Armut bekämpfen, sauberes Wasser und saubere Energie, das Klima schützen oder hochwertige Bildung für alle – das sind nur einige der 17 Ziele für eine nachhaltige Entwicklung, die die Vereinten Nationen bis 2030 umsetzen wollen. Wie sich diese Ziele ganz lokal verwirklichen lassen, darum dreht sich die „All4Oneworld Nachhaltigkeitswoche“ der Goethe-Universität, die bis zum 30. Juni 2017 andauert. In einem Podiumsgespräch berichteten Umweltaktivisten wie der ehemalige Fußballprofi Benjamin Adrion, Klimaforscher und Ministeriumsvertreter von individuellen Hilfsprojekten und bundesweiten Möglichkeiten des Engagements. Ein weiterer Nachhaltigkeits-Baustein: Die Universität eröffnete ihren Grünen Hörsaal auf dem Campus Westend.

Eröffnung des Grünen Hörsaals: Dr. Andreas Dombret, Prof. Brigitte Haar, Jürgen Großmann, Hans-Joachim Fuchtel, Boris Rhein, Debra Kertzman und Dr. Renate Sterzel (v.l.); © Goethe-Universität/Benjamin André

„Mehr Mikrokredite für Frauen“ oder „kostenlose E-Teaching-Kurse für Arbeiter und Studierende“ – ihre ganz eigenen Ideen für eine nachhaltige Entwicklung konnten die Teilnehmer der „All4Oneworld“-Woche der Goethe-Universität auf eine Postkarte schreiben. Ein paar davon schwebten dann an roten, blauen und grünen Luftballons in den sommerlich heißen Himmel, als am Freitagnachmittag das grüne Lehr- und Lernzimmer auf dem Rasen zwischen dem Hörsaalzentrum und dem Gebäude für die Rechts- und Wirtschaftswissenschaften eröffnet wurde. 14 Kirschbäume, eingefasst in eine Hainbuchenhecke, bieten nunmehr den grünen Rahmen für den ersten offiziellen Freiluft-Hörsaal an einer deutschen Universität. Bis zu 50 Plätze soll das 80 Quadratmeter große Areal bei schönem Wetter für Vorlesungen, Veranstaltungen oder einfach nur zum Lernen bieten.

© Goethe-Universität/Benjamin André

Das Thema Nachhaltigkeit sei an der Universität allgegenwärtig, betonte Prof. Brigitte Haar, Vizepräsidentin der Goethe-Universität. Bei der Architektur der Campusgebäude, in Lehre und Forschungsinstituten, als Thema von Veranstaltungsreihen oder in Form von vier Elektroautos im unieigenen Fuhrpark. Hessens Wissenschaftsminister Boris Rhein verwies bei der Eröffnung auf das Projekt der Co2-neutralen Landesverwaltung, zu dem natürlich auch die Hochschulen gehörten. Auch das HEUREKA-Bauprogramm des Landes für die Universitäten und Hochschulen ziele auf die energetische Verbesserung der Gebäude.

Prof. Brigitte Haar; © Goethe-Universität/Benjamin André

Entstanden ist der grüne Hörsaal aus einem gemeinschaftlichen Projekt mit dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Es sei wichtig, dass gerade die junge Generation Ideen und Projekte für Nachhaltigkeit und Klimaschutz vorantreibe, sagte dessen Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel bei dem vorausgehenden Podiumsgespräch im Hörsaalzentrum der Universität. Die Agenda der Vereinten Nationen sei bisher nur rund neun Prozent der Menschen in Deutschland bekannt. „Wir müssen Nachhaltigkeit in die Köpfe kriegen und das geht am besten an der Universität“, so der Parlamentarische Staatssekretär. 2,7 Milliarden Euro gebe Deutschland für den Klimaschutz aus, die vermehrte Unterstützung der Entwicklungsländer durch Investitionen, aber auch durch Netzwerke und Knowhow sei das Ziel. Hans-Joachim Fuchtel nannte als Beispiel das Textilbündnis, das geschmiedet worden sei, um Kinderarbeit, Ausbeutung oder auch zu viele Schadstoffe in der Kleiderindustrie einzudämmen.

Hans-Joachim Fuchtel; © Goethe-Universität / Benjamin André

Dass jeder aktiv werden und etwas bewegen kann, zeigt die Bewegung „Viva con Aqua“, die der ehemalige Fußballprofi bei St. Pauli, Benjamin Adrion, vor wenigen Jahren losgetreten hat. Bei einem Trainingslager auf Kuba entstand bei ihm der Wunsch, „sich sozial global zu engagieren“, berichtete er bei dem Podiumsgespräch. Die Idee für ein offenes Netzwerk, wo sich jeder einbringen kann, wurde zu einer weltweiten Aktion. Adrions Vision: „Wasser für alle.“ 1,1 Milliarden Menschen haben keinen Zugang zu sauberem Wasser. Der Fußballspieler startete mit einem Trinkwasserspender für Kindergärten – heute finanziert Viva con Aqua Trinkwasserbrunnen in Äthiopien, Kuba, Ruanda, Kenia oder auch Nepal. 40 Millionen Flaschen Wasser hat die Bewegung zugunsten der Projekte verkaufen können, Stars, Sportler und Musiker für ihre Vision gewinnen und über 6 Millionen Euro Spenden einsammeln können. „Wir haben weltweit 1,8 Millionen Menschen erreicht“, sagt Benjamin Adrion stolz.

Benjamin Adrion; © Goethe-Universität/Benjamin André

Doch es geht auch kleiner. Sven Haas, Projektleiter von Green Grubs, studiert eigentlich Wirtschaftswissenschaften an der Goethe-Uni. In seiner Freizeit arbeitet er für die studentische Initiative „Enactus“. Rund 100 Studierende der Goethe-Universität sind dort aktiv. Enactus engagiert sich für eine nachhaltigere Tierfutterproduktion. Statt Soja, dessen großflächigem Anbau immer mehr Regenwald zum Opfer fällt oder Fischmehl, das zu einer Überfischung der Meere führt, züchten sie die schwarze Soldatenfliege. „Für Fische und Hühner ein gutes alternatives Futtermittel“, berichtet Sven Haas.

Hans-Joachim Fuchtel und Sven Haas (v.l.); © Goethe-Universität/Benjamin André

Joachim Curtius, Professor und Klimaforscher an der Goethe-Universität, ist von solch studentischem Einsatz begeistert. Gemeinsam könne auch mit kleinen Beiträgen viel erreicht werden, ist er überzeugt.

[Autorin: Astrid Ludwig]

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