Prof. Dr. Stefanie Dimmeler, Institut für Kardiovaskuläre Regeneration Zentrum für Molekulare Medizin; Foto: Dettmar

Prof. Dr. Stefanie Dimmeler, Institut für Kardiovaskuläre Regeneration Zentrum für Molekulare Medizin; Foto: Dettmar

Woran forschen Sie?

Aktuell forschen wir verstärkt an nichtkodierenden RNAs, das sind RNAs die nicht für die Bildung von Proteinen genutzt werden, sondern andere Funktionen haben. Ursprünglich ging man davon aus, dass nur die kodierenden Informationen – also diejenigen, die in Proteine übersetzt werden – wichtig sind. Der Rest wurde als Junk – also Abfall – bezeichnet. Mittlerweile weiß man jedoch, dass mehr als 70 Prozent des Genoms zu nichtkodierenden RNAs führt, also solchen RNAs, die nicht in Proteine übersetzt werden. Die Funktion von einigen der kleinen nichtkodierenden RNA-Schnipselchen, die sogenannten microRNAs, konnten wir bereits nachweisen. Solche microRNAs spielen zum Beispiel eine Rolle beim Herzinfarkt oder bei der Herzalterung. Die Funktion der langen nichtkodierenden RNAs im Herzen ist jedoch weitestgehend unbekannt, und wir untersuchen aktuell, welche RNAs es im Herzund Gefäßsystem gibt, welche bei Erkrankungen eine Rolle spielen und wie diese dann wirken. Ziel ist es, diese neuen Formen von RNAs pharmakologisch zu beeinflussen, um Herz-Kreislauf-Erkrankungen behandeln zu können.

Auf der Webseite lolmythesis.com fassen Doktoranden ihre Arbeit in einem einzigen oft humorvollen Satz zusammen. Wie sähe ein solcher Satz bei Ihrer Forschung aus?

Decoding the non-coding in cardiovascular disease, oder auf Deutsch: Dekodierung des Nichtcodierenden bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Was fasziniert Sie an der Goethe-Universität?

Die insgesamt sehr gute kollegiale Atmosphäre.

Wo sehen Sie den gesellschaftlichen Nutzen Ihrer Forschung?

In der Aufklärung der Ursache von Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie der Ausbildung der nächsten Generation von Wissenschaftlern in diesem Bereich.

Was hat Sie an die Goethe-Universität gebracht?

Professor Busse, der damalige Lehrstuhlinhaber der Physiologie, der mich nach Frankfurt rekrutieren wollte.

»Mehr Frauen in der Forschung!« Wie stehen Sie zu dieser Forderung?

Ja, aber nicht über Quoten!

Was bedeutet Ihnen Arbeit im Team?

Sehr viel. In der medizinischen Forschung ist die Arbeit im Team essenziell, da sehr viele Kenntnisse in verschiedenen Bereichen notwendig sind, vor allem wenn man an das Ganze denkt – von der Grundlagenforschung bis hin zur Klinik. Zudem macht es viel Spaß, im Team zu arbeiten. Man kann Erfolge viel schöner zusammen feiern – und auch Misserfolge tragen sich leichter gemeinsam.

Goethe, Deine Forscher
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität Frankfurt im Portrait

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