Was aber heißt Toleranz? Wie wird der Begriff philosophisch definiert, und wie wurde er zu unterschiedlichen Zeiten in der Geschichte verstanden?

Unter dem Titel „Vielheit und Toleranz. Zum Verhältnis von Universalismus und Verschiedenheit“ diskutieren der Frankfurter Philosoph Prof. Rainer Forst und der in Montreal lehrende Historiker Prof. Till van Rahden am Mittwoch, 19. Juli, 19 Uhr im Forschungskolleg Humanwissenschaften, Am Wingertsberg 4, 61348 Bad Homburg diese Fragen im Rahmen eines Podiumsgesprächs.

Die Veranstaltung, zu der das Forschungskolleg Humanwissenschaften und sein Forschungsschwerpunkt „Democratic Vistas. Reflections on the Atlantic World“ gemeinsam einladen, wird von der Historikerin und Politikwissenschaftlerin Dr. Carlotta Voß moderiert, die gegenwärtig auf Einladung des Justitia Center for Advanced Studies Postdoctoral Fellow am Kolleg ist.

„Angesichts des wachsenden Einflusses der AfD und ihrer ausgrenzenden Ideologie und Fremdenfeindlichkeit ist die Reflexion auf Toleranz und die grundlegenden Werte unserer Gesellschaft besonders wichtig“, erklärt der Direktor des Kollegs, Prof. Matthias Lutz-Bachmann, im Vorfeld der Veranstaltung. „Dass drei Wissenschaftler:innen, die mit dem Kolleg eng verbunden sind, aus ihren jeweiligen Perspektiven darüber ins Gespräch kommen werden, freut mich sehr. Rainer Forst war bis 2018 Mitglied im Wissenschaftlichen Direktorium und ist Distinguished Fellow am Kolleg, Till van Rahden ist seit 2021 Senior Fellow, und die Moderatorin Carlotta Voß ist 2022/23 Postdoctoral Fellow am Kolleg“, so Lutz-Bachmann weiter.

Rainer Forst lehrt Politische Theorie und Philosophie an der Goethe-Universität. Schon lange beschäftigt er sich mit dem Begriff der Toleranz, zuerst in seinem Buch Toleranz im Konflikt (2003). Dabei geht es ihm um das Verhältnis von gesellschaftlicher Macht und Toleranz. Im Besonderen untersucht er, wie die Grenzen von Toleranz definiert und vor allem gerechtfertigt werden; aktuelle Beispiele hierfür sind die Diskussionen über das Kopftuchverbot, das Kruzifix in öffentlichen Gebäuden oder die Ehe gleichgeschlechtlicher Personen. Im Gespräch mit Till van Rahden greift er vor allem zwei jüngere Publikationen auf: Die noumenale Republik. Kritischer Konstruktivismus nach Kant, Suhrkamp 2021, und das erste Kapitel von Toleration, Power and the Right to Justification. Rainer Forst in Dialogue, Manchester University Press 2020.

Till van Rahden ist Professor für Deutschland- und Europastudien an der Université de Montréal. Sein Buch Vielheit. Jüdische Geschichte und die Ambivalenzen des Universalismus, Hamburger Edition 2022, beginnt mit einer sprachhistorischen Beobachtung: „Verschiedenheit“ wird bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts mit dem Begriff „Vielheit“ umschrieben; später ist meist von „Vielfalt“ die Rede. Während „Vielheit“ ein ungeordnetes Nebeneinander von Vielem meint, bezeichnet „Vielfalt“ eine Fülle von verschiedenen Arten, innerhalb derer es eine „Mehrheit“ und eine „Minderheit“ gibt. In seinem Buch untersucht van Rahden anhand von Beispielen aus der Geschichte des jüdischen Kampfes um Emanzipation in Europa Schlüsselbegriffe der Sprache der Verschiedenheit. Daraus leitet er ein sich veränderndes und jeweils folgenreiches Verständnis von Toleranz in der Gesellschaft ab.

Anmeldung / Zur besseren Planung wird um vorherige Anmeldung per Email gebeten: anmeldung@forschungskolleg-humanwissenschaften.de

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