Das Buchmann Institut für Molekulare Lebenswissenschaften (BMLS) der Goethe-Universität feierte am 2. Juni 2016 sein fünfjähriges Bestehen. Anlässlich dieser Feierlichkeit wurden im Rahmen eines deutsch-israelischen Symposiums die neusten Forschungsergebnisse vorgestellt.

In der Feierstunde unterstrich der Hessische Staatssekretär Ingmar Jung den Stolz der Landesregierung auf das BMLS und die Frankfurter Exzellenzcluster. Die Präsidentin der Goethe Universität, der Kämmerer der Stadt Frankfurt und die Forscher dankten dem Land und der Familie Buchmann für die großzügige Unterstützung und bekundeten den Willen, die herausragende Forschung am Institut auch in Zukunft gemeinsam zu fördern und weiterzuentwickeln.

Die Feierstunde fand in einem Festzelt auf der Frühlingsblumenwiese mit Blick auf das rote Gebäude des Buchmann Instituts für Molekulare Lebenswissenschaften (BMLS) statt. Der Anlass war das fünfjährige Jubiläum des Instituts, das vom Exzellenzcluster Makromolekulare Komplexe (CEF-MC) auf dem Campus Riedberg gegründet und 2011 bezogen wurde.

Dank an Förderer

Alle Redner dankten dem des Ehepaars Buchmann für sein bürgerschaftliches Engagement, das alles andere als selbstverständlich ist. Die Unterstützung Buchmanns ermöglicht jungen Forscherinnen und Forschern eine eigenständige Gestaltung ihrer wissenschaftlichen Zukunft. Darüber hinaus steht das BMLS im Kontext der internationalen Partnerschaft zwischen Frankfurt am Main und Tel Aviv.

Die Präsidentin der Goethe-Universität Frankfurt, Prof. Birgitta Wolff, erinnerte in ihrem Grußwort an die Geschichte der Goethe Universität, ihre lange Tradition bürgerschaftlichen Engagements und dankte dem Land und den Stiftern. Sie wies darauf hin, dass das Zitat von Dr. h.c. Josef Buchmann „Ich hatte Ideen, ich war sehr fleißig und wollte auf die Beine kommen“ gerade auch auf das BMLS zuträfe. Der Staatssekretär des Hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst und Mitglied des Landtags, Ingmar Jung, zollte Josef Buchmann allerhöchsten Respekt für seinen Beitrag zur Völkerverständigung und internationalen Zusammenarbeit in der Wissenschaft.

Die Festansprache hielt Prof. Joseph Klafter, Präsident der Universität von Tel Aviv, mit der die Goethe Universität und die Familie Buchmann seit langem eng verbunden sind. Prof. Klafter gratulierte der Universität zu dem leistungsfähigen Forschungsinstitut und beglückwünschte sie, dass sie durch das BMLS Institut besonders jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern die Möglichkeit zur unabhängigen Forschung gegeben habe.

Motor des Strukturwandels

Ingmar Jung nannte das BMLS und das Exzellenzcluster Makromolekulare Komplexe eine „absolute Erfolgsgeschichte“ und betonte:

„Wir sind stolz, mit dem BMLS ein deutschlandweites Spitzeninstitut im Bereich der Molekularen Lebenswissenschaften in Hessen zu haben. Die Spitzenforschung an den Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen zu stärken, ist eine wichtige Aufgabe der Hessischen Landesregierung.“

Stadtkämmerer Uwe Becker überbrachte die Grüße und Glückwünsche der Stadt Frankfurt zum fünfjährigen Jubiläum. Der Campus Riedberg sei eine der drei Säulen der Wissenschaftsstadt Frankfurt. Becker verglich das Thema des Instituts und des Exzellenzclusters, das Erforschen makromolekularer Komplexe in Zellen, treffend mit dem Blick vom Universum auf die Erde, da ähnlich hochkomplex, vielfältig und ergebnisreich.

Der Sprecher des Exzellenzclusters, Prof. Volker Dötsch, dankte ebenfalls den Stiftern und dem Land. Das Wichtigste an der Exzellenzinitiative sei für ihn ihre Rolle als ein Motor des Strukturwandels. So ist die frühere Selbständigkeit junger Forscher möglich geworden, und Berufungsverfahren konnten effizienter gestaltet werden. Das BMLS sei ein wunderbares Beispiel dafür, welch großen Beitrag dieser Strukturwandel für die internationale Sichtbarkeit geleistet habe. Diesen Wandel gelte es weiter voran zu treiben, betonte Volker Dötsch, vor allem auf dem Gebiet der Graduierten- und Nachwuchsförderung. Er äußerte jedoch auch kritische Worte zum derzeitigen Wissenschaftssystem. So bemängelte er die extremen Multi-Tasking-Anforderungen an heutige Professoren, weil der Mut zur Differenzierung der Professorenschaft in Forschungs- und Lehrprofessuren immer noch fehlt.

Von der Idee zum Erfolg

Prof. Enrico Schleiff, Direktor des BMLS, blickte in seinem Vortrag auf die Geschichte des Instituts zurück, welches nach zwei Jahren Bauzeit im Sommer 2011 ein eigenes Gebäude beziehen konnte. Das Institut besteht aktuell aus 13 Forschungsgruppen, die Mehrzahl davon Nachwuchsgruppen. Es ist ein sehr internationales Team mit Forscherinnen und Forschern aus mehr als 25 Nationen. Er betonte, dass die Stärke des fachbereichsübergreifend und direkt der Präsidentin unterstehenden Instituts die Departmentstruktur ist, welche auf der gemeinschaftlichen Nutzung von Geräten und Räumlichkeiten aufbaut.

Ziel der Forschung am BMLS ist es, die Mechanismen der molekularen Funktion, Organisation und Reaktion von Zellen zu untersuchen. Diesem Ziel folgend arbeiten die Forscherinnen und Forscher interdisziplinär an den Prozessen, die zur Ausprägung der funktionellen und strukturellen Dynamik von Zellen und der Regulation und Organisation von Zellverbänden führen. Dabei stehen drei Schwerpunkte im Zentrum ihrer Arbeiten, welche aufeinander aufbauen und sich wechselseitig ergänzen: die Signalintegration, die Qualitätskontrolle und der Umbau von Strukturen. Wichtig sind zudem die Entwicklung und der Aufbau innovativer Methoden, beispielsweise in der Elektronen- und Lichtmikroskopie.

Auch drei junge BMLS-Forscher kamen zu Wort: Sie profitieren nach eigenen Worten vom Austausch mit den anderen Gruppen und durch die gemeinsamen Aktivitäten, die das Institut ermöglicht. Doktorandin Isabell Smyrek verglich das „ich gehöre dazu“-Gefühl am BMLS mit ihrer Zeit in Oxford. Sie hofft, dass die eigenverantwortliche Organisation von wissenschaftlichen und nichtwissenschaftlichen Veranstaltungen durch Doktorandinnen und Doktoranden weiter bestehen bleibt.

Postdoktorand Dr. Harald Hofbauer hob hervor, dass das BMLS nicht nur technisch hervorragend ausgestattet ist und hochrelevante Fragestellungen bearbeitet werden, sondern gerade den jungen Wissenschaftlern optimale Chancen zur eigenen wissenschaftlichen Entwicklung bietet. Zudem vermeide die direkte Nähe zu Kollegen verschiedener Fachrichtungen den Tunnelblick, den man sonst als Forscher nur zu leicht entwickele.

Juniorprof. Robert Ernst beschrieb die schönen und anstrengenden Aspekte des Aufbaus einer eigenen, unabhängigen Forschungsgruppe. Es sei eine aufregende Zeit, in der einem im BMLS erfahrenere Kolleginnen und Kollegen stets hilfreich zur Seite stehen. Das BMLS sei ihm ein Zuhause geworden, und nicht nur ihm! Er hob hervor, das viele junge Kollegen in einer solchen Atmosphäre auch die Sicherheit erfahren, die zur Gründung einer Familie notwendig ist.

Enrico Schleiff dankte im Namen aller BMLS-Mitglieder der Hessischen Landesregierung und der Universitätsleitung für das klare Bekenntnis zur Spitzenforschung, auch im Hinblick auf die anstehende Exzellenzinitiative. Ohne deren Unterstützung würde im BMLS nicht geforscht! Enrico Schleiff würdigte die Beiträge der Wegbereiter und überreichte der Familie Buchmann ein Modell des Instituts als Symbol der Verbundenheit. Auch verlieh er Prof. Jürgen Bereiter-Hahn, ehemaliger Vizepräsident der Goethe-Universität und einer der Väter des CEF-MC sowie des BMLS, die BMLS-Ehrenmitgliedschaft.

Wissenschaftliches Symposium begeisterte die Zuhörer

Bei einem Symposium stellten Forscher aus Israel und vom BMLS ihre Forschung vor und diskutierten diese lebhaft mit dem Publikum. Den Auftakt machte Prof. Ivan Dikic. Er zog Parallelen zwischen manchen molekularen Prozessen im menschlichen Gehirn und Vorgängen in Bakterien, wie zum Beispiel Abläufe der Qualitätskontrolle und Entsorgung von Proteinen in Zellen.

Prof. Yosef Shiloh von der Tel Aviv University beschrieb seine Forschungen zur Genomstabilität des wichtigsten DNA-Reparatur-Gens. Er untersucht, wie Mutationen sich auf die Strahlungsempfindlichkeit und Alterung auswirken. Prof. Nir Keren von der Hebrew University berichtete von seiner Arbeit zur Photosynthese in speziellen Bakterien, die unter extremen Bedingungen in Wüsten existieren und dort eine wichtige Rolle zur Stabilität des sensiblen Ökosystems spielen.

Prof. Amparo Acker-Palmer vom BMLS fasste in ihrem Vortrag die Forschung ihrer Gruppe zur Signalverarbeitung bei der Steuerung der Vernetzung von Nerven und Blutgefäßen im Gehirn zusammen. Christian Pohl vom BMLS erforscht die Vorgänge, die aus einer Eizelle verschiedene Gewebe und Körperteile entstehen lassen. In seinem Vortrag beschrieb er, wie sich im Ei des Fadenwurms C. elegans im Laufe der frühen Zellteilung die Körperaxe entwickelt.

Deborah Fass vom Weizmann Institute sprach über die den Katalysatoren, welche den bisher wenig untersuchten  Raum zwischen den Zellen, die extrazelluläre Matrix,  aufbauen. Den Abschluss bildete der Vortrag von Prof. Achilleas Frangakis vom BMLS, der die fantastischen Möglichkeiten modernster Elektronentomographie beschrieb. Ausschnitte aus seinen Forschungsarbeiten zeigten die dreidimensionale Struktur und Dynamik von Zell zu Zell-Verbindungen wie beim Verschluss von Hautöffnungen und Filterprozessen in der Niere. Alle Vorträge begeisterten das Publikum im Hörsaal, so dass auch die Zuhörenden auf den Treppenstufen ihr Kommen nicht bereuten und bis zur letzten Minute blieben. Ein Feuerwerk herausragender Wissenschaft!

Prof. Enrico Schleiff, Direktor des Buchmann-Instituts

Dr. Tanja Schuler, Scientific Manager, Exzellenzcluster Makromolekulare Komplexe