MainMUN-Konferenz 2018; Foto: MainMUN

Zum vierzehnten Mal luden Frankfurter Studierende im Februar zur UNO-Simulation an die Goethe-Universität ein. Vier Tage lang schlüpften Studierende aus über 40 Ländern in die Rollen von rund 200 Delegierten aus aller Welt bei der diesjährigen Main Model United Nations Konferenz (MainMUN). Unter dem Motto „Achieving Peace and Cooperation in the Digital Era“ debattierten sie in sechs Komitees verschiedenste Themen.

Dabei standen die Studierenden vor der Herausforderung, die Politik des zu vertretenden Landes möglichst authentisch zu vertreten und so Probleme aus einer anderen Perspektive wahrzunehmen. Um die Authentizität zu wahren und den Rollenspiel-Charakter beizubehalten, vertrat niemand sein eigenes Herkunftsland. Das wurde besonders interessant, wenn Länder mit einer politisch deutlich anderen Meinung vertreten werden sollten, beispielsweise China oder Russland, zwei der fünf Veto-Mächte im UN-Sicherheitsrat. Im Sinne des „MUN-Gedanken“ sollte der jeweilige Vertreter idealerweise die private politische Sicht auf das Thema hinten anstellen und aus der Sicht Chinas oder Russlands argumentieren. Dieser Perspektivwechsel ist eines der Lernziele der Simulation. Weitere sind, dass die Studierenden verstehen, wie internationale Organisationen funktionieren, wie man auf Englisch Kompromisse aushandelt und sich auf internationalem Parkett angemessen bewegt.

MainMUN-Konferenz 2018; Foto: MainMUN

„Das MainMUN hat dieses Jahr erneut ein internationales, studentisches Flair an die Goethe-Uni gebracht. Immer wieder ist es beeindruckend zu beobachten, mit wie viel Engagement die Studierenden von früh morgens bis spät abends wie echte Delegierte agieren und die eigenen Interessen mit diplomatischem Respekt vertreten“, sagt Prof. Dr. Tanja Brühl, die das Projekt „Uni goes UNO“ an der Goethe-Universität initiiert hat.

Das diesjährige MainMUN hatte zum Ziel, eine möglichst getreue UN Simulation mit allen Spezifika zu kreieren. So konnten neben den üblichen Delegationen die Teilnehmer auch eine von mehreren Nichtregierungsorganisationen und Pressemitglieder vertreten. So hatten sie einerseits die Möglichkeit komitee-flexibel zu agieren und ihr Wissen einzubringen, andererseits übten sie sich im Journalistischen und dokumentierten die Arbeit der anderen Teilnehmer. Nach tagelanger Arbeit hatten die meisten Komitees erfolgreich ihr eigenes Dokument gemäß den UN-Richtlinien verfasst.

Bereits von Beginn an dabei ist Benedikt Bieber, ehemaliger Student der Goethe-Uni: „Mich begeisterten sofort die internationale Atmosphäre mit Studierenden aus aller Welt sowie die Chance, spannende Themen zu diskutieren, mit anderen darüber zu debattieren und letztendlichen einen Konsens zu finden. Schon bei meiner ersten Konferenz überkam mich das sogenannte „MUN“-Fieber – wer angefangen hat, kann nur schwer wieder aufhören.“ Als erstes Land vertrat er Belgien, in den darauffolgenden Jahren Länder wie Frankreich, Großbritannien, die Vereinigten Staaten von Amerika oder Russland. „Jedes dieser Länder hatte seine eigenen Herausforderungen, Verbündete und Gegner, die identifiziert werden mussten. Auch das ist MainMUN – vor den hitzigen Debatten in den Komitees, dem Finden eines Kompromisses und dem Schreiben einer Resolution findet die Recherche zum jeweiligen Land statt. Die ganze Veranstaltung ist ein unvergleichliches Erlebnis, das internationale Politik und Verhandlungen wirklich erfassbar und nachvollziehbar macht“, sagt Bieber voller Begeisterung, auch nach über zehn Teilnahmen.

MainMUN 2018; Foto: MainMUN

Ein weiteres Glanzstück des diesjährigen MainMUN war ebenso das inhaltliche Rahmenprogramm mit einer Expertenrunde. Dabei erhielten die Delegierten weitere themenspezifische Informationen von Experten u.a. der Deutschen Gesellschaft für die Vereinten Nationen (DGVN) und der Hessischen Stiftung für Friedens- und Konfliktforschung (HSFK). Die Teilnehmer arbeiteten jedoch nicht nur an Bündnissen, sie freundeten sich auch mit der stärksten Opposition im Komitee an und bauten Beziehungen über die Grenzen des eigenen Landes hinausgehend auf.

Mit der historischen Signifikanz der Goethe-Universität in der internationalen Stadt Frankfurt am Main war das MainMUN erneut für ein Wochenende eine wichtige Plattform für politischen Austausch von Studierenden. Nun beginnen bereits die Vorbereitungen auf das 15. MainMUN in 2019.