Anstatt stressbedingte Erkrankungen erst zu therapieren, wenn sie aufgetreten sind, erforschen Wissenschaftler des Universitätsklinikums Frankfurt zusammen mit der Mainzer Universitätsklinik, wie man diese von Beginn an vermeiden kann.

Schwierige Lebensumstände und stressreiche Phasen treffen die meisten Menschen mindestens einmal in ihrem Leben. Einigen schlägt dies auf die Gesundheit: laut Expertenschätzungen jährlich rund einer halben Milliarde Menschen weltweit. Trotz vieler Therapieansätze aus aller Welt gelingt es bisher nicht, die hohe Zahl an stressbedingten Erkrankungen zu reduzieren. Forscher des Universitätsklinikums Frankfurt wollen daher Maßnahmen identifizieren, um die Gesundheit in Stresssituationen von vorneherein zu schützen und Leiden wie Ängste, Depressionen und Burnout zu vermeiden.

Neurowissenschaftler, Psychologen und Mediziner untersuchen in einer interdisziplinären Studie das Phänomen der Resilienz. Diese beschreibt die Fähigkeit, auch in schwierigen Lebensumständen gesund zu bleiben. In den meisten Fällen sind Menschen in der Lage, sich von psychisch oder physisch stark belastenden Situationen wieder zu erholen. Die Forscher untersuchen in der sogenannten LORA-Studie, welche biologischen und psychologischen Prozesse dafür verantwortlichen sein könnten. Aus diesen Erkenntnissen sollen Vorgaben zur Vorsorge formuliert werden. Dabei ist es unerheblich, ob die Betroffenen einen Schicksalsschlag erleiden, eine fordernde Umbruchsphase durchmachen oder einfach im Alltag viel Stress erleben – alles kann gleichermaßen die Gesundheit belasten.

Ablauf der Studie

In der Studie werden Eigenschaften und mögliche Lernmuster langfristig überprüft, die zur Resilienz beitragen. Die Studienteilnahme besteht aus zwei Komponenten. In Eineinhalbjahresintervallen finden im Universitätsklinikum neuropsychologische Tests statt und es werden Daten durch psychologische Fragebögen erhoben. Zudem umfasst die Testserie die Abgabe von Blut-, Haar-, Stuhl- und Urinproben. Die Haarprobe gibt beispielsweise durch den Gehalt des Stresshormons Cortisol Aufschluss über die zurückliegende Stressbelastung.

In Abständen von drei Monaten findet zudem regelmäßig ein Online-Monitoring zum gegenwärtigen psychischen Gesundheitszustand sowie zu aufgetretenen Stressoren statt: Darunter versteht man Belastungen, schwierige Lebensumstände oder -ereignisse. Das Monitoring können die Teilnehmer über einen persönlichen Online-Zugang von Zuhause aus durchführen. Die Entwicklung der Gesundheit der Teilnehmer setzen die Studienleiter mit den Messergebnissen der Testserie in Beziehung.

Teilnehmer gesucht

Das Frankfurter Team unter der Leitung von Prof. Andreas Reif, freut sich über Interessenten, die dieses Projekt mit einer Studienteilnahme unterstützen. Sie können mit ihrer Teilnahme an der LORA-Studie dazu beitragen, eine der größten Krankheitsgefahren unserer Zeit besser zu erforschen und ihr vorzubeugen. Im Rahmen der Studie erhalten die Beteiligten neben einer Aufwandsentschädigung auf Wunsch auch einen Fitness-Check. Bei diesem ermitteln die Wissenschaftler die individuelle Körperzusammensetzung über den Body Mass Index, die Waist-to-Hip-Ratio und den Körperfettanteil. Zudem lernen die Beteiligten reflektierter mit dem eigenen Stresserleben umzugehen, indem sie sich mit den Zusammenhängen von Gesundheit, Lebensstil und Stress auseinandersetzen.

Weitere Informationen und Anmeldung über die Homepage des Projekts »

Quelle: Pressemitteilung der Universitätsklinik Frankfurt