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Dr. Karen Hahn (r.) und Dr. Stefan Schmid (l.) koordinieren das Zentrum für interdisziplinäre Afrikaforschung (ZIAF) an der Goethe-Universität Frankfurt am Main; Foto: Stefan F. Sämmer

An den Wänden hängen eindrucksvolle Fotos vom Lake Malawi. Fischerboote sind zu sehen – mal vor dem hellen Blau des Wassers, mal rot gefärbt von der Dämmerung. Dr. Stefan Schmid hat die Bilder vor Ort aufgenommen, nun schmücken sie das Büro des Zentrums für Interdisziplinäre Afrikaforschung (ZIAF) an der Goethe-Universität Frankfurt am Main. Zusammen mit Biologin Dr. Karen Hahn koordiniert der Geograf von hier aus die zahlreichen Projekte, Aktivitäten und Veranstaltungen des ZIAF.

„Seit 2003 gibt es uns als explizite Organisationsstruktur“, erzählt Schmid. „Dies ist eines der wenigen Zentren in Deutschland, das nicht an einen speziellen Fachbereich angebunden ist. Wir arbeiten interdisziplinär. Das Präsidium der Goethe-Universität hat sich seinerzeit entschlossen, das ZIAF zu gründen und Geld dafür zur Verfügung zu stellen.“

Mit der Gründung der Kooperation Afrikaforschung Rhein-Main durch die Universitäten Frankfurt, Mainz und Darmstadt können nun alle drei Standorte von ZIAF profitieren. Zwar sind einige Professorinnen und Professoren der JGU bereits seit Jahren assoziierte Mitglieder. Doch in Zukunft wird sich die Vernetzung sicher noch intensivieren. Das ist einer der vielen Vorteile des neuen Zusammenschlusses.

„Wenn es bei uns schon solch eine Struktur gibt, wäre es toll, wenn wir sie auch universitätsübergreifend einsetzen könnten“, sagt Hahn. „Allerdings waren wir uns bei der Gründung der Afrikaforschung Rhein-Main einig, dass wir das nicht extra formalisieren müssen. Für uns steht die Forschung im Vordergrund, daneben schauen wir sehr pragmatisch, was an Koordination durch das ZIAF sinnvoll ist.“

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Das ZIAF wurde im Jahr 2003 an der Goethe-Universität Frankfurt gegründet, um die vielfältigen Afrika-Aktivitäten der Hochschule in einem Kompetenznetzwerk zu bündeln; Foto: Stefan F. Sämmer

Seit Jahren gibt es an der Goethe-Universität im Bereich der Afrikaforschung große Verbundprojekte, an denen sowohl die Natur- als auch die Geisteswissenschaften beteiligt sind. Herausragend war in dieser Hinsicht der DFG-Sonderforschungsbereich „Kulturentwicklung und Sprachgeschichte im Naturraum westafrikanische Savanne“. „Dieser sehr erfolgreiche SFB war der historische Grund, warum ZIAF gegründet wurde“, erzählt Hahn.

Dem Zentrum gehören 80 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus sieben verschiedenen Fachbereichen der Goethe-Universität Frankfurt an. Hinzu kommen assoziierte Mitglieder wie das Senckenberg Forschungsinstitut, das Institut für sozialökologische Forschung (ISOE) und das Frobenius-Institut. „Nirgends in Deutschland finden Sie so ein breites Spektrum an Fächern unter einem Dach“, meint Schmid.

Hier trifft Anglistik auf Archäobotanik, Ethnologie auf Medizin und Romanistik auf Zoologie. Eine weitere Stärke des Zentrums für Interdisziplinäre Afrikaforschung: „Unsere Projekte mit Afrikabezug sind meist die drittmittelstärksten in ihren Fachbereichen. Afrika ist eine teure Gegend, um dort zu leben und zu forschen. Unsere Kolleginnen und Kollegen sind es gewohnt, sich ihre Geldmittel selbst zu verschaffen.“

All das sind Pfunde, mit denen ZIAF auch in der Afrikaforschung Rhein-Main wuchern kann. Das Zentrum hat Gewicht in der neuen Kooperation. Zugleich sehen Hahn und Schmid aber auch die neuen Impulse, die durch den Zusammenschluss entstehen.

„Es ist zum Beispiel ein intensiverer Austausch zwischen den Botanikerinnen und Botanikern in Mainz und Frankfurt entstanden“, erzählt Hahn. „Man schaut, woran der andere arbeitet und wie sich das ergänzen könnte.“ Verwandte Disziplinen haben sich hinzugesellt, Pläne für ein Verbundprojekt im Bereich Gen-Evolution und Ökologie werden geschmiedet. „Außerdem hat sich eine Gruppe von Postdocs, Doktorandinnen und Doktoranden zusammengefunden, die sehr selbstständig arbeiten. Auch da wird sich einiges tun.“

„Überrascht war ich über das Interesse der Mainzer Ägyptologie an unserem Zusammenschluss“, erzählt Schmid. „Da hat man ganz entschieden gesagt: Wir wollen mit der Afrikaforschung in einen Dialog treten. Ich könnte mir vorstellen, dass durch die Kooperation noch mehr Disziplinen auf uns aufmerksam werden. Es lohnt sich schließlich, über den Tellerrand des eigenen Fachs zu schauen.“

Und Darmstadt bringt eine ganz eigene Facette in den Verbund ein: „An der TU gibt es keine eigentliche Afrikaforschung“, sagt Schmid, „aber Stadtplaner, Architekten oder Technikhistoriker, die sich zum Beispiel für die Stadtentwicklung interessieren, für Verkehrsinfrastruktur oder Abwassermanagement. Das sind auch in Afrika wichtige Themen.“

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Afrikanische Literatur und Skulpturen; Foto: Stefan F. Sämmer

Neue Impulse erwartet Hahn für das DFG-Projekt AFRASO – Africa’s Asian Options, das Verbindungen zwischen Asien und Afrika erforscht. „Es befindet sich in der Auslaufphase, da werden wir an einem Konzept für ein Nachfolgeprojekt arbeiten.“ Schmidt könnte sich vorstellen, dass die Verbindungen Afrikas zu verschiedensten Regionen thematisiert werden. „Einer der großen Investoren in Afrika ist die Türkei, was bei uns gar nicht so bekannt ist.“

Mit der neuen Kooperation wird die Afrikaforschung nicht neu erfunden, aber sie bekommt an den Standorten Frankfurt, Mainz und Darmstadt neue Impulse, wird intensiviert und auf eine noch breitere Basis gestellt. „In vielem knüpfen wir an Bestehendes an“, stellt Schmid klar. „ZIAF bot zum Beispiel eine Nachwuchsveranstaltung über ethische Fragen zur Forschung in Afrika an. Da geht es unter anderem um Menschenrechtsverletzungen oder darum, dass unsere Forschungsergebnisse nach Afrika zurückgeführt werden müssen. Diese Einzelveranstaltung haben wir nun zu einem Seminar ausgebaut und laden auch die Mainzer und Darmstädter dazu ein.“

Überhaupt sollen die bestehenden Strukturen noch stärker allen drei Partnern zur Verfügung stehen. Schmid zählt Sammlungen wie das Felsbildarchiv des Frobenius-Instituts oder das ehemalige DFG-Sondersammelgebiet Afrika der Frankfurter Universitätsbibliothek auf: „Es ist die mit Abstand größte Sammlung an geistes-, kultur- und sozialwissenschaftlicher Literatur aus dem subsaharischen Raum.“

Dann schaut er hinüber zu den Fotos aus Malawi. „Natürlich sollten wir auch unsere Infrastrukturen in den afrikanischen Ländern gemeinsam nutzen. Wir haben zum Beispiel ein Zentrum in Mali und eines in Malawi, das wäre super für eine gemeinsame Lehrforschungsreise. Über unser Kultur- und Museumszentrum in Karonga gibt es bereits eine Dissertation aus Mainz“, erzählt er begeistert.

So kann es weitergehen mit der Afrikaforschung in Rhein-Main. Die ZIAF-Koordinatoren sind optimistisch. „Wir erwarten noch viele Synergieeffekte“, bekräftigt Hahn. Die interdisziplinäre Forschung steht im Mittelpunkt.

Quelle: Beitrag der Johannes Gutenberg-Universität Mainz