Hochschulforum an der Goethe-Universität zu Innovation und Gründerkultur.

Im Rahmen der Third-Mission-Aktivitäten an der Goethe-Universität stand im Februar das Thema Innovation und Gründungen auf dem Programm. Vertreter aus Forschung, Wirtschaft und Politik erörterten im bereits dritten Hochschulforum die Herausforderungen und Chancen universitärer Startups auf einem Markt, der innovativen Ideen und Erfindungen zunehmend Perspektiven bietet. „Deutsche Universitäten sehen sich zunehmend mit der Rolle konfrontiert, jungen Leuten zu zeigen, wie man Unternehmen aufbaut“, betonte Prof. Manfred Schubert-Zsilavecz, Vizepräsident für Third Mission an der Goethe-Universität, in seiner Begrüßung.

Fehlende »Kultur des Scheiterns«

Nach den Vorträgen von Dr. Martin Raditsch (Geschäftsführer Innovectis) zu „Lizenzierung oder Ausgründung?“ und Thomas Doppelberger (Leiter Fraunhofer Ventures) zu „Good Practice – Verwertungs-/ Ausgründungsstrategie“ stand die „Integrale Rolle der Goethe-Universität im FinTech-Ökosystem Rhein-Main im Fokus. Prof. Andreas Hackethal (Goethe-Universität) betonte, dass trotz einer zunehmenden Virtualisierung Neugründungen an Orte gebunden seien; Frankfurts im Entstehen begriffenes „Ökosystem“ benötige für seine Weiterentwicklung vor allem Talente.

Im Fach Wirtschaftswissenschaften, in dem jährlich 1000 Studierende einen Abschluss erwerben, werde mittlerweile auch Entrepreneurship gelehrt, allerdings sei dies noch ausbaufähig. Auch die Forschung, die beispielsweise am House of Finance erbracht werde, sei ein wichtiger Bestandteil eines neu entstehenden Ökosystems. Die Rolle der Universität sieht Hackethal darin, zwischen den verschiedenen Playern als unabhängige Institution zu moderieren.

»Startup Hochschulnetz«
17 Hochschulen der Region FrankfurtRheinMain bündeln ihre Aktivitäten

Die Hochschulen der Wissensregion FrankfurtRheinMain rücken näher zusammen und bündeln in einem zentralen Internet-Portal ihre Kompetenzen bei der Unterstützung von Startup-Initiativen aus dem akademischen Umfeld. Ab sofort können sich gründungsinteressierte Studierende, Startups in den frühen Phasen des Aufbaus oder Startups auf Wachstumskurs informieren, an welcher Hochschule sie passende Angebote finden.

Dazu zählen unter anderem Inkubatoren und Acceleratoren, Förderprogrammberatung, Kooperationsangebote mit externen Partnern aus Wirtschaft und Wissenschaft, Wettbewerbe und Gründerpreise. Im Besonderen stehen auch Angebote für eine interdisziplinäre und hochschulübergreifende Teambildung zur Verfügung. Eine Übersicht der einzelnen Ansprechpartner an den Hochschulen rundet das Spektrum ab.
rhein-main-startups.com/hochschulnetz

Das von Hackethal als vorbildlich beschriebene Tech- Quartier, das von der Goethe-Universität und der Wirtschafts- und Infrastrukturbank Hessen gegründet wurde und an dem mittlerweile auch die Stadt Frankfurt und die TU Darmstadt beteiligt sind, sitzt im Pollux-Gebäude. Geschäftsführer Dr. Sebastian Schäfer beschrieb in seinen Ausführungen das Quartier als „Kollaborations-Plattform“. Auf einer Gesamtfläche von bald 4500 Quadratmeter arbeiteten Unternehmen gemeinsam mit Startups an Innovationen, meist im Bereich von FinTechs.

Junge Unternehmer, die sich mit innovativen Ideen aus der Forschung selbstständig machen wollen, finden am Unibator der Goethe-Universität Unterstützung; aktuell werden dort, so Geschäftsführerin Dr. Katharina Funke-Braun, 12 Startups betreut. Sie stellte in ihrem Vortrag dar, dass es in Deutschland noch an einer Gründerkultur mangele; eine „Kultur des Scheiterns“, in der das Risiko positiv besetzt sei, müsse erst noch entwickelt werden. Der Unibator setze unter anderem auf ehrenamtliche Mentoren, die auch in der Lehre tätig seien.

»Aufbruchsstimmung«

In der abschließenden Diskussion fragte Moderator Prof. Manfred Schubert-Zsilavecz das Podium, wie es um die Gründerkultur im Bundesland Hessen bestellt sei. „Es tut sich einiges“, unterstrich Staatssekretär Mathias Samson aus dem Hessischen Wirtschaftsministerium; er sieht aktuell eine Aufbruchsstimmung in dem auf diesem Feld sogar „führenden Flächenland“.

Digitalisierung und Globalisierung sorgten augenblicklich für eine starke Dynamik. Dass Risikobereitschaft und Optimismus, aber auch die Offenheit für neue Technologien in Deutschland nicht besonders verbreitet seien, unterstrich im Gespräch auch der Unternehmer Stefan Quandt. Der junge chinesische Unternehmer Yi Shi, Alumnus der Goethe-Universität, stimmte ihm da zu.

Er beklagte ferner, dass die Verhandlungen für seine Startups in Deutschland vergleichsweise zeitaufwändig seien. Staatsekretär Samson konzedierte, dass Land und Verwaltung künftig in einem höheren Maße Ansprechpartner bereitstellen müssten, die der Gründerszene ihre Beratungsleistungen über Fächer- und Bereichsgrenzen hinaus anbieten. Dass unternehmerischer Geist bereits mit Gewinn im Studium entwickelt werden kann, bestätigte Lukas Frank, der sich als Student beim Netzwerk Enactus Universität Frankfurt e.V. engagiert.

Allerdings sei er in seinem Fach Geographie bislang noch einer der wenigen, die sich mit Entrepreneurship beschäftigten. „Das hat mich zwar auch etwas vom Studium abgelenkt, aber es hat sich insgesamt gelohnt“, so Frank. Prof. Theo Dingermann, emeritierter Pharmazeut der Goethe-Universität, kam auf einen „Kulturwandel“ an den Universitäten zu sprechen: „Heute überlegen Hochschullehrende viel eher, ob sich ihre Forschung nicht auch verwerten lässt.“ Patentieren und Publizieren, so Dingermann, schlössen einander überhaupt nicht aus. Auch in einer Disziplin wie Biomedizin könne er sich eine neue Startup- Kultur vorstellen.

Dieser Artikel ist in der Ausgabe 2.18 (PDF-Download) des UniReport erschienen.