UPDATE (10. Juli 2018): Das Angebot der Alptraumsprechstunde existiert leider nicht mehr. Betroffene können sich aber weiterhin an das Zentrum für Psychotherapie wenden. 

Carolin Schmid, Leiterin der Alptraumstudie. Foto: Anne Hardy

Carolin Schmid, Leiterin der Alptraumstudie. Foto: Anne Hardy

Alpträume können sehr belastend sein, doch nicht jeder würde deswegen einen Psychologen aufsuchen. Die Verhaltenstherapie-Ambulanz der Goethe-Uni bietet deshalb jeden Mittwoch zwischen 17 und 18 Uhr eine Alptraumsprechstunde an.

Frau Schmid, sie erforschen in Ihrer Doktorarbeit, welche Therapieformen Menschen mit Alpträumen an besten helfen. An wen richtet sich die Alptraumsprechstunde?

Sie richtet sich an alle, die unter Alpträumen leiden. Wir beraten zu Möglichkeiten der Selbsthilfe und der Therapie. Unter bestimmten Rahmenbedingungen können wir die Ratsuchenden außerdem in unsere Alptraumstudie aufnehmen.

Leiden viele Menschen in Deutschland unter Alpträumen?

Einer Umfrage zufolge haben 10 Prozent der Bundesbürger monatlich Alpträume. Etwa ein Viertel davon wöchentlich. Solchen Menschen können wir mit unserer Kurzzeittherapie, die nur vier Termine umfasst, gut helfen.

Wie läuft eine solche Therapie ab?

In unserer Studie testen wir zwei verschiedene Verfahren gegeneinander. Beide Verfahren arbeiten mit Vorstellungsübungen. Dazu bitten wir die Teilnehmer in einer entspannten Atmosphäre, ein möglichst detailliertes Bild ihres Alptraums in sich aufsteigen lassen und auf möglichst viele Sinnesendrücke zu achten. Dann arbeiten die Teilnehmer an einem veränderten Umgang mit dem Traum.

In der einen Gruppe fordern wir sie auf, zum Regisseur ihres Traums zu werden. Sie dürfen in die Handlung eingreifen und sie nach ihren Bedürfnissen verändern. Manche holen zum Beispiel Hilfe, andere finden einen Notausgang oder Fluchtweg.

In der anderen Gruppe setzen sich die Patienten mit dem tatsächlichen Trauminhalt auseinander, bis er sie weniger ängstigt. Die Patienten üben, in ihrer Vorstellung das Unbehagen auszuhalten und lernen dabei, dass ihnen nichts geschieht. Man kann also sagen, in der Verhaltenstherapie üben wir, Angst wieder zu verlernen.

Und das verändert auch die Träume?

Wir wissen von beiden Verfahren bereits, dass sie die Häufigkeit und Intensität von Alpträumen reduzieren. Außerdem berichten viele Teilnehmer, dass die verbleibenden Träume sie weniger belasten. Eine Teilnehmerin beschrieb das so: „Ich habe zwar noch hin und wieder Alpträume. Aber ich leide viel weniger darunter, weil ich weiß, wie ich damit umgehen kann.“ Ziel er Studie ist es, die beiden Verfahren zu vergleichen und herauszufinden, ob eins zum Beispiel schneller oder deutlicher wirksam ist.

Wie ist die Idee zu dieser Studie entstanden?

Dr. Regina Steil arbeitet seit vielen Jahren in der Traumaforschung. Alpträume gehören zu den Kernsymptomen von Menschen mit einer Posttraumatischen Belastungsstörung. Diese Störung ist mit Verhaltenstherapie wirksam behandelbar. Die Verhaltensweisen, die Klienten für den Tag lernen, scheinen sich aber nicht automatisch auf die Nacht auszuwirken. Daher begann Frau Dr. Steil, sich spezifisch mit der Behandlung von Alpträumen zu befassen. In die Studie nehmen wir aber bewusst keine Menschen mit Posttraumatischer Belastungsstörung auf. Eine Kurzintervention wäre für sie nicht angemessen. Hier ist zunächst eine umfassende Stabilisierung in einer Therapie nötig.

[Die Fragen stellte Dr. Anne Hardy]

Alptraumsprechstunde: ab sofort jeden Mittwoch von 17 bis 18 Uhr in der Verhaltenstherapie-Ambulanz der Goethe-Universität, Varrentrappstraße 40-42. Es handelt sich um eine offene Sprechstunde, die man ohne Voranmeldung besuchen kann. Informationen bei Carolin Schmid: alptraumstudie@psych.uni-frankfurt.de