Felix Otto Dessoff (1835–1892) – Kapellmeister und Komponist

Felix Otto Dessoff, Porträtfoto von Katharina Culié. (UB Ffm)

Erbin übergibt Nachlass an Universitätsbibliothek.

Vor 130 Jahren gehörte der heute kaum noch bekannte Felix Otto Dessoff zu den berühmtesten Kapellmeistern seiner Zeit. In Leipzig aufgewachsen und am dortigen Konservatorium geschult, startete er 1854/55 seine Karriere. Nach ersten Verträgen in Altenburg, Chemnitz, Düsseldorf, Aachen, Magdeburg und Kassel gelang der Sprung nach Wien. Schon als 25-Jähriger wurde er dort Hofkapellmeister, ein halbes Jahr später zusätzlich Dirigent der Wiener Philharmoniker und im Herbst 1861 mit nur 26 Jahren Kompositionslehrer am Konservatorium der Gesellschaft für Musikfreunde. Zu seinen Studenten gehörten u.a. Arthur Nikisch, Felix Mottl, Ernst von Schuch, Heinrich von Herzogenberg und Robert Fuchs.

Fünfzehn Jahre war er in Wien tätig. Er vertiefte seine Freundschaft zu Johannes Brahms, zu dem er bereits in Leipzig den ersten Kontakt hatte. Von seiner Anstellung in Karlsruhe (1875–1880) warb man ihn für das neue Frankfurter Opernhaus ab.

Bei der Eröffnung der heutigen Alten Oper im Oktober 1880 stand der 45-jährige Felix Otto Dessoff als Erster Kapellmeister in Anwesenheit des deutschen Kaisers am Dirigentenpult. Bis zu seinem plötzlichen Tod im Oktober 1892 gestaltete er abwechselnd mit dem Zweiten Kapellmeister Georg Goltermann das musikalische Programm der Frankfurter Oper. Das neue Haus ermöglichte großartige, aufwändig ausgestattete Inszenierungen der großen Opern Meyerbeers, der Opern und Musikdramen Richard Wagners und auch neuer Werke des deutschen, italienischen und französischen Repertoires wie Bizets „Perlenfischer“ und „Carmen“, „Hoffmanns Erzählungen“ von Jacques Offenbach und Verdis „Aida“. So spielte Frankfurt, auch durch das 1878 gegründete Dr. Hoch’s Konservatorium eine bedeutende Rolle im Musikleben Ende des 19. Jahrhunderts. Zu Dessoffs Verehrer*innen zählten auch Clara Schumann und Felix Weingartner. Seine sorgfältige Vorbereitung, sein solides Handwerk, seine Repertoirekenntnis und die Bereitschaft und Neugier, sich in neue Werke einzuarbeiten, brachten ihm wie schon in seiner Wiener und Karlsruher Zeit große Anerkennung.

Weniger bekannt ist, dass Dessoff auch komponierte, und zwar auf hohem Niveau. Seine Kammermusik und Lieder brauchen den Vergleich mit den Werken Robert Schumanns und Johannes Brahms nicht zu scheuen.

Durch Vermittlung des Urenkels Gerhard A. Jahn und des Musikwissenschaftlers Dr. Joachim Draheim wurde im Laufe dieses Jahres die Übergabe eines Teilnachlasses von Dessoff an die Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg vorbereitet. Es handelt sich um die in der Karlsruher Zeit entstandenen Kompositionen Lieder op. 8 und op. 9, Streichquartette op. 7 und op.11, das Streichquintett op. 10, einige Briefe, mehrere Fotos und Familiendokumente. Enthalten sind auch Dokumente zum Schaffen der Tochter Margarethe Dessoff, die eine berühmte Chorleiterin wurde. Dieser wertvolle Teilnachlass stammt aus dem Besitz der Urenkelin Ingeborg Dessoff-Hahn.

Er ergänzt in sinnvoller Weise die von der „Sammlung Musik und Theater“ betreuten 130 Nachlässe Frankfurter Musik- und Theaterschaffender sowie das von der Bibliothek betreute künstlerische Archiv der Städtischen Bühnen Frankfurt.

Ein Konzert mit einer Auswahl seiner Werke fand bereits Ende Oktober 2023 statt. Die feierliche Übergabe des Nachlasses erfolgt am 25. Januar 2024, 18.00-20.00 Uhr im Schopenhauer-Studio in der Zentralbibliothek, mit Vorträgen von Dr. Joachim Draheim zu den Kompositionen, von Dr. Ann Kersting-Meuleman zu der Frankfurter Periode Dessoffs und von Dr. Sabine Fröhlich zu Dessoffs Tochter Margarethe Dessoff, der auch in den USA berühmten Chorleiterin. Eintritt ist frei.

Ann B. Kersting-Meuleman

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