Prof. Dr. Reinhard Dörner, Institut für Kernphysik; Foto: Dettmar

Prof. Dr. Reinhard Dörner, Institut für Kernphysik; Foto: Dettmar

Woran forschen Sie?

Die Physik behauptet, dass die Vielfalt unserer unglaublich komplexen Welt nur auf wenige Teilchen und im Wesentlichen eine Kraft zurückzuführen ist – wie kann das sein? Wir haben ein neuartiges Mikroskop entwickelt, mit dem wir auf eine bisher unmögliche Weise in diese Welt der Elektronen, Atome und Moleküle hineinschauen können. Vieles von dem, was wir da sehen, ist voller Rätsel.

Was fasziniert Sie an der Goethe-Universität?

Sie ist groß und bunt. Ich war schon als Student hier, weil ihr Ruf in der Philosophie legendär ist, und wurde nicht enttäuscht. Als Forscher genieße ich heute die Vielfalt der Themen und der Kollegen.

Wo sehen Sie den gesellschaftlichen Nutzen Ihrer Forschung?

Die Welt immer tiefer zu verstehen ist eines der großen und niemals abzuschließenden Menschheitsprojekte. Physikalische Forschung heute ist der professionalisierte Versuch, hierzu einen Beitrag zu leisten. Das größte Verdienst der Physik besteht darin, den Glauben an eine von magischen Mächten beherrschte äußere Natur durch ein modernes naturwissenschaftliches Weltbild ersetzt zu haben. Dieser Weg der Aufklärung hat kein Ende und Naturwissenschaftler sind Pfadfinder auf diesem Weg.

Gibt es ein biographisches Moment, das für Ihren Weg in die Wissenschaft prägend war?

Mein Leben ist gepflastert mit glücklichen Umständen. Zwei Beispiele: Ohne dass ein Onkel mit mir Stromkreise gebastelt hätte, wäre ich vielleicht nicht Physiker geworden. Und ohne ein ernstes Wort meiner Chemielehrerin hätte ich wahrscheinlich Politikwissenschaft und Soziologie studiert.

Wie kann der Dialog zwischen Wissenschaft und Bevölkerung gelingen?

Wissenschaftler müssen strahlen und Begeisterung versprühen und in anschaulichen Bildern die Welt erklären. Das vielversprechendste Fenster in die Gesellschaft hinein sind Kinder. Wenn es uns gelingt, an die kindliche Neugier auf die Welt anzuschließen, dann ist viel gewonnen.

Gibt es ein Ziel, das Sie erreichen wollen?

Ich möchte das unglaubliche Privileg, als Wissenschaftler meinen Lebensunterhalt zu bestreiten, nutzen und vor allem zum Verständnis für das Funktionieren unserer Welt beitragen.

Wie viel Zeit verbringen Sie noch selbst in der praktischen Forschung?

Experimentalphysik ist Teamarbeit. Die handwerkliche Arbeit im Labor ist ein Teil, die Konzeption von Experimenten, das Stellen von Fragen und die Interpretation sind andere unverzichtbare Teile. Die Rolle, die man dabei einnimmt, wandelt sich auf dem Weg vom Studenten zum Arbeitsgruppenleiter. Besonders glücklich macht es mich, wenn Studierende so gut sind, dass ich nur kritische Fragen stellen muss.

Goethe, Deine Forscher
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität Frankfurt im Portrait

[PDF-Download]