Seine Vorlesung genießt mittlerweile Kultstatus, und das nicht nur bei Studierenden der Medizin: Wenn PD Dr. Helmut Wicht aus dem Institut für Anatomie II kurz vor den Weihnachtsferien ins Audimax bittet, bekommen die Zuhörer einen höchst eigenwilligen, aber ebenso unterhaltsamen Vortrag geboten, der aus dem Rahmen akademischer Lehre fällt.

Seine Ausführungen garniert Wicht mit an die Wand projizierten Fotos aus Anatomie und Kunstgeschichte, die nichts für Zartbesaitete sind. Untermalt wird der Vortrag mit ganz unterschiedlicher Musik: ab und zu auch mal mit einem alten Volkslied, sehr oft aber mit Rockmusik der etwas härteren Art.

In diesem Jahr wird Wicht, wie immer dabei unterstützt von seiner Frau Barbara, über die Todesymbolik in Mexico sprechen und dabei die Unterschiede zum Umgang mit dem Tod in Europa herausarbeiten. Anlass dafür war eine Reise durch das lateinamerikanische Land, in dem, so Wicht, eine irritierende „Verherrlichung des Todes“ zu beobachten sei. Warum ist er von der Beschäftigung mit dem Tod in Literatur und Kunst so fasziniert?

„Das ist vielleicht eine Art von Déformation professionnelle. Als Anatom beschäftigt man sich, wie übrigens auch der Rechtsmediziner, praktisch den ganzen Tag mit Leichen. Nach meiner Beobachtung entwickeln die Rechtsmediziner aber kompensatorisch eher einen gewissen Humor, als Anatom neigt man hingegen eher zur Ästhetisierung des Todes“, sagt Wicht.

In seinen anatomischen Kursen vermittelt er den Teilnehmern den Aufbau des menschlichen Körpers anhand von Präparaten. Für die meisten Studierenden dürfte die Begegnung mit einer Leiche die erste in ihrem Leben sein: „Überraschenderweise haben die Studierenden wenig Probleme damit“, so Wicht.

Weihnachtsvorlesung: La Muerte. Hecho en Mexico

Dieser Artikel ist in der Ausgabe 6.17 (PDF-Download) des UniReport erschienen.