Oben: Bita Mohammadi (vorne) und Shenara Tessmer mit Burkhard Schmidt im Medienproduktionsraum im PEG-Gebäude, Campus Westend; Foto: Lecher

Bis zu 40 Vorlesungen pro Woche werden an der Goethe-Universität per Video aufgezeichnet – natürlich nur, falls die Lehrenden dies wünschen. Möglich machen das die Kolleginnen und Kollegen von der Medientechnik.

Die moderne Technik revolutioniert Lern- und Lehrgewohnheiten – Ulrich Grimm-Allio, der am Hochschulrechenzentrum (HRZ) die Gruppe Medientechnik leitet, räumt mit einer Sorge auf: »Als an der Goethe-Universität erstmals Vorlesungen aufgezeichnet und online gestellt wurden, war ab und an die Befürchtung zu hören, dass Studierende künftig nur noch von zu Hause aus die Vorlesungen verfolgen würden«, berichtet Grimm-Allio.

»Wir haben hingegen festgestellt, dass Studierende vielleicht im Verlauf eines Semesters das Interesse an einer Vorlesung verlieren, dass das aber mit dem Online-Angebot nichts zu tun hat.« Wenn Studierende die Aufzeichnung einer Vorlesung online abrufen könnten, brauche kein Dozent zu befürchten, dass er oder sie künftig vor leeren Hörsaalreihen spreche, folgert Grimm-Allio:

»Mit der Freiheit, eine Vorlesung zum Beispiel nicht um acht Uhr im Hörsaalzentrum anzuhören, sondern wann und wo sie wollen, gehen die Studierenden wirklich verantwortungsvoll um.« Bis zu 40 Vorlesungen pro Woche werden aufgezeichnet. Aber nur, falls die Lehrenden dies wünschen und die HRZ-Medientechnik davon persönlich informiert haben. Überdies ist der Zugang zu dem aufgezeichneten Material genau geregelt:

Nur ein kleiner Teil der Veranstaltungen ist allgemein über das Videoportal der Goethe-Universität abrufbar; in den meisten Fällen können nur die Teilnehmer des betreffenden Kurses darauf zugreifen. Während der Aufzeichnung selbst merken die Lehrenden kaum etwas davon: Weil in den neuen Gebäuden auf dem Campus Westend oder auf dem Campus Riedberg die Kameras fest eingebaut sind, muss niemand aus Grimm-Allios Team den jeweiligen Hörsaal betreten, die Kamera einstellen und auf »Start« bzw. »Stopp« drücken.

Vorne, von links: Ulrich Kohsmann mit Alexander Rick, hinten: Holger Schreiner und Frederic Löhr im Supportbüro auf dem Campus Riedberg, Otto-Stern-Zentrum; Foto: Lecher

Den Betrieb steuern und überwachen seine Kolleginnen und Kollegen von einer der beiden Leitwarten aus, im PEG-Gebäude auf dem Westend- Campus und im Otto-Stern-Zentrum auf dem Campus Riedberg. Dort haben sie auf bis zu sechs Computer- Monitoren die Kontrolle über alle Kameras, die Vorlesungen aufzeichnen. Bei Bedarf korrigieren sie den Bildausschnitt oder die Kamera- Einstellung, und nur in Ausnahmefällen sprechen sie die Dozenten an:

»Wenn zum Beispiel bei einem Dozenten, der regelmäßig aufgezeichnet wird, unser Statusmonitor kein Tonsignal zeigt, das heißt, wenn der Dozent kein Mikrofon verwendet«, erzählt Grimm- Allio, »dann geht einer von uns hin und fragt, ob das so richtig ist. Vielleicht will er ja heute nicht aufgenommen werden, weil er irgendwas bespricht, was nicht in eine Aufnahme gehört. Vielleicht hat er das Mikrofon aber auch einfach vergessen.

Da lassen wir die Lehrenden mit der Technik nicht allein. Gleichzeitig versuchen wir, unser Eingreifen minimal zu halten und die Vorlesung so wenig wie möglichzu stören.« Falls nötig, gehen die insgesamt 15 HRZ-Medientechnikerinnen und -techniker dabei auf Sonderwünsche des oder der Vortragenden für eine Aufzeichnung ein.

So kann zum Beispiel der Verlauf eines Mechanik-Experiments in einer Physik-Vorlesung aus verschiedenen Blickwinkeln gefilmt werden, sodass der Versuch im fertigen Video aus bis zu drei Perspek-Technik im Dienst der Lehre Unterwegs mit der Medientechnik vom Hochschulrechenzentrum tiven zu sehen ist.

Oder in das Video von einer Geschichtsvorlesung wird das Bild einer historischen Urkunde eingefügt, das die Dokumentenkamera im Hörsaal aufgenommen und für das Auditorium auf eine Leinwand übertragen hat. Zugleich ist während der Vorlesungsstunden das »Helpdesk«, also die Auskunfts- und Hilfestelle der HRZ-Medientechnik ständig besetzt, um bei Bedarf technische Hilfestellung zu leisten – natürlich auch in den Vorlesungen, die nicht aufgezeichnet werden:

Wenn etwa anstelle der Vorlesungs-Präsentation einer Professorin nur eine blaue Fläche auf der Leinwand erscheint. Wenn ein Dozent vergeblich versucht, einen mitgebrachten Laptop an die Hörsaaltechnik anzuschließen oder das Abspielen einer Bilderfolge zu starten, um seine Ausführungen zu illustrieren. Dann versuchen die Mitarbeitenden der Medientechnik zunächst, das Problem telefonisch einzugrenzen und zu lösen.

Rechts: Michael Eichberg im Einsatz bei einer
Veranstaltung; Foto: Lecher

Erst wenn alle Möglichkeiten der Ferndiagnose und -beratung ausgeschöpft sind, macht sich jemand von einem der fünf »Supportbüros« der Medientechnik aus auf den Weg. Manchmal geht es Grimm-Allio und seinem Team allerdings nicht um einen Lehrbetrieb, der frei von technischen Störungen abläuft, und ihre erste Motivation ist es auch nicht, die Teilnahme an der Lehre unabhängig von Ort und Zeit einer Vorlesung zu ermöglichen.

Sondern es geht um denjenigen Teil der Hörerschaft, der sich pünktlich an Ort und Stelle einfügt, für den aber schlicht kein Platz ist. Insbesondere Grimm-Allios Stellvertreter Alexander Rick kümmert sich zusammen mit verschiedenen Mitgliedern des Teams Medientechnik um den so genannten Überlauf: Vor allem in den großen Vorlesungen in den Wirtschaftswissenschaften sprengt die Zahl der Hörer oftmals die Kapazität eines Hörsaals, und die Vorlesung muss in einen, im Extremfall sogar in zwei andere Hörsäle übertragen werden.

»Derzeit kommt das rund fünfmal pro Woche vor«, sagt Rick. »Damit ist unsere Kapazität noch längst nicht ausgeschöpft. Zwar können wir pro Vorlesungstermin nur eine Veranstaltung in einen anderen Raum übertragen, weil wir das dafür notwendige Gerät nur einmal haben.« Das sorge nämlich dafür, dass aus zwei Bildern (dem Bild des Dozenten vor der Kamera und dem Bild von seiner Präsentation) ein Bild werde, das dann in einem anderen Raum auf eine Leinwand projiziert werde.

»Aber es ist kein Problem, erst eine und unmittelbar danach eine weitere Vorlesung zu übertragen«, sagt Rick. »Wenn wir so im Hörsaalzentrum die Runde machen, sehen wir immer wieder, wie sich Leute in einem überfüllten Hörsaal drängen. Der Bedarf scheint also vorhanden zu sein.« Grimm-Allio fügt hinzu: »Das Hörsaalzentrum ist jedenfalls darauf vorbereitet, ein zweites Gerät einzubauen, wenn tatsächlich einmal mehr Vorlesungen gleichzeitig übertragen werden sollen.«

Auch außerhalb der curricularen Lehre werden Veranstaltungen übertragen. Nicht in einen benachbarten oder nahe gelegenen Hörsaal, sondern ins Internet: Vor einigen Jahren beispielsweise, als der Dalai Lama bei seinem Besuch an der Goethe-Universität in der Aula vor rund 200 geladenen Gästen sprach – und rund 8.000 Menschen den Auftritt online verfolgten. Oder 2016, als die HRZ-Medientechnik erstmals das der Goethe- Universität angegliederte »Institute for Law and Finance« (ILF) dabei unterstützte, seine Absolventen zu ehren.

Gordon Ferrao gehört zum Medientechnik-Team am Campus Westend; Foto: Lecher

Die stammten nämlich aus den unterschiedlichsten Ländern, und die wenigsten ihrer Angehörigen konnten zur Graduierungsfeier anreisen. Stattdessen erhielten sie eine E-Mail mit einem Link zur Übertragung der Feier, sodass rund 350 Angehörige diese am Bildschirm ihres Computers live verfolgen konnten, und auch für 2017 haben Rick und Grimm-Allio eine entsprechende Anfrage des ILF erhalten.

Ob sie nun eine Graduierung, den Jahresempfang für die Beschäftigten der Verwaltung oder die Verabschiedung des Kanzlers technisch unterstützen: Solche Sonderveranstaltungen kann die HRZ-Medientechnik nur dann betreuen, wenn ihre Mitarbeiter und die technische Ausstattung nicht in der Lehre benötigt werden. Oder für die Organisation des Forschungsbetriebs.

Denn auch hierfür ist der Einsatz der HRZ-Medientechnik manchmal unabdingbar, so zum Beispiel, wenn Professorinnen oder Professoren der Goethe-Universität ein Bewerbungsgespräch führen wollen, oder wenn sie eine Besprechung ihrer über den ganzen Globus verstreuten Arbeitsgruppe abhalten wollen.

Dann stellt ihnen das Team der Medientechnik auf Wunsch einen geeigneten Raum und die technische Ausrüstung, zumindest aber die benötigten sicheren Computerprogramme zur Verfügung. Und sogar Promotionsprüfungen, zu denen der Prüfling nicht persönlich erscheint, weil er oder sie längst in Übersee forscht, gehören für Rick, Grimm-Allio und das übrige Team der HRZ-Medientechnik mittlerweile zum Alltag.

[Autorin: Stefanie Hense]

Das Helpdesk der HRZ-Medientechnik ist Montag bis Freitag, 8 – 18 Uhr, zu erreichen unter der Telefonnummer 798-36111 sowie unter der E-Mail-Adresse mt-support@uni-frankfurt.de.
Die allgemein zugänglichen Videos sowie weitere Informationen können unter videoportal.uni-frankfurt.de abgerufen werden.

Dieser Artikel ist in der Ausgabe 1.17 der Mitarbeiterzeitung GoetheSpektrum erschienen.