Der Erste Weltkrieg, Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts. Wald in der Nähe der flandrischen Stadt Ypern, die direkt an der Westfront lag, nach einem Bombardement (1917).

Der Erste Weltkrieg, Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts. Wald in der Nähe der flandrischen Stadt Ypern, die direkt an der Westfront lag, nach einem Bombardement (1917)

Wäre das Wort nicht so unspektakulär und so alt wie die Menschheit, es hätte gute Chancen, Unwort des Jahres 2014 zu werden – das Wort „Krise“. Seit dem 11. September 2001, spätestens jedoch seit der Finanzkrise 2008, scheint sich die Welt im Modus der Dauerkrise zu befinden.

Dabei geht es nicht nur um bewaffnete Konflikte; betroffen vom Krisenvirus scheinen immer mehr Bereiche. Ebolakrise, Klimakrise, Flüchtlingskrise, Ernährungskrise (Pferdefleisch); dazu die Krisen vieler europäischer Staaten, allen voran Griechenland. In Ungarn kriselt die Demokratie, in Russland sowieso.

Beschworen wird das Gespenst der Deflation – Währungskrise! Eltern verlernen das Erziehen – Krise der Familie! Drohende Bundespräsidenten und plagiierende Minister – Krise der politischen und wissenschaftlichen Glaubwürdigkeit! Und dem Qualitätsjournalismus geht angesichts der Digitalisierung die ökonomische Puste aus – Zeitungskrise!

Die Liste ließe sich fortsetzen. Auch wenn vielleicht nicht alle diese Krisen so bedrohlich sind, wie in den Medien dargestellt, so besteht doch allemal Anlass, Krisen und die ihnen zu Grunde liegenden Konflikte einer genaueren Analyse zu unterziehen. Die Frankfurter Bürger-Universität hat sich in den vergangenen Jahren als Plattform für solche Auseinandersetzungen etabliert.

Besonders im Wintersemester steht sie seit 2010 im Zeichen kontroverser Diskussionen zu drängenden Fragen unserer Zeit. Und so nimmt sie sich im Wintersemester 2014/15 den kaum noch überschaubaren Krisenanhäufungen an.

Unter dem Titel „Alles nur Schwarzmalerei? Schlaglichter globaler Krisen“ werden an sechs Abenden exemplarisch sechs Krisen und Konflikte analysiert, die uns in den kommenden Jahren sicherlich weiter beschäftigen dürften. Dazu gehören kriegerische Konflikte, Klimawandel, Auswüchse der Digitalisierung, die Folgen der Finanzkrise, das deutsche Gesundheitssystem im Kontext einer alternden Gesellschaft und in Zeiten großer Flüchtlingsströme die Frage, welches Asylrecht Deutschland braucht.

Dabei soll es weder um Panikmache noch um die Verharmlosung einzelner Entwicklungen gehen. Vielmehr geht es um eine möglichst „nüchterne“ Betrachtung der jeweiligen Krisenherde. Am 1. Dezember startet die Reihe mit dem Thema „Wie entstehen kriegerische Konflikte heute? Der Erste Weltkrieg und die Lehren daraus“.

Ausgehend von den Ereignissen des Ersten Weltkriegs beschäftigt das Podium die Frage, wie uns Fehler aus der Vergangenheit beim Finden von Lösungen heute und morgen helfen können. Ein Thema dabei: Welche Entwicklungen haben Kriegsführung und Friedenssicherung seit 1914 durchlaufen? Mit welchen Formen des Krieges haben wir es heute zu tun?

Was bedeutet es, wenn sich mit Blick auf die Ukraine oder den IS im Irak nicht mehr staatliche Armeen auf dem Schlachtfeld gegenüberstehen, sondern ferngesteuerte und international zusammengetrommelte Söldner und Freiwillige gegen ganze Staaten kämpfen? Nicht zuletzt soll es um die uralte Frage gehen: Kann man Kriege verhindern?

Auf dem Podium diskutieren: Jörn Leonhard (Professor für Westeuropäische Geschichte an der Universität Freiburg und Autor des Bestsellers „Die Büchse der Pandora. Geschichte des ersten Weltkrieges“), die Politikwissenschaftler Prof. Tanja Brühl (Schwerpunkt Internationale Institutionen und Friedensprozesse, GU) und Prof. Reinhard Wolf (Schwerpunkt Internationale Beziehungen und Weltordnungspolitik, GU) sowie der Politiker Elmar Brok (Vorsitzender des Ausschusses für Auswärtige Angelegenheiten im Europäischen Parlament). [Autorin: Marthe Lisson]

Frankfurter Bürger-Universität 2014/2015

Alle Themen und Termine im Überblick

1. Dezember 2014
Wie entstehen kriegerische Konflikte heute? Der Erste Weltkrieg und die Lehren daraus

8. Dezember 2014
Wer zahlt für die Folgen unseres Wohlstandes? Armutsrisiko Klimawandel

15. Dezember 2014
Wer zahlt die Zeche? Bluten für die Bankenrettung

19. Januar 2015
Hat die Medizin den Menschen aus den Augen verloren? Die Zukunft des deutschen Gesundheitssystems

26. Januar 2015
Welche Einwanderungspolitik brauchen wir? Flüchtlingselend und Fachkräftemangel

9. Februar 2015
Ist unsere Demokratie in Gefahr? Verlust der Urteils- fähigkeit als Folge von Informationsüberflutung

Die Podiumsdiskussionen beginnen jeweils um 19.30 Uhr im Dominikanerkloster,
Kurt-Schumacher-Str. 23, 60311 Frankfurt am Main.
Eintritt ist frei.