Intensivste Benutzung führte zu diesen Schäden an einem Frankfurter Bibel-Druck von 1583; Foto: Fa. Raum, Werkstatt für Buch- und Papierrestaurierung, Römerstein

Über Jahrhunderte prägte die Familie von Holzhausen Frankfurter Geschichte. Auch die Universitätsbibliothek besitzt Schätze aus dem Familienerbe. Freunde der Frankfurter Bürgerstiftung finanzierten Restaurierung erhaltener Druckwerke und Handschriften.

Vor über 770 Jahren zogen die ersten Vertreter der Familie von Holzhausen aus dem Taunus nach Frankfurt am Main und begründeten damit eine Frankfurter Patrizier-Dynastie, die zu den angesehensten Familien der Reichsstadt und späteren Freien Stadt Frankfurt gehören sollte. Die historische Bedeutung derer von Holzhausen zeigt sich unter anderem in den zahlreichen Ämtern, die im Laufe der Jahrhunderte von Familienmitgliedern besetzt wurden: ein Stadtschultheiß, etliche Bürgermeister sowie immer wieder Gesandte für die Stadt auf Reichstagen, Kreistagen und Städtetagen.

Mit Freiherr Adolph von Holzhausen starb in Frankfurt im Jahre 1923 der letzte männliche Erbe der älteren Linie. Seine mäzenatische Einstellung sorgte aber dafür, dass der Familienbesitz Teil der städtischen Kultur wurde. Er hatte die Stadt als Alleinerbin eingesetzt. Somit befindet sich heute das Familienarchiv im Frankfurter Institut für Stadtgeschichte.

Die umfangreiche Familienbibliothek wurde nach dem Tod des Freiherrn der Frankfurter Stadtbibliothek übergeben, die nach mehreren Fusionen mit anderen Bibliotheken heute als Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg die erhaltenen Holzhausen-Bände bewahrt. Bei der Übernahme umfasste die Familienbibliothek rund 4200 Bände.

Aufgrund der auffällig hohen Zahl an Juristen in der Familie finden sich viele rechtswissenschaftliche und verfassungsgeschichtliche Werke in der Sammlung, aber auch Werke zur Geschichte, Theologie, Biologie, Land- und Forstwirtschaft und nicht zuletzt eine stattliche Reihe Frankfurter Drucke des 16. und 17. Jahrhunderts. Eine Sonderstellung hat die große Porträtsammlung mit 1200 Holzschnitten, Kupferstichen und Schabkunstblättern von Frankfurter Persönlichkeiten des 16. bis 18. Jahrhunderts.

Starke Verluste im Krieg

Exlibris für das Legat Holzhausen; Foto: K. Bodis, Universitätsbibliothek Frankfurt am Main

Mehrere Umstände verhindern heute einen umfassenden Blick darauf, wie die Sammlung ganz konkret zusammengesetzt war: Wie damals oft üblich wurden die Bände nicht als Konvolut zusammen belassen. Vielmehr wurden die einzelnen Werke nach Medienart, Fachgebiet, Alter und Wert verschiedenen Bestandsgruppen zugeordnet.

Außerdem haben die Bombentreffer des Zweiten Weltkriegs der Frankfurter Stadtbibliothek hohen Schaden zugefügt. Nicht nur zwei Drittel des Gesamtbestandes wurden zerstört. Mit einem Großteil des Aktenbestandes wurden auch die Erwerbungsunterlagen vernichtet. Es existiert daher kein Verzeichnis der überlassenen 4200 Holzhausen-Bände und man muss befürchten, dass die meisten Holzhausen- Bände im Krieg verloren gegangen sind.

Des Weiteren haben viele Bibliotheken erst in den letzten Jahren die Provenienz-Erschließung als wichtiges Thema stärker in den Fokus genommen. Deshalb ist es derzeit noch nicht möglich, alle Vorbesitzer von Beständen über den Online-Katalog zu recherchieren. Dies erklärt, warum die Bibliotheksmitarbeiter im Bestand bislang nur 105 Handschriften und Drucke ermitteln konnten, die definitiv aus dem Legat Holzhausen stammen.

Hinzu kommen die erwähnte Porträtsammlung und auch ein Teilnachlass Holzhausen in der Handschriftenabteilung der Bibliothek. Weitere Recherchen oder auch Zufallsfunde könnten die Zahl der bekannten Holzhausen-Bände sicherlich noch erhöhen.

Aufwändige Restaurierung

Um Fehlstellen im Papier durch Anfaserung von Papierbrei zu schließen, musste die Bindung gelöst werden. Später wurden die Blätter wieder zusammengefügt und neu gebunden; Institutiones von Justinian. Genf 1589; Foto: Fa. Raum, Werkstatt für Buch- und Papierrestaurierung, Römerstein

Dank der großzügigen Hilfe der Frankfurter Bürgerstiftung und deren Freundes- und Förderkreis (hier vor allem dank einer Unterstützung durch die Cronstett- und Hynspergische evangelische Stiftung zu Frankfurt am Main) konnte die Universitätsbibliothek 38 beschädigte Bände aus dem Legat Holzhausen restaurieren lassen. Der Restaurator der Bibliothek hatte die 105 erhaltenen wertvollen Bände aus der Sammlung begutachtet.

Die Bände mit Benutzungs-, Fraß- oder Lagerschäden wurden von einem externen Restaurierungsbetrieb bearbeitet und können nun wieder benutzt werden. Der jeweilige Reparaturaufwand unterschied sich dabei von Band zu Band sehr. Teilweise waren zusätzlich zur obligaten Reinigung nur einfachere Stabilisierungsarbeiten von losen Teilen nötig:

Lederbezugsecken ankleben, Falze nachleimen, einzelne Risse im Papier ausbessern, abgerissene Bändel ersetzen. Mitunter aber musste der Buchblock komplett aus dem Einband bzw. dessen Fragmenten gelöst und geöffnet werden. Nach einer Neubindung und dem erneuten Einhängen in die Einbandteile (Deckel und Rücken) musste dann der Einbandbezug (Leder oder Pergament) wieder angebracht oder durch neue Bezüge ersetzt werden.

Bibliotheksleiter Dr. Schnelling dankt den beiden Stiftungen für die finanzielle Unterstützung und ergänzt: „Wir haben mit dem Restaurierungsprojekt historische Bezüge wieder aufgegriffen, die zwischen der Familie von Holzhausen und der Stadtbibliothek bestanden hatten. Auch im Zusammenhang mit dem Bibliotheksneubau von 1964 hat die damalige Holzhausenstiftung Mittel für Bibliotheksprojekte zur Verfügung gestellt.

Wir freuen uns, dass wir mit der Frankfurter Bürgerstiftung in eine neue für beide Seiten und vor allem für das Frankfurter Kulturerbe förderliche Kooperationsphase getreten sind.“ Auch die bereits erwähnte Porträtsammlung Holzhausen wurde mit Hilfe der Bürgerstiftung in mehrfacher Hinsicht neu bearbeitet und ist nicht nur im allgemeinen Interesse besser verfügbar, sondern kann auch für spezielle historische und kunsthistorische Projekte genutzt werden. Mehr darüber im nächsten „Uni-Report“.

Autor: Bernhard Wirth

Dieser Artikel ist in der Ausgabe 3.18 des UniReport erschienen. PDF-Download »