Die Judaica Sammlung der UB ist die umfassendste ihrer Art und war mit Compact Memory und den Jiddischen Drucken eine der ersten Sammlungen an der UB J. C. Senckenberg, die ihre Bestände digitalisierten.
Die Judaica Sammlung der UB ist die umfassendste ihrer Art und war mit Compact Memory und den Jiddischen Drucken eine der ersten Sammlungen an der UB J. C. Senckenberg, die ihre Bestände digitalisierten. (Foto: Hessen schafft Wissen – Steffen Böttcher)

Seit über 25 Jahren arbeiten zahlreiche Mitarbeitende daran, die analoge Welt der Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg digital zugänglich zu machen. Doch längst nicht jedes analoge Werk darf auf den Scanner. Bereits ab 1995 waren Bestände im OPAC digital recherchierbar – zu einer Zeit, als das Internet, wie man es heute verwendet und kennt, noch in den Kinderschuhen steckte. Die 1990er Jahre waren es auch, in denen die ersten großen Digitalisierungsprojekte der UB starteten, wie die Verfilmung des Kolonialen Bildarchivs oder die Digitalisierung der Compact Memory-Bestände. Nach und nach wurden immer mehr Bestände der UB (oft mit DFG-Förderung) digitalisiert, um sie der Öffentlichkeit zugänglich zu machen und/oder vor Verfall zu schützen. Seit 2004 sind die verfügbaren Titel frei im Netz zu finden – zunächst auf dem Dokumentenserver, seit 2012 auf der Plattform „Digitale Sammlungen“. Die aktuell sieben großen Sammlungsbereiche decken zusammen über 1100 Jahre ab, kommen auf knapp acht Millionen digitalisierte Seiten und belegen etwa 140 TB Speicherplatz. Aber wie gelangen diese Digitalisate – die digitalen Kopien der analogen Werke, die zahlreichen Monografien, Zeitschriften, Handschriften, Archivmaterialien bis hin zu Fotoalben – überhaupt auf diese Plattform?

Der erste Schritt in der Digitalisierung ist die nachhaltige Entscheidung. Ist es beim analogen Anlegen und Pflegen einer Sammlung bereits schwierig, wird es auch im Digitalen nicht leichter. Man würde gerne alles digitalisieren, aber zeitliche, finanzielle und auch logistische Kapazitäten grenzen die Möglichkeiten ein und Prioritäten müssen gesetzt werden. Drohen Bestände buchstäblich zu zerfallen, ist dies ein dringender Grund. Aber auch Kooperationen innerhalb und außerhalb der Goethe-Universität, Nutzungsanfragen oder der Sammlungsauftrag der Institution entscheiden darüber, welches Werk einen der begehrten Plätze auf dem Scanner einnehmen darf. Zum Beispiel hat die Universitätsbibliothek den Auftrag, deutsche Drucke aus dem 19. Jahrhundert (1801-1870) zu sammeln und zur Verfügung zu stellen. Die Digitalisierung dieser Bestände gehört zu den regelmäßigen Aufgaben des Digitalisierungszentrums – neben zahlreichen anderen Projekten aus den bestehenden Sammlungen des Hauses. Ein solche Projektbeispiel ist die Digitalisierung wertvoller Werke zur Alchemie in Kooperation mit dem Kunsthistorischen Institut der Goethe-Universität, das mit einer Studiengruppe eine virtuelle Ausstellung zum Thema erarbeitet hat (https://merian-alchemie.ub.uni-frankfurt.de/ausstellung/).

Originalschonender Digitalisierungsvorgang auf dem »V-Scanner«
Originalschonender Digitalisierungsvorgang auf dem »V-Scanner«. (Foto: Hessen schafft Wissen – Steffen Böttcher)

Ist die Entscheidung schließlich gefallen, muss das Werk genau angeschaut werden, denn nicht jedes Objekt darf auf jeden Scanner. Fragile Bände mit engem Öffnungswinkel sind beispielsweise am besten für den sogenannten „V-Scanner“ (siehe Bild) geeignet. Die Werke werden dann von eigens dafür ausgebildetem Personal entsprechend dem Erhaltungszustand digitalisiert. Das heißt: Von jeder Seite wird ein hochauflösendes digitales Bild angefertigt. Diese Bilder werden überprüft und schließlich auf den Digitalisierungsserver der UB hochgeladen, wo sie in der Workflow-Software einer Qualitätsprüfung unterzogen und nachbearbeitet werden.

Scanstation im Digitalisierungszentrum.
Scanstation im Digitalisierungszentrum. (Foto: Hessen schafft Wissen – Steffen Böttcher)

Dabei wird das digitalisierte Werk für die Nutzenden optimal aufbereitet: Seitenzahlen werden eingetragen und Strukturen angelegt, damit man sich wie im Analogen zurechtfinden kann. Für das optimale Retrieval wird eine Volltexterkennung durchgeführt. Die Bilder selbst bleiben unangetastet, damit das digitale Bild, das man schließlich auf der Plattform sieht, möglichst unverfälscht das analoge Werk wiedergibt. Stimmt alles, wird der Neuling freigegeben und erscheint für alle sichtbar im Netz.

Mit der digitalen Kopie werden die wertvollen Bestände der UB nicht nur für die Öffentlichkeit verfügbar gemacht, sondern zugleich auch geschützt, denn sie müssen fortan nicht mehr zur Benutzung herangezogen werden. Bestandserhaltung und Digitalisierung gehen an der UB Frankfurt Hand in Hand. Zu den Aufgaben des seit 2018 bestehenden gleichnamigen Referats gehören neben den beiden genannten Feldern auch Vermittlungs- und Beratungstätigkeiten im Bereich Digital Humanities.

Agnes Brauer & Michelle Kamolz

Kontakt: UB Johann Christian Senckenberg, Bestandserhaltung und Digitalisierung: https://www.ub.uni-frankfurt.de/kontakt/digital.html

Dieser Artikel ist in der Ausgabe 2/2021 des Mitarbeitermagazins GoetheSpektrum erschienen.