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Im ersten Jahrgang des »Mercator Science-Policy Fellowship-Programms«: Renate Labonté vom Hessischen Umweltministerium.

Sie hatte eine Promotionsstelle, befand sich am Beginn einer wissenschaftlichen Karriere, doch entschied sich dann für einen ganz anderen Weg: nämlich in die Verwaltung zu gehen. Renate Labonté hat Meteorologie an der Goethe-Universität studiert. Heute arbeitet sie im Hessischen Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, ist dort stellvertretende Leiterin der Abteilung „Klimaschutz, nachhaltige Stadtentwicklung, biologische Vielfalt“. „Es ist eine gute Lebensdevise, zu erkennen, wo und wann sich neue berufliche Wege ergeben“, betont die Diplom-Meteorologin.

Nach dem Studium arbeitete sie zuerst in der Enquete-Kommission „Vorsorge zum Schutz der Erdatmosphäre“ des Deutschen Bundestages. Dort ging es um Klimaveränderungen und Ozonabbau in der Stratosphäre. „Mit meinem Studium der Meteorologie war ich bestens für diese Tätigkeit vorbereitet“, sagt Renate Labonté. Sie erinnert sich gerne an den damaligen Standort des Instituts für Meteorologie und Geophysik in der Feldstraße 47, mitten im beschaulichen Westend. „Das war eine sehr persönliche, fast familiäre Atmosphäre im Studiengang.“ Aber Renate Labonté ist gleichwohl begeistert von der Entwicklung, die die Goethe-Universität seitdem genommen hat: Der moderne Campus Westend gefällt ihr sehr gut, sie hat die Rückkehr zur Uni im Rahmen ihres Fellowships sehr genossen.

„Hier hat sich wirklich viel getan!“ Für Renate Labonté war es die richtige Entscheidung der Forschung den Rücken zu zu kehren und als Quereinsteigerin in die Verwaltung zu gehen. Dabei profitiert sie in nicht unerheblichem Maße davon, sich in beiden Welten gut auszukennen. Über berufliche und fachliche Grenzen hinweg zu kommunizieren stellt für sie kein Problem dar: „Man sollte offen sein für andere Wissenskulturen und unterschiedliche Positionen und Meinungen ernst nehmen und sich damit auseinandersetzen.“ Und sie ist fest davon überzeugt, dass Politik und Wissenschaft von dem Austausch auf entscheidende Weise profitieren. „Besonders jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern kann diese Schnittstelle einen Motivationsschub bescheren: Zu wissen, dass die Arbeit praktisch anwendbar und wichtig für die Gesellschaft ist, gibt dann einfach mehr Sinn, auch jenseits des reinen Fachdiskurses.“

Der Auftakt des Mercator Science-Policy Programms

Auf der anderen Seite benötige die Politik aber auch eine fundierte Wissensbasis, um in ihrem Handeln sachlich entscheiden zu können. Renate Labonté nennt als Beispiel ein Thema, das gerade auf der Agenda steht: die Verbindung von MINT-Berufen und Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE). „Das sind vom Prinzip her ganz unterschiedliche Themenkomplexe, die jedoch mit Gewinn zusammengedacht werden können, um junge Menschen, vor allem Mädchen und junge Frauen, dafür zu sensibilisieren, Interesse an naturwissenschaftlichen Fragen zu entwickeln und vorausschauend zu denken.“ Vielfalt trägt entscheidend zu Lösungen bei Welche Erwartungen hat Labonté an ihren Mercator-Fellowship? „Ich wünsche mir vor allem eine Erweiterung meines beruflichen Horizontes.

Auch wenn ich an der Schnittstelle zwischen Politik, Verwaltung und Wissenschaft tätig bin, so bin ich trotzdem auch gewissermaßen gefangen in bestimmten Denkweisen und Handlungsroutinen.“ Bei komplexen Themen wie der Nachhaltigkeitsstrategie ist es wichtig, dass viele Disziplinen eng kooperieren – die Vielfalt trage dann ganz entscheidend zur Lösung bei, sagt Labonté. Mit großem Gewinn hat sie den bisherigen Austausch im Rahmen des Mercator-Programms mit Wissenschaftlern empfunden. „Ein guter Kontakt konnte zur Senckenberg Stiftung aufgebaut werden. Denn da gibt es viele Anknüpfungspunkte, wie zum Beispiel im Bereich Naturschutz, Diversität und Klimamaßnahmen in der Stadt.“

Der Meteorologin geht es aber nicht nur um die Generierung und Bereitstellung von Wissen. Sie stellt die Frage: Wie schafft man es, die Menschen dazu zu bringen, ihr Wissen auch in Handeln umzusetzen? „Fast alle Bürgerinnen und Bürger wünschen sich eine intakte Umwelt, einen nachhaltigen Umgang mit Ressourcen und eine gesunde Ernährung. Aber wenn man fragt: Wo geht ihr einkaufen, seid ihr auch bereit, für nachhaltige Produkte mehr zu bezahlen? – dann wird es oft schwierig“, betont Labonté. Bei diesen Fragen wünscht sie sich eine intensivere Zusammenarbeit der Naturwissenschaften mit den Geistes- und Gesellschaftswissenschaften – eine solche möchte sie gerne im Rahmen ihres Fellowships mit anstoßen und gestalten.

Das »Mercator Science-Policy Fellowship- Programm«

Mit dem neuartigen und in Deutschland bislang einzigartigen Programm möchten die Rhein-Main-Universitäten (RMU) und die Stiftung Mercator den Brückenschlag zwischen Wissenschaft, Politik, Verwaltung und Zivilgesellschaft stärken. Das Programm richtet sich an Führungskräfte aus dem Policy-Sektor, die in Politik, Verwaltung oder Zivilgesellschaft verantwortlich an Politiken auf nationaler oder europäischer Ebene mitwirken.

Mehr Informationen zum Mercator Science-Policy Fellowship- Programm »

Dieser Artikel ist in der Ausgabe 1.17 (PDF-Download) des UniReport erschienen.