Katrin Göbel mit Vint Cerf, bekannt als "Father of the Internet"; Foto: Privat

Katrin Göbel mit Vint Cerf, bekannt als „Father of the Internet“; Foto: Privat

Lindau, eine kleine Insel im Bodensee. 30 Nobelpreisträger und rund 400 auserwählte Nachwuchswissenschaftler aus aller Welt trafen sich Ende Juni auf einer Fläche nur etwas größer als das Messegelände in Frankfurt. Unter hunderten von Bewerbern für diese besondere Wissenschaftskonferenz hat sich auch Dr. Kathrin Göbel, Astrophysikerin an der Goethe-Uni, im Auswahlverfahren durchsetzen können.

Dies gelang auch durch den Vorschlag der Goethe-Uni an die Auswahlkommission in Lindau. »Ich wurde vom Fachbereich gefragt, aber zugegebenermaßen kannte ich die Veranstaltung bis dahin gar nicht«, gibt Göbel zu. Nachdem sie sich informiert hatte, zögerte sie nicht lange und stimmte dem Antrag mit Begeisterung zu. Mehrere Empfehlungsschreiben, Lebenslauf mit Publikationsliste und ein Motivationsschreiben später hatte die Forscherin ihre Teilnahme sicher.

»Sehr beeindruckend, ein aufregendes, tiefgründiges Erlebnis«, beschreibt Göbel ihren Eindruck, den sie von dem Treffen mit den Nobelpreisträgern mit nach Frankfurt gebracht hat. Ihre Augen leuchten dabei. Jährlich rotierend war nach Chemie und Medizin in diesem Jahr das Fachgebiet Physik an der Reihe. Seit 1951 findet die Lindauer Nobelpreisträgertagung im Sommer für eine Woche am Bodensee statt.

Junge Forscher haben dann die Möglichkeit, bei Vorträgen, Diskussionsrunden und Abendveranstaltungen die berühmten Wissenschaftler zu erleben, sie zu entdecken und sich von ihnen inspirieren zu lassen. Die Teilnehmer können sich zwischen vielen einzelnen Diskussionsrunden entscheiden; je nachdem, von welchem der Preisträger sie am meisten erfahren möchten.

Dies sei die beste Gelegenheit gewesen, den Forschern auf den Zahn zu fühlen und ihnen die Fragen zu stellen, deren Antworten einen schon immer brennend interessiert haben, sagt Göbel. Die Vorträge der Nobelpreisträger sind dabei nicht nur wissenschaftlich, sie berichten auch von ihren politischen Positionen: »Der nachhaltig Beeindruckendste ist Bill Phillips, der sich für alle Fragen und Anliegen von uns Nachwuchswissenschaftlern Zeit genommen hat«, erzählt Göbel.

Sie selbst wollte unbedingt den Astrophysiker Brian Schmidt kennenlernen, da seine Forschung ihrem Arbeitsfeld am nächsten kommt. Besonders interessant sei an seiner Person und seinem Vortrag gewesen, dass er als Vizekanzler der Australian National University auch über das Thema Führungsqualitäten gesprochen habe.

Nicht nur die Nobelpreisträger haben einen bleibenden Eindruck hinterlassen: »Auch von den 400 Nachwuchswissenschaftlern war jeder irgendwie faszinierend und hatte etwas Interessantes zu erzählen«, sagt die Physikerin. Nicht nur aufgrund der besonderen Gäste sei es eine außergewöhnliche Konferenz gewesen, sondern auch, weil die breiteren Forschungsthemen anderer wieder ins eigene Blickfeld gelangen, berichtet Kathrin Göbel.

Auf gewöhnlichen Tagungen sei das Thema normalerweise sehr eng abgesteckt und viele der Anwesenden seien einem aus Kollaborationen bekannt. Und hat die junge Forscherin nun auch den Traum, einmal den Nobelpreis zu gewinnen? »Man weiß nie, was man mal entdecken wird«, sagt Göbel bescheiden.

Aktuell ist die Astrophysikerin mit ihrer Forschung am Frankfurt Neutron Source Projekt beteiligt, für das ein Teilchenbeschleuniger in den kommenden Monaten an der Goethe-Uni in Betrieb genommen wird. Mit dessen Hilfe werden sie und ihre Arbeitsgruppe zum Ursprung der Elemente experimentieren können.

Dieser Artikel ist in der Ausgabe 3.16 der Mitarbeiterzeitung GoetheSpektrum erschienen.