Prof. Cornelia Woll; Foto: Manuel Braun / Sciences Po

Im Wintersemester 2018/2019 bekleidet Prof. Dr. Cornelia Woll die internationale Alfred-Grosser-Gastprofessur für Bürgergesellschaftsforschung an der Frankfurter Goethe-Universität. Sie ist die zehnte Persönlichkeit, die dieser Einladung nach Frankfurt gefolgt ist. Cornelia Woll ist Professorin für Politikwissenschaft an der renommierten sozialwissenschaftlichen Universität Sciences Po in Paris, wo sie am Centre d’études européennes et de politique comparée forscht und derzeit das Amt der Vizepräsidentin für Studium und akademische Angelegenheiten innehat.

Bevor sie 2006 zur Sciences Po kam, war sie als Research Fellow beim Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung in Köln beschäftigt. Im Rahmen der Grosser-Gastprofessur wird sie gemäß ihrem Forschungsschwerpunkt einen Blick auf die internationale politische Ökonomie werfen, insbesondere die Politik der Finanzmarktregulierung in Europa und die Zukunft der Europäischen Union. Bis Ende Januar finden unter anderem ein Blockseminar zur „Einführung in die soziale Konstruktion der Wirtschaftsordnung“ für Studenten der Goethe-Universität und ein öffentlicher Vortrag zum Thema „Der Staat und die Banken im krisengeprüften Europa“ statt.

Der Staat und die Banken im krisengeprüften Europa

Das internationale Programm Alfred-Grosser-Gastprofessur für Bürgergesellschaftsforschung wurde 2009 am Fachbereich Gesellschafts-wissenschaften der Goethe-Universität angesiedelt. Namensgeber ist der 1925 in Frankfurt geborene Publizist, Politologe und Soziologe Alfred Grosser. Gestiftet wurde die Professur auf Anregung der Deutsch-Französischen Gesellschaft von der Stiftung Polytechnische Gesellschaft.

„Dass eine deutsch-französische Wissenschaftlerin von der renommierten Pariser Sciences Po die Alfred-Grosser-Gastprofessur bekleidet, passt hervorragend zum Namensgeber der Professur, denn Alfred Grosser hat dort selbst viele Jahre unterrichtet“, so Prof. Dr. Roland Kaehlbrandt, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Polytechnische Gesellschaft.

„Als Mitglied der Auswahlkommission für die Alfred-Grosser-Gastprofessur und als Europaforscherin freue ich mich sehr, dass Cornelia Woll unsere Einladung an die Goethe-Universität angenommen hat. In ihrer Forschung leistet sie einen herausragenden Beitrag zur vergleichenden und internationalen politischen Ökonomie. Sie hat viel diskutierte Publikationen zum Verhältnis von Privatwirtschaft und Staat vorgelegt, so etwa eine Monographie zur Bankenrettung nach der Wirtschafts- und Finanzkrise. Im Kern befasst sich Cornelia Woll mit den Grenzverschiebungen zwischen politischen Gestaltungsmöglichkeiten und ökonomischer Internationalisierung. Dieses Spannungsverhältnis stellt eine zentrale Herausforderung für die Demokratie dar, in Europa und weltweit. Cornelia Woll wird in ihren Vorträgen in Frankfurt Themen adressieren, die disziplinär und gesellschaftspolitisch höchst relevant sind und sicherlich auf breites Interesse stoßen“, so Prof. Dr. Sandra Eckert, Inhaberin der Juniorprofessur für Politik und Europäische Mehrebenensysteme am Fachbereich Gesellschaftswissenschaften der Frankfurter Gothe-Universität.

„Es ist mir eine große Ehre, von Alfred Grossers Heimatuniversität Sciences Po Paris an die Goethe-Universität Frankfurt und damit in seine und meine Geburtsstadt eingeladen zu werden. Uns verbinden aber nicht nur diese zwei Wirkungsorte, sondern vor allem das Bedürfnis, durch deutsch-französische Wissenschaftskooperation einen Beitrag zum Zusammenhalt der europäischen Gesellschaft zu leisten“, betont Prof. Dr. Cornelia Woll.

Prof. Dr. Cornelia Woll – Alfred-Grosser-Gastprofessorin für das Wintersemester 2018/19

Prof. Dr. Cornelia Woll ist Professorin für Politik¬wissenschaft am Centre d’études européennes an der Université Sciences Po in Paris. Derzeit bekleidet sie dort das Amt der Vizepräsidentin für Studium und akademische Angelegenheiten. Von 2008 bis 2012 war sie stellvertretende Dekanin für Forschung an der Sciences Po.

Als Co-Direktorin leitete sie von 2012 bis 2015 das deutsch-französische Max Planck Sciences Po Center on Coping with Instability in Market Societies (MaxPo), 2011 war sie Mitbegründerin des Laboratory for Inter¬disciplinary Evaluation of Public Policies (LIEPP, ange¬gliedert an die Sciences Po). 2011/2012 verbrachte sie einen Forschungsaufenthalt am Center for European Studies an der Harvard University in Cambridge, MA, USA.

Bevor sie 2006 zur Sciences Po kam, war sie als Research Fellow beim Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung in Köln beschäftigt. Sie habilitierte in Politikwissenschaft an der Universität Bremen (2013), hat einen bi-nationalen PhD der Sciences Po und der Universität Köln (2005) und erwarb ihren Master- und Bachelorabschluss in ‚International relations and political science‘ an der University of Chicago, USA.

Ihr Forschungsschwerpunkt liegt in der internationalen politischen Ökonomie unter besonde¬rer Berücksichtigung der Finanz- und Regulierungsstrukturen in der Europäischen Union und den USA. Prof. Woll veröffentlichte zwei Bücher zu „business government relations“: ‚Firm Interests: How Governments Shape Business Lobbying on Global Trade‘ (2008, Ithaca, NY/ Cornell University Press) und ‚The Power of Inaction: Bank Bailouts in comparison’ (2014, Ithaca, NY/ Cornell University Press).

Weiterhin ist sie Mitherausgeberin von zwei Sammelbänden: ‚Les usages de l’Europe: acteurs et transformations européennes‘ (mit Sophie Jacquot), 2004, Paris /L’Harmattan und ‚Economic Patriotism in Open Economies’ (mit Ben Clift), 2013, London /Routledge und hat über 20 Artikel in Fachzeitschriften publiziert.

Die Inhaber der Alfred-Grosser-Gastprofessur seit 2009

2009/2010
Prof. Dr. Alfred Grosser (Paris)

Bürgergesellschaft und Demokratie in Deutschland und Frankreich

2010/2011
Prof. Dr. Saskia Sassen (New York)

Globale Migrationsphänomene

2011/2012
Ratna Omidvar (Toronto)

Bürgergesellschaft und Migration

2012/2013
Prof. Dr. Annette Zimmer (Münster)

Wandel der Zivilgesellschaft

2013/2014
Prof. Dr. Thamy Poghrebinschi (Rio de Janeiro)

Direkte Demokratie – Projekte aus Südamerika

2014/2015
Prof. Dr. Yves Sintomer (Paris)

Deliberative und partizipative Demokratie in Europa

2015/2016
Prof. Dr. Catherine Colliot-Thélène (Rennes)

Sozialstaat und Legitimitätskrise demokratischer Gesellschaften

2016/2017
Prof. Dr. Hélène Miard-Delacroix (Paris)

Demokratie und Nationalstaat in Frankreich und Deutschland

2017/2018
Prof. Dr. Ulrike Guérot (Krems)

Ein Kompass für Europa. Frankfurter Lieux de Mémoires und europäische Horizonte

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Quelle: Pressemitteilung der Goethe-Uni vom 19. Oktober 2018