Prof. Dr. Albrecht Cordes, Mittelalterliche und neuere Rechtsgeschichte und Zivilrecht, Rechts- und Wirtschaftswissenschaften; Foto: Dettmar

Prof. Dr. Albrecht Cordes, Mittelalterliche und neuere Rechtsgeschichte und Zivilrecht, Rechts- und Wirtschaftswissenschaften; Foto: Dettmar

Woran forschen Sie?

Ich erforsche die Strategien der Kaufleute im Mittelalter, mit denen sie – besonders in der Fremde – ihre Interessen durchgesetzt haben. Sie taten dies großenteils ohne Juristen, weshalb diese despektierlich von Laienrecht sprechen. Das ist falsch; in diesem ›Recht ohne Juristen‹ wird vielmehr eine andere, spezifische Art von Professionalität und Rationalität erkennbar.

Was fasziniert Sie an der Goethe-Universität?

Unsere multikulturelle und trotzdem bodenständige, mit der Region verbundene Studentenschaft. Das Konzept der Stiftungsuniversität passt zu uns; dies ist wieder die Universität der Frankfurter. Und der herrliche Campus Westend ist eine willkommene Zugabe.

Wo sehen Sie den gesellschaftlichen Nutzen Ihrer Forschung?

Die globalisierte Welt ringt um gerechte und praktikable Systeme zur Konfliktentscheidung. Die mittelalterliche Rechtsvielfalt belegt einerseits, dass auch multipolare Systeme funktionieren können, zeigt andererseits, welch zivilisatorischen Fortschritt die in der frühen Neuzeit errichteten nationalen Höchstgerichte darstellten. Trotzdem ist klar, dass die Justiz sich wandeln und auf die Herausforderung der Paralleljustizen antworten muss, um künftig im Konzert der Entscheidungssysteme die rechtsstaatlich gebotene wichtige Rolle zu spielen.

Welche andere Disziplin, die von Ihrer eigenen weit entfernt ist, ist für Sie besonders interessant und vielleicht eine Inspirationsquelle?

Die Ethnologie erweitert mit ihrem Erfahrungsschatz über fremde Welten den Möglichkeitsraum der Zukunft. Darin ähnelt sie der älteren Rechtsgeschichte.

Was erwarten Sie von einem jungen Menschen, der heute anfängt, Rechtswissenschaft zu studieren?

Neugier, soziales Verantwortungsbewusstsein, Selbständigkeit und den Mut, auf das eigene Urteil zu vertrauen. Gute Deutschkenntnisse sind ebenfalls von Vorteil. Karrierepläne sind wichtig, aber jetzt bitte erst das Studium genießen!

Wie hat die Rolle des Wissenschaftlers sich in den letzten Jahrzehnten verändert?

Gewaltige Gelder sind in das Bildungswesen geflossen. Das brachte Chancen und Gefahren; unsere Verantwortung ist gestiegen. Es ist einfacher geworden, den Nachwuchs zu fördern, doch man muss zusehen, dass nicht gute Forschungsankündigung an die Stelle guter Forschung tritt. Wäre Sepp Herberger unser Uni-Präsident, so hieße seine Devise: »Nach dem Antrag ist vor dem Antrag.«

Was tun Sie, wenn Sie forschungsfreie Zeit haben?

Mit dem Finger auf dem Globus die Länder suchen, in die ich als nächste reisen will. Erstaunlich, wo ich überall noch nicht war!

Goethe, Deine Forscher
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität Frankfurt im Portrait

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