Zentrum für Hochschulsport: Viele Ideen für einen aktiven Studierendenalltag

„Sitzen ist das neue Rauchen“ oder vielmehr: „Lange in ein und derselben Position verharren ist das neue Rauchen“. Das Resultat beider Dinge: Bewegungsmangel – und der begünstigt Krebserkrankungen, Herzinfarkte, Schlaganfälle und noch viele weitere Krankheitsbilder (NJ Wald &AK Hackshaw, 1996).

Besonders betroffen von dieser Problematik sind Studis, denn: Studierende sitzen durchschnittlich elf Stunden pro Tag (Kellner & Faas, 2022). Das sind bei einer Studienwoche von fünf Tagen schon 55 Stunden, die nur im Sitzen verbracht werden. Die Auswirkungen eines langen, sitzenden Verhaltens, wie Rückenbeschwerden, Nackenschmerzen und Kopfschmerzen sind dabei längst nicht mehr unbekannt.

Daraus ergibt sich das Ziel, perspektivisch Projekte zur Gesundheitsförderung für Studierende zu etablieren. Zum einen soll ein alternierendes, also wechselndes Verhalten unterstützt und Studierenden die Möglichkeit gegeben werden, mehr Bewegungsangebote in Anspruch nehmen zu können. Dieses Ziel setzte das Zentrum für Hochschulsport in verschiedenen Kooperationen um.

Active Movement Break

Wird sich über Gesundheitsförderung unterhalten, kommt man nur schwer darum herum, die Grundlagen von Gesundheitsförderung aus der Ottawa-Charta von 1986 der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zu berücksichtigen. Dort heißt es: „Gesundheitsförderung zielt auf einen Prozess, allen Menschen ein höheres Maß an Selbstbestimmung über ihre Gesundheit zu ermöglichen und sie damit zur Stärkung ihrer Gesundheit zu befähigen. Um ein umfassendes körperliches, seelisches und soziales Wohlbefinden zu erlangen, ist es notwendig, dass sowohl einzelne als auch Gruppen ihre Bedürfnisse befriedigen, ihre Wünsche und Hoffnungen wahrnehmen und verwirklichen sowie ihre Umwelt meistern bzw. verändern können“ – das ist in gebildeten Kreisen keine wirklich neue Einsicht. Doch betrachtet man die Genealogie von Projekten mit dem Fokus auf studentischer Gesundheit, dann lässt sich oftmals feststellen, dass es dort weniger um ein höheres Maß an Selbstbestimmung geschweige denn um die Veränderbarkeit der universitären Umwelt geht. Aus diesem Grund ist es für das Zentrum für Hochschulsport ein wichtiges Anliegen, Studierenden Partizipation zu ermöglichen.

Der Active Movement Break ist ein Online-Bewegungstool auf YouTube für Studierende, das es ihnen ermöglicht, Bewegungspausen mit niedrigschwelligem Zugang einfach in den eigenen Studienalltag zu integrieren. Das Konzept des Active Movement Break wurde komplett und ausschließlich durch Studierende in Anlehnung an vergleichbare Projekte entworfen und entwickelt. Dazu identifizierten die Projektgruppenmitglieder die zentralen, hinsichtlich Bewegungsmöglichkeiten problematischen Settings im Universitätsalltag. Die Studierenden dachten sich in Vorlesungs-, Seminar- und Prüfungsvorbereitungssituationen hinein, da dort die bewegungsärmsten Phasen des Studienalltags auftreten. Um den sitzenden Strukturen jener alltäglichen Situationen entgegenzuwirken, wurden spezifische Übungen zur Aktivierung nach langem Sitzen sowie zur Entspannung des Schulter- und Nackenbereichs ausgewählt. Zudem sollen Konzentrations- und Fokussierungsübungen dabei helfen, den (Prüfungs-)Stress zu reduzieren.

Gesundheitsförderung mit der UB

Das Zentrum für Hochschulsport und die Universitätsbibliothek der Goethe-Universität haben in enger Zusammenarbeit ein Pilotprojekt zur Förderung der Gesundheit der Studierenden auf den Weg gebracht. Das Projekt dient einer gesünderen Arbeitsform in den Bibliotheken. Ab dem 17. Oktober 2022 können deswegen zwei verschiedene gesundheitsfördernde Maßnahmen in den Bibliotheken BSP ZB, BNat, BzG und der Sportbibliothek genutzt werden: zehn Stehschreibtisch-Aufsätze („Standsomes“) und zehn Sitzbälle.

Die „Standsomes“ wurden von der Mainzer Firma Standsome hergestellt. Die Stehschreibtisch-Aufsätze sind nicht nur in der Region, also in Mainz, produziert und mit einem Aufforstungskonzept verbunden, sondern auch aus FSC-zertifiziertem Birkensperrholz gebaut und nachhaltig verpackt. Jedes Exemplar ist mit den Logos der Universitätsbibliothek und des Zentrums für Hochschulsport graviert.

Wer sie nutzen möchte, kann sie in den verschiedenen Bibliotheken ausleihen, auf dem eigenen Arbeitsplatz aufstellen und an die eigene Größe anpassen. Die Flexibilität der Aufsätze ermöglicht ein Arbeiten im Stehen an allen Arbeitsplätzen. Der leichte Auf und Abbau vereinfacht die Rotation im Gebäude, sodass möglichst viele Student*innen von den Aufsätzen profitieren können. Wer doch im Sitzen arbeiten und dabei eine dynamischere Position einnehmen möchte, der die kann auf die zweite Maßnahme, die Pezzibälle, zurückgreifen.

Autor*innen: Sabrina Liedtke, Anne Mayer,
Isabelle Andreä, Lucas Ensch und Joshua Kliewer,
studentische Mitarbeitende des Zentrums für Hochschulsport

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