Foto: Dettmar

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Wissenschaftler schreiben viel, aber dass sie ein Buch schreiben, ist nicht sehr häufig. Und dass dieses Buch ein Bestseller wird, ist noch seltener – mit diesen Worten führte Univizepräsident Manfred Schubert-Zsilavecz die Autorin ein. Stolz, dass es sich um eine Medizinstudentin der Goethe-Universität handelt, und mit einem großen Dankeschön an die Freunde und Förderer, die die Begegnung möglich gemacht hatten, übergab er das Wort. Es ging tatsächlich den ganzen Abend um „Darm mit Charme. Alles über ein unterschätztes Organ“.

Das Buch, das kurz nach seinem Erscheinen im März 2014 auf Platz 1 der Spiegel-Bestsellerliste landete, in Deutschland mit über 1 Million Exemplaren das meistverkaufte Hardcover-Sachbuch war und inzwischen 35 Länder auf der Liste seiner verkauften Buchrechte aufführt. Das auf knapp 300 Seiten alles zusammenträgt, was es über dieses „fabelhafte Wesen“ in Bezug auf Aufbau, Funktion oder Dysfunktion, Zusammenhang mit anderen Organen, auch unserer Stimmung, und seinen Mikroben zu sagen gibt.

Und wegen dem am 12. November, im Anschluss an die Mitgliederversammlung, über 270 Freunde der Goethe-Universität und geladene Interessierte im großen Festsaal des Casinos saßen und gespannt den Vortrag der zierlichen 25-jährigen Medizinerin verfolgten. Das Ziel der Autorin: den Lesern dazu zu verhelfen, mehr zu sehen als das, was unmittelbar sichtbar ist. So wie wir bei einem Baum nur die Krone (in Löffelform) sehen, aber nicht den Wurzelballen, machen wir uns auch nicht klar, was in unserem Körper alles so Erstaunliches abläuft.

„Während wir so löffelmäßig durchs Leben laufen, verpassen wir großartige Dinge“ – und darum und die richtige Wertschätzung geht’s. Und zwar dank der Schwester Jil Enders auf sehr unterhaltsame Art. Die Kommunikationsdesignerin hat nicht nur die Illustrationen angefertigt, die an sich schon sehenswert sind, sondern auch für die Leichtigkeit gesorgt, mit der die wissenschaftlich fundierte Materie präsentiert wird: so, dass Dinge sehr schnell greifbar werden – und mit Humor. So war auch der Vortrag, bei dem sich Lesung und Erzählung zur Entstehungsgeschichte abwechselten, höchst unterhaltsam.

Bei allem Vergnügen war aber durchaus deutlich, mit welchem Ernst und welcher Professionalität sich Giulia Enders mit dem Thema auseinandersetzt. Hochkonzentriert, aber immer für den Laien gut verständlich behandelte sie verschiedene Phänomene wie Lebensmittelunverträglichkeit, Dickmacher oder Bakterien. In der ausführlichen Fragerunde kamen zahlreiche weitere Themen zur Sprache, die Frau Enders mit großer Detailkenntnis beantwortete. Auch bei den Gesprächen am Buffet ging es noch lange um Laktose-Intoleranz, Heliobacter, Präbiotika und wo es heute noch frisches Sauerkraut zu kaufen gibt. [Autorin: Friederike Lohse]