Aus der Serie Amerika; © Felicitas von Lutzau

Ausstellung »The Biography of Things« in der Unternehmenszentrale der Deutsche Börse AG.

Was können wir über Dinge in der Welt lernen, wenn wir uns die Welt der Dinge ansehen? In unserem Alltag sind wir von Objekten umgeben. Egal, ob sie durch einen emotionalen Wert geprägt oder durch Sach- und Nutzwert in den Alltag eingebunden sind: Ihnen ist vor allem das Moment gemein, als Zeichen und Medium zu funktionieren.

Dinge sind somit nicht nur ein Teil unserer Umgebung, sondern auch ein Indiz dessen, was wir sind. Sie geben Auskunft darüber, wie wir unsere Umwelt und Kultur rezipieren und verarbeiten, deuten und bewerten. In Rückgriff auf Sergej Tretjakow, russischer Schriftsteller und Exponent der futuristischen Bewegung, und seinen Text Biographie des Dings aus dem Jahr 1929, geht die Ausstellung The Biography of Things der Frage nach, wann und wie Dinge zu Akteuren werden, wann sie neben den Menschen durch eine unklare, manchmal nahezu mysteriöse Vitalität zu Material werden, das sich nicht mehr als bloßes Ding verstehen lässt.

Wie sich die Biografie der Dinge verändert, wenn in künstlerischer Auseinandersetzung diese Verhältnisse inszeniert und festgehalten werden, möchte die Ausstellung The Biography of Things ergründen. Das Medium der Fotografie nimmt hier den besonderen Stellenwert ein, beobachten und im Bild festhalten zu können. Die Kamera dient als Vermittler – als ein Fernrohr mit Sicht in die Welt der Dinge, die eigenen Gesetzen unterworfen zu sein scheint und unsere Wahrnehmung auf die Probe stellt.

Ausstellungsort von The Biographie of Things ist die Unternehmenszentrale der Deutsche Börse AG in Eschborn bei Frankfurt, die über mehrere Ausstellungsflächen verfügt. Gezeigt werden rund 80 fotografische Arbeiten, darunter Serien, Einzelwerke und Papierarbeiten von Studierenden aus der Klasse von Martin Liebscher an der Hochschule für Gestaltung Offenbach. Neben der Präsentation in den Räumen der Deutschen Börse wird die Ausstellung in einer Station im Außenraum der Frankfurter Innenstadt fortgesetzt:

Plakatwände in den Gängen an der U-Bahn-Station Hauptwache dienen als Ausstellungsfläche. Es war die Initiative und Idee der Deutsche Börse Photography Foundation, eine Ausstellung mit fotografischen Werken der Klasse Liebscher zu realisieren, kuratiert von Studierenden des Frankfurter Masterprogramms Curatorial Studies – Theorie – Geschichte – Kritik.

Die Deutsche Börse besitzt eine große Sammlung internationaler zeitgenössischer Fotografie, die seit 1999 aufgebaut und in Eschborn in wechselnden Ausstellungen gezeigt wird. Die Ausstellung Biography of Things wurde über den Zeitraum von zwei Semestern erarbeitet. Insgesamt waren 26 Studierende aus Frankfurt und Offenbach an dem Projekt beteiligt.

Zunächst waren es die Fotografie-Studierenden, die ihre Arbeiten präsentierten. Sodann war es Aufgabe der Curatorial Studies-Studierenden, daraus eine Auswahl zu treffen und ein Ausstellungskonzept zu entwickeln. Zur Ausstellung wurde außerdem gemeinsam eine Publikation erarbeitet, gestaltet von Studierenden der HfG Offenbach. Begleitet haben das Projekt Anne-Marie Beckmann, Stefanie Heraeus und Martin Liebscher, Alexandra König und Annekathrin Müller.

[Autorin: Sina Brückner-Amin und Marie Oucherif]

Dieser Artikel ist in der Ausgabe 1.18 (PDF-Download) des UniReport erschienen.

Ab 2. Februar / Ausstellung: „The Biography of Things“