Bei der Workshop-Auswahl legt Dr. Ulrike Gerdiken großen Wert auf die Rückmeldungen der Studierenden; Foto: Lecher

Was haben Tomaten mit einem erfolgreichen Studium zu tun? Dr. Ulrike Gerdiken weiß nicht nur, wie die Pomodoro-Technik beim Zeitmanagement hilft: Sie ist die operative Leiterin des Frankfurter Akademische Schlüsselkompetenztraining.

Was haben Tomaten mit einem erfolgreichen Studium zu tun? Diese Frage stellt sich vermutlich jeder, der das Programm des »Frankfurter Akademischen Schlüsselkompetenz-Trainings« liest und auf den Workshop »Arbeiten mit der Tomate« stößt. »Das ist ganz einfach«, sagt Dr. Ulrike Gerdiken, die operative Leiterin des Programms.

»Dieser Workshop will das Zeitmanagement der Teilnehmenden verbessern und nutzt dazu die ›Pomodoro-Technik‹, die mit einer Uhr in Tomatengestalt arbeitet. Da bot sich der Titel geradezu an.« Die Workshops des Schlüsselkompetenz- Trainings sollen Studierenden den Übergang von der Schule zur Hochschule erleichtern, indem sie grundlegende Fähigkeiten vermitteln, ohne die ein erfolgreiches Studium (gleich in welchem Fach) kaum möglich ist.

Dazu gehören Angebote wie »Körpersprache – Stimme – Präsentieren«, »Tipps und Tricks für ein erfolgreiches Zeitmanagement« und »Wie sag ich’s meinem Prof – Kommunikation an der Uni«; insgesamt umfasst das Schlüsselkompetenz-Training die Themenbereiche Lern- und Arbeitsstrategien, Präsentation und Kommunikation, Medienkompetenz, »Scientific English« sowie Zeit- und Selbstmanagement. Einzelne Workshops hält Gerdiken selbst, meist arbeitet sie jedoch mit qualifizierten externen Kräften zusammen.

Besser gewappnet fürs Studium

Bei der Auswahl der Workshops legt Gerdiken großen Wert auf die Rückmeldungen der Studierenden, sowohl durch direkte Befragungen als auch durch systematische Evaluation des Angebots. Insgesamt seien die Studierenden sehr zufrieden, und das Angebot werde sehr gut angenommen. »Natürlich kommt es auch vor, dass Studierende andere Erwartungen hatten«, räumt sie ein.

Doch die große Mehrheit fühle sich von den Workshops unterstützt, »In Schulnoten entspräche das einer Eins bis Zwei.« Diesen Eindruck der Studierenden bestätigt eine wissenschaftliche Studie, die an der Universität Kassel durchgeführt wurde. Sie hat ergeben, dass die Studierenden, die einen Workshop des »Frankfurter Akademischen Schlüsselkompetenz- Training« besucht hatten, sich deutlich besser für das Studium gewappnet fühlten als die Studierenden, die kein Training erhalten hatten.

Um das Programm gezielt weiter zu entwickeln, will Gerdiken die Evaluation ausbauen und ermitteln, wie die Studierenden am Ende des Folgesemesters die Wirksamkeit eines Workshops beurteilen. In die jetzigen Form werden ihnen die Kurse seit 2013 angeboten: Damals wurde das Schlüsselkompetenz-Training umstrukturiert und an das Programm »Starker Start ins Studium« angebunden.

Dr. Ulrike Gerdiken; Foto: Lecher

Finanziert wird es durch so genannte QSL-Mittel, die die Studiengebühren ersetzen. Wie die QSL-Mittel verwendet werden, darauf haben die Studierenden großen Einfluss. Das Angebot, das größtenteils am Campus Westend stattfindet, steht fast allen Studierenden der Goethe-Universität offen. Ausgenommen sind Promotionsstudierende und Studierende des Angebots U3L. Auf dem Campus Riedberg werden außerdem Kurse speziell für Studierende der Naturwissenschaften abgehalten, in denen es beispielsweise ums Präsentieren im naturwissenschaftlichen Kontext geht.

Überdies richten sich im Wintersemester einige Workshops speziell an Uni-Neulinge, so etwa zu den Themen Studienorganisation und Stundenplangestaltung. »Uns ist es wichtig, dass alle Studierenden die Möglichkeit bekommen, ihre Schlüsselkompetenzen auszubauen. Darum sind wir froh, dass unser Angebot freiwillig und auch kostenlos sein kann«, sagt Gerdiken.

Sie bedauert, dass einige Studierende das missverstehen und zu Workshops, für die sie sich angemeldet haben, nicht erscheinen. »Dadurch können wir die Plätze nicht an Interessenten von der Warteliste vergeben«, erklärt sie. Neben dem Appell an das Verantwortungsbewusstsein der Studierenden gehe es daher nicht ohne Sanktionen.

Wer ohne Abmeldung nicht erscheint, wird für zwei Semester von der Teilnahme am Schlüsselkompetenz- Training ausgeschlossen. »So wollen wir erreichen, dass die Plätze nicht unnötig blockiert werden und möglichst viele Studierende die Chance haben, an einem Workshop teilzunehmen.« Weil viele Studierende ganztägige Workshops schwerer in ihren Stundenplan integrieren können, werden inzwischen immer mehr Kurzworkshops angeboten.

Diese dauern meistens anderthalb oder zwei Stunden. »Den Trend zu kurzen, knackigen Workshops nehmen wir schon deutlich wahr«, sagt Gerdiken, »aber manche Themen brauchen einfach mehr Zeit, da braucht man dann einen ganzen Tag oder mehrere Termine. Deshalb sind wir ständig auf der Suche nach dem passenden Format für unsere Kurse, das ist eine ganz eigene Herausforderung.«

Dr. Ulrike Gerdiken, die Sozialpädagogik und Erwachsenenbildung studiert hat, leitet seit April 2017 operativ das »Frankfurter Akademische Schlüsselkompetenz-Training «. Sie hat zuvor in verschiedenen Projekten der Erwachsenenbildung gearbeitet und zuletzt ein Bildungswerk der Erwachsenenbildung des Bistums Limburg geleitet.

Sie ist eine erfahrene Trainerin und kennt die akademische Lehre aus eigener Erfahrung von verschiedenen Lehraufträgen. Als Organisationsentwicklerin sind für sie zudem die Gestaltung von Strukturen und Begleitung von Veränderungen in Bildungseinrichtungen vertraute Arbeitsfelder.

Co-Teaching im Test

In Zukunft sollen die Angebote stärker an die Fachlehre angebunden werden, um noch mehr Studierende beim Erreichen ihrer Studienziele unterstützen zu können. In sogenannten Co-Teachings kommen die Trainer direkt in die Lehrveranstaltungen, um den Studierenden im direkten Anwendungsbezug akademische Schlüsselkompetenzen zu vermitteln, zum Beispiel zur Organisation der Studienaufgaben, zum Moderieren oder Mitschreiben und Nachbereiten von Veranstaltungen.

Bei der Entwicklung dieses Angebots ist auch die Anbindung an den »Starken Start« hilfreich, insbesondere der Austauschs in den Direktorien und mit den jeweiligen Lehrenden der Fachzentren. Nachdem bereits erste »Co-Teaching«- Versuchsballons aufgestiegen sind, beginnt im bevorstehenden Wintersemester ein systematisches Pilotprojekt gemeinsam mit Lehrenden aus dem Zentrum Geisteswissenschaften.

Außerdem plant Gerdiken den Einsatz von »Peer Tutors«, studentischen Trainerinnen und Trainern, »Angebote mit Tutorinnen und Tutoren werden von den Studierenden nachweislich besser angenommen und erzielen einen hohen Lernerfolg«, begründet sie dieses Projekt. Überdies profitierten auch die »Peer Tutors« selbst davon, ihre Kompetenzen zu erweitern und Kenntnisse weiterzugeben.

Ein beständiger Faktor in der Arbeit von Gerdiken ist der Wandel des Programms. Maßgeblich sind dafür die Rückmeldungen der Studierenden und Lehrenden, die Ergebnisse der Evaluation und die wissenschaftlichen Entwicklungen in der Hochschuldidaktik. Dass es sich lohnt, diesen Wandel zum Nutzen der Studierenden zu gestalten, davon ist Gerdiken überzeugt.

Autorin: Stefanie Hense

Dieser Artikel ist in der Ausgabe 3.17 der Mitarbeiterzeitung GoetheSpektrum erschienen.