Marcel Reich-Ranicki. Sein Leben in unbekannten Fotos und Dokumenten.

Marcel Reich-Ranicki.
Sein Leben in unbekannten Fotos
und Dokumenten.

Anlässlich des 95. Geburtstags von Marcel Reich-Ranicki legt Uwe Wittstock die erste vollständige Biographie des Literaturkritikers vor. Andrew Ranicki öffnet dafür erstmals die Familienalben mit hunderten Fotos, die das Leben seiner Eltern von den Jahren in Polen und Großbritannien bis zu Reich-Ranickis Epoche an der Frankfurter Allgemeinen Zeitung abbilden.

Die fotografischen Zeugnisse reichen von 1945, als Reich-Ranicki nach Kriegsende das völlig zerstörte Warschauer Getto besuchte, über seine Jahre als Konsul in London, Literaturkritiker in Warschau und Mitarbeiter der »Zeit« in Hamburg bis ins letzte Lebensjahr 2013. In Frankfurt am Main werden diese Dokumente erstmals in einer Ausstellung des Literaturarchivs der Goethe-Universität öffentlich gezeigt.

Etwa 200 der Familienfotos, von den Kuratoren gemeinsam mit Andrew Ranicki kommentiert, erscheinen in einer Inszenierung, zu der das Historische Museum den Schreibtisch Reich-Ranickis beisteuert, das Jüdische Museum seine Sammlung von Autorenbildern, das Literaturarchiv der Goethe-Universität den Lesesessel aus der Privatwohnung und die Freundin und Nachbarin Eva Demski das Biedermeierensemble, an dem Teofila und Marcel Reich-Ranicki Weihnachten zu feiern pflegten.

Gang durch Sein Leben Sein Leben erstreckt sich über die Erdgeschoßetage Dante 9, einem Forum des Universitätsarchivs. Dort betritt man die Installation durch den Flur der Kritik, ein Entree, dessen Wände vollständig Faksimiles von Reich-Ranickis Besprechungen bestücken. Eine Tür führt weiter in den Salon Frankfurter Anthologie, der Reich-Ranickis Büchern und dem Ambiente im Dichterviertel gewidmet ist.

Von Flur und Salon gelangt man durch jeweils eine Tür in Seinen Saal. Dessen Achsen werden von den Polen aus Leben und Werk Reich-Ranickis gezogen: Zwischen der Autorenfamilie (Seine Bilder) und der leiblichen Familie (Seine Alben), zwischen Produktion (Sein Schreibtisch) und Rezeption (Sein Lesesessel).

Eine hintere Tür des Saals öffnet das Literarische Quartett, wo Reich-Ranickis Popularisierung der Literaturkritik im Fernsehen und andere wirkungsvolle TV-Auftritte von ihm nachzusehen sein wird. Die Ausstellung will, anderthalb Jahre nach seinem Tod, neben dem öffentlichen Werk des Literaturkritikers behutsam den wenig bekannten persönlichen Lebensraum Marcel Reich-Ranickis ausleuchten, aus dem heraus sein Werk entstanden ist. [Autor: Wolfgang Schopf]

Marcel Reich-Ranicki. Sein Leben in unbekannten Fotos  und Dokumenten.
Eine Ausstellung des Literaturarchivs der Goethe-Universität, kuratiert von Wolfgang Schopf und Uwe Wittstock.
29. Mai bis 30. Juni 2015.
Neuere Philologien/Universitätsarchiv
Frankfurt. Dantestraße 9.

Begleitprogramm:
Lesung/Gespräch am 2., 15. und
26. Juni 2015. jeweils 19.30 Uhr.