Das Team des Zentrums für Hochschulsport im September 2020: (von links nach rechts) Joshua Kliewer, Henning Blumenroth, Katharina Walch, Martin Miecke, Luisa Klein, Maria Hergenhan, Jasmin Marscheck-Zimmer; es fehlen Margret Lorey und Isabelle Andreä. © Der Brecher

Alles auf Abstand – das galt in der Pandemie auch für das Zentrum für Hochschulsport. Trotzdem hat das Team immer wieder virtuelle Treffpunkte geschaffen für gemeinsame Bewegung, Begegnungen und viel Spaß.  

Entspannen durch Gedankenreisen? Muskelaufbau durch Krafttraining? Oder lieber Gu Dian Wu, klassischen chinesischen Tanz? Unter Normalbedingungen bietet das Zentrum für Hochschulsport rund 300 Kurse in etwa 60 Sportarten an. Von Akrobatik bis zum lateinamerikanisch-afrikanischen Paartanz Zouk, von Bergsport bis Rückenfitness, von Beachvolleyball bis Kickboxen – als „bunt und nachfrageorientiert“ hat Martin Miecke, der Leiter des Zentrums, das Programm einmal beschrieben. Und damit auch gleich die Programmatik mitgeliefert: Das Zentrum will Universitätsangehörigen durch Sport „bio-psycho-soziale Gesundheit“ ermöglichen oder, altmodischer formuliert, „Wohlbefinden“. Doch das galt zu Zeiten, als man noch ringen, reingrätschen, zupacken, bei der Hand nehmen, abklatschen, anrempeln, zusammenstoßen, den anderen stützen und durch Berühren Körperhaltungen korrigieren durfte. Doch nun ist Pandemiezeit, also gilt auch beim Sport: Abstand halten.

Vom Hallensport ins Freiluftgelände: Power Gym Outdoor. © Der Brecher

Was passiert also, wenn ein derart komplett fertiges, komplexes Sportprogramm auf freier Strecke zum Halten gebracht wird, voll ausgebremst durch eine Pandemie? Dann ist, so erzählen Martin Miecke und die wissenschaftliche Mitarbeiterin Katharina Walch im gemeinsamen Onlinegespräch, zwei Wochen später ein Ersatzprogramm am Start. In der Krise haben sich die acht Hauptamtlichen und sechs studentischen Hilfskräfte des Zentrums für einen Sprint entschieden. Und sind dabei ihrer Profession, in Bewegung und beweglich zu bleiben, treu geblieben. Denn mit einem einmaligen Ersatzprogramm war es nicht getan: „Wir haben uns im Sechs-Wochenrhythmus durch das Sommersemester gekämpft“, deutet Miecke den Kraftaufwand an, der für die Anpassung an die jeweiligen Corona-Bestimmungen nötig war. Nachdem genug Zoom-Lizenzen zur Verfügung standen, gab es Kurse mal online, mal auf dem Ginnheimer Sportgelände in der Halle auf Abstand, zunächst ohne Luftfilter, dann mit, mal mit abgesteckten Feldern auf dem Gelände, auf dem Parkplatz, am Schiffscontainer. Nur die Devise „So viel wie möglich draußen“ blieb konstant.

Nicht alle Sportarten konnten auf diese Weise in die Pandemiezeit hinübergerettet werden – auf der Strecke geblieben sind klassische Mannschaftssportarten wie Fußball und Basketball. Tennis hat selbst strengste Maßnahmen überlebt. Dafür gibt es heute ein breites Online-Angebot. Es scheint, dass dabei die Formel „geht nicht“ nur ungern und im alleräußersten Notfall angewendet wurde. Goethe-Lauf? Geht, wenn jede und jeder einen individuellen Parcours beisteuert; so wurde der Goethe-Lauf 2020 von Uniangehörigen in Irland erwandert, in Skandinavien gejoggt und von Marseille nach Cassis – inclusive Badestopp – erlaufen und erklettert. Marathon-Training per Zoom? Geht, wenn individuell trainiert und gemeinsam strategisch vorgegangen wird.

Mag sein, dass es dieser kreative und serviceorientierte Umgang mit den Anforderungen der Pandemie ist, dass nicht nur die sportaffine Klientel dem Zentrum treu geblieben ist. Neue Teilnehmerinnen und Teilnehmer sind hinzugekommen. Der Pausenexpress, Pilates-, Full-Body- Workout- und Yoga-Kurse: eine willkommene Bewegungsauszeit und einziges Sportevent für viele im Homeoffice.

So viel draußen wie möglich: Das Fitnesstraining an Kraftgeräten wurde aus dem Kraftraum ins Freie verlegt. © Der Brecher

Mag auch sein, dass es dieser Zuspruch der weniger Sportaffinen ist, der dazu geführt hat, dass sich die Sportexpertinnen und -experten des ZfH zunehmend und ganz grundsätzlich für das soziale Wohlbefinden der Uniangehörigen verantwortlich fühlen. „Es blieb ja nicht nur sportliche Bewegung auf der Strecke, sondern auch das Quatschen in der Kabine, der Radler nach dem Wettkampf, das gemeinsame Pizzaessen nach dem Full-Body-Workout“, ist sich Miecke bewusst. Also habe man sich „Gedanken über Teamevents“ gemacht. „Wir wollen den Zusammenhalt der Mitarbeitenden verbessern, die Kommunikation untereinander fördern und die Möglichkeit geben, gemeinsam Spaß zu haben“, erklärt Katharina Walch. Ideen entstanden beim gemeinsamen Brainstormen im Team und in regelmäßigen Netzwerkveranstaltungen des allgemeinen deutschen Hochschulsportverbandes. Stand-Up-Paddling auf dem Main als Teamevent? Ein gemeinsamer Spieleabend mit Kooperationsaufgaben, Rätselraten und klassischen Spielen für einen lockeren Austausch in der Abteilung außerhalb der Arbeit? Nicht wenige Gruppen in der Universität haben das Angebot genutzt. Das ZfH bewährte und bewährt sich als sozialer Kleber in einer Zeit, in der viele nur frei flottierend im Homeoffice unterwegs sind.

Es sagt viel über den Zusammenhalt des ZfH-Teams aus, dass es seine eigene Testgruppe ist: Pilotprojekte absolvieren den Probelauf zunächst im engen Kreis der Erfinderinnen und Erfinder selbst. Wir waren dabei, als sich das Team im vergangenen Juni nach gefühlt monatelanger Isolation gemeinsam und mit Abstand auf die Bretter in den Main wagte. Nachdem man wieder Land unter den Füßen hatte, stand fest: SUP als Teamevent? Klappt! 

Ein weiteres „Leuchturmprojekt“, erwähnt Miecke nicht ohne Stolz, stammt von den Nachwuchswissenschaftlern im Team: Der Podcast „Sport, der Wissen schafft“ versammelt Vorträge studentischer und wissenschaftlicher Hilfskräfte zum Themen Sport und Gesundheit und geht bereits in die zweite Staffel. Überhaupt sind es die studentischen Mitarbeiter*innen des ZfH, die viele Ideen einbringen und deren Umsetzung gestalten. Was ganz im Sinne des ZfH-Leiters Miecke ist: „Wir verstehen uns als Dienstleister für Studierende; also müssen wir an ihnen auch ganz nah dran sein und wissen, was sie wollen“.

Set-Up für das Streaming: Manche Online-Kurse wurden aus der Halle gesendet. © ZfH

So stimmten Online-Kochkurse im März 2021 auf einen „Ernährungsmonat“ ein, dessen Resonanz unter dem Motto „SHARING IS CARING“ derzeit in einer Rezeptsammlung nachzulesen ist. Der Podcast soll auch in „analogen Zeiten“ bleiben. Genauso wie viele Online-Kurse, die sich bewährt haben. „Positive Impulse“ verspricht sich das ZfH-Team auch von der Vortragsreihe „Hürdenlauf Sport: Diversität, Chancenungleichheit und Diskriminierung im Sport“ und dem Gesundheitsprojekt in Kooperation mit dem AStA, das den Folgen der Pandemie entgegenwirken soll. Das präventive Angebot zu gesundem Studieren soll etwa Kurse zu Bewegungsförderung und Stressreduktion enthalten und ist offen für Studierende, die als Experten oder Probanden mitmachen wollen. 

Getreu ihrer Devise „So viel draußen wie möglich“ hofft das ZfH-Team aber derzeit „extrem“ auf gutes Wetter – und das Bootshaus. Da die SUP-Kursnachfrage im vergangenen Sommer rege war, wurden (vom pandemiemäßig geschrumpften Budget) zwei zusätzliche Bretter angeschafft, damit nun bis zu ein Dutzend Frauen und Männer aufs Wasser geschickt werden können.

Es erübrigt sich, darauf hinzuweisen, dass auch der 1. Mai vom ZfH-Team mit einem Online-Extraevent begangen wurde. Zumba mit Maj-Britt, Dance Relation mit Emeel, Salsa & Bachata mit Diana, K-Pop mit Yihua. Im Handumdrehen hatten sich 168 Interessierte beim „Tanz in den Mai“ angemeldet.

In Corona-Zeiten in den Mai tanzen? Geht nicht! Geht doch!

Pia Barth

Dieser Artikel ist in der Ausgabe 2/2021 des Mitarbeitermagazins GoetheSpektrum erschienen.