Fachschaften freuen sich sehr über neue Mitstreiter*innen

Die Coronapandemie hat die Fachschaftsarbeit beeinträchtigt: Das zeigt eine Umfrage unter den Fachschaften der Goethe-Universität zur studentischen Partizipation. Die Beschränkungen hinsichtlich Präsenztreffen ab dem Frühjahr 2020 hatten nicht nur die Fachschaftsarbeit, sondern auch die Aufnahme neuer Studierender erheblich erschwert. Die gute Nachricht: Die Präsenz im Sommersemester hat wieder mehr Interessierte angelockt. Alle Fachschaften betonen unisono: Die Mitarbeit lohnt sich in vielfacher Hinsicht!

Gradmesser für die Partizipation von Studierenden an Hochschulpolitik ist nicht nur die Wahlbeteiligung. Die war und ist leider immer noch gering, liegt an der Goethe-Universität meistens nur knapp über 10 Prozent. Darin erschöpfen sich aber nicht die Möglichkeiten für Studierende, ihre Universität aktiv mitzugestalten. Fachschaften sind wichtige Institutionen der studentischen Selbstverwaltung. Hier diskutieren Studierende über die Rahmenbedingungen ihres Faches und erarbeiten Vorschläge, wie das Studium aussehen kann. Darüber hinaus kann jede:r Studierende aber für sich persönlich viel mitnehmen – neue Kommiliton*innen kennen lernen, interessante Einblicke in das Hochschulsystem gewinnen und sich sogar auch Credit Points für das Engagement anrechnen lassen.

Prof. Christiane Thompson, Vizepräsidentin für Studium, Lehre und wissenschaftliche Weiterbildung, hebt hervor: „Es gibt aktuell eine Reihe sehr engagierter Fachschaften, welche die Belange ihrer Studierenden zielstrebig und engagiert verfolgen. Eine große Herausforderung besteht vor allem darin, neue Studierende an die Fachschaftsarbeit heranzuführen und wichtiges institutionales Wissen weiterzugeben.“

In den letzten beiden Jahren stand das Thema „Nachwuchsgewinnung in Fachschaften“ im Zusammenhang mit der Coronapandemie unter keinem guten Stern: Da Treffen in Präsenz eine Zeitlang nicht mehr möglich waren, sei das Interesse an hochschulpolitischen Aktivitäten stark eingebrochen, berichtet beispielsweise die Fachschaft 03 in einer Umfrage des UniReport, an der sich sieben Fachschaften beteiligt haben. Nach dem Ende der Beschränkungen habe sich die Situation aber wieder entspannt, nun bringe sich wieder eine höhere Zahl an neuen Studierenden in die Fachschaftsarbeit ein. Ähnliches beschreibt die Fachschaft Physik und Biophysik, man registriere seit dem letzten Sommersemester einen leichten Aufschwung, erfreulicherweise seien einige neue Mitstreiter*innen dazugekommen.

Das »Sprachrohr der Studierenden«

Warum sollen sich Studierende überhaupt in einer Fachschaft engagieren? „Die Fachschaft ist das Sprachrohr der Studierenden“, erklärt die Fachschaft Physik und Biophysik. Gremienarbeit sei enorm wichtig für den Studienalltag, denn beispielsweise sei so etwas wie der „Freiversuch in den Prüfungen des ersten Semesters“ erst möglich geworden durch entsprechende Bemühungen Studierender, die „den Profs auch mal Kontra geben und die studentische Perspektive vermitteln“. Tobias Rothenberger von der Fachschaft 12 (Informatik) sieht die Aufgabe der Fachschaften ganz grundsätzlich darin, Ansprechpartnerinnen für neue Studierende zu sein und für Orientierung zu sorgen.

Wie groß ist nun aber der Aufwand, sich in einer Fachschaft aktiv zu beteiligen? Viele Studierende mag die Aussicht abschrecken, Aufgaben und Verantwortlichkeiten in einer Berufungskommission oder in einem Prüfungsausschuss zu übernehmen, die zeitlich nicht zu stemmen sind angesichts eines oftmals sehr dichten Stundenplans im Studium. Und muss man nicht schon vor dem Studium Erfahrungen in der politischen Arbeit gesammelt haben, um in der Gremienarbeit bestehen zu können? Alles halb so wild, betonen einige Fachschaften. „Wenn Gremienarbeit am Anfang einschüchternd wirkt und die Vorstellung, mit den eigenen Profs in einem Raum zu sitzen einen in Schockstarre versetzt, ist das gar kein Problem“, betont die Fachschaft Physik und Biophysik. Oft gebe es auch Aufgaben wie die Vorbereitung einer Veranstaltung oder Werbung, wofür keine Vorkenntnisse vonnöten seien. „Wir erwarten keinen direkten Einstieg in Gremienarbeit oder in andere Aufgabenbereiche.

Zu Beginn können sich Interessierte die Fachschaftsarbeit auch erstmal einfach nur anschauen“, sagt Dominik Enkelmann von der Fachschaft Ethnologie. „Niedrigschwellig“ nennt auch die Fachschaft 03 den Einstieg in die Fachschaftsarbeit: „Unabhängig von dem Vorwissen, der Zeit und den sonstigen Ressourcen soll jeder Studierende des FB03 die Möglichkeit haben, sich in der Fachschaft zu engagieren oder auch nur aus Interesse an den Plena teilzunehmen“, betont man. „Jede:r tut so viel er:sie kann“, heißt das bei der Fachschaft 07. Trevis Krumb von der Fachschaft 02 Wirtschaftswissenschaften hebt hervor, dass jeder selbst entscheiden könne, welche Aufgaben er oder sie übernehmen möchte. Die aktive Fachschaft bedeute nicht nur Arbeit, sondern auch die Möglichkeit, neue Kontakte schließen und Freizeitaktivitäten zu teilen.

Dies sei gerade auch für jene, die neu an der Uni sind und noch nicht über ein dichtes Netzwerk an Freund*innen und Bekannten verfügten, von großem Vorteil, betonen die Fachschaften allesamt. Zwar hörten alle Erstis in den Orientierungsveranstaltungen davon, was Fachschaften so treiben, doch bleibe es oftmals bei diesem Erstkontakt: „Nur wenige engagieren sich gleich oder sind von Anfang an dabei. Und wenn, dann eher als Nutzende unserer Räume und mit etwas Glück als Helfende bei Events“, berichtet Tobias Rothenberger. In die studentische Selbstverwaltung wachse man erst später hinein. Viele trauten sich auch einfach nicht, was er eigentlich schade findet.

Mitarbeit lohnt sich

Auch Vizepräsidentin Christiane Thompson betont, dass die studentische Partizipation ganz unterschiedlich gestaltet werden kann: „Mich hat gefreut, zuletzt in der Fachschaft meines Fachbereichs Mitglieder kennenzulernen, die ich kürzlich noch in der Einführungsvorlesung gesehen habe. Es gibt viele Möglichkeiten, die Arbeit der Fachschaft sichtbar zu machen und die Bedeutung herauszustellen. Nicht alle landen bei der Fachschaft; einige engagieren sich auch in unseren studentischen Initiativen. Für beide Aufgaben zentral ist, die eigene Stimme einzubringen und die Interessen der Studierenden zu vertreten. Viele Aspekte kommen so erst aufs Tapet – und man nimmt selbst dabei so viel mit!“

Grundsätzlich betonen alle Fachschaften, dass die bereits in Gremienarbeit erfahrenen Fachschaftler*innen ihr Wissen gerne weitergeben – ein bewährter Informationsfluss, der auch die Arbeitsfähigkeit einer Fachschaft sicherstellt. Alle Fachschaften freuen sich über „neue Gesichter“, wie es Tobias Rothenberger für die Fachschaft Informatik formuliert. Bei den „Neuzugängen“ handelt es sich übrigens nicht nur um „Erstis“: Es gebe immer auch wieder Studierende aus höheren Semestern, die sich engagieren wollen – vor allem, wenn sie nach einigen Semestern merkten, was nicht alles so optimal läuft im Studiengang, sagt die Fachschaft Biophysik. Ein weiterer Pluspunkt für die studentische Partizipation: Wer sich verbindlich und dauerhaft in einer Fachschaft engagiert, kann sich dies auch mit Credit Points belohnen lassen. Zudem könne man durch sein Engagement seinen Lebenslauf „aufpolieren“ und erhöhe die Chancen auf ein Auslandssemester, so die Fachschaft 02.

Christiane Thompson möchte die Fachschaften in ihrer Arbeit dauerhaft unterstützen: „In der Fachschaftenpräsidiumsrunde, einer Runde der Fachschaften mit mir als Vizepräsidentin im Bereich Studium und Lehre, können bestehende Probleme in den Fachbereichen unmittelbar angesprochen werden. Dieser direkte Kontakt ist sehr hilfreich. Wir können dadurch auch Angebote entwickeln, wie zum Beispiel im Programm ‚Restart your Campus Life‘ geschehen, in dem Fachschaften in ihrer Arbeit inhaltlich und finanziell unterstützt werden. Für das kommende Semester regen wir an, dass auch innerhalb der Fachbereiche überlegt wird, mit welchen Ideen die Fachschaften neue Mitglieder gewinnen könnten.“

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