Am 22. April gingen in vielen Ländern Menschen für die Wissenschaftsfreiheit auf die Straße. In der Mitte der vorderen Reihe: Universitätspräsidentin Prof. Birgitta Wolff mit ihrer Nichte; Foto: Privat

Nachgefragt bei Universitätspräsidentin Prof. Birgitta Wolff

Auf dem Foto sieht man rechts neben mir den Oberbürgermeister Peter Feldmann. Links neben mir steht Frank Dievernich, der Präsident der Frankfurt University for Applied Sciences. Zusammen mit vielen anderen Frankfurterinnen und Frankfurtern, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern und Freunden der Wissenschaft haben wir am 22. April 2017 beim March for Science für die Freiheit von Forschung und Lehre demonstriert.

Anlass sind die in diesen Monaten zu beobachtenden Einschränkungen, zum Beispiel durch Gesetze, die ganze Universitäten vor die Schließung stellen (Ungarn), Erlasse, die Forscherinnen und Forscher aufgrund ihrer Nationalität oder der ihrer Eltern daran hindern, zu den Standorten ihrer Labore zu kommen (USA) oder durch die massenhafte Kündigung von als politisch unliebsam empfundenen Hochschulmitgliedern (Türkei).

Danny Mukherjee, DAAD-Vizepräsident und Präsident der Universität Gießen, war beim March for Science auch dabei. Der stand im Moment der Fotoaufnahme wahrscheinlich gerade auf der Bühne, um ein paar Worte zu sagen. Ich fand es toll, dass neben dem Oberbürgermeister Kolleginnen und Kollegen von vielen Wissenschaftseinrichtungen der Rhein-Main-Region gesprochen haben, zum Beispiel auch vom FIAS und von der Uni in Mainz.

In meinem Redebeitrag habe ich deutlich gemacht, dass wir uns große Sorgen machen, dass Kolleginnen und Kollegen in befreundeten Universitäten Schwierigkeiten haben, ihrer Arbeit nachzugehen oder gar bedroht sind. Wissenschaft, die nicht frei ist, kann keine Wissenschaft mehr sein. Wenn Herrschende bestimmen, was geforscht wird und was nicht, müssten wir heute noch alle glauben, die Erde sei eine Scheibe.

An dem Samstag war eigentlich ein Familientag geplant. Deshalb habe ich auf dem Foto meine kleine Nichte auf dem Ein Samstag an der Bockenheimer Warte: Was war das los? Nachgefragt bei Universitätspräsidentin Prof. Birgitta Wolff Arm. Es waren auch etliche Familien mit Kindern da. Das hat mich insofern gefreut, als die Freiheit der Wissenschaft nicht nur eine Sache von Menschen ist, die in Universitäten arbeiten.

Wissenschaft leistet einen enorm wichtigen Beitrag zur Zukunftsfähigkeit einer Gesellschaft. Die Freiheit der Wissenschaft ist ein Wert an sich, aber dieser Wert hat auch eine Funktion: Für eine aufgeklärte Gesellschaft, die sich zutraut, selbst zu denken. Deshalb war es mir wichtig, dass auch die Goethe-Universität, als Stiftungs- und Bürgeruni, beim March for Science mitmacht.«

[Protokoll: Stefanie Hennig]

Dieser Artikel ist in der Ausgabe 2.17 der Mitarbeiterzeitung GoetheSpektrum erschienen.