Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg 1964: Die ersten Nutzer bei der Literaturrecherche; Foto: Inge Werth

Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg 1964: Die ersten Nutzer bei der Literaturrecherche; Foto: Inge Werth

»Großes Rindvieh« an »Mammut« – die Kenntnis, wie sich Theodor W. Adorno und Max Horkheimer in ihren Briefen anredeten, ist seit 2014 nicht mehr nur Eingeweihten vorbehalten. Denn die Frankfurter Schule kommt ins Internet: Die Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg digitalisierte, erschloss und veröffentlichte in einem ersten bedeutenden Schritt den Nachlass Max Horkheimers. Für die weltweite kostenlose Nutzung stehen jetzt 280.000 Blatt seiner Skripte und Korrespondenz sowie Tondokumente bereit.

Dieses Projekt ist Teil der Strategie der Universitätsbibliothek, ihre herausragenden Sammlungen aus fast allen Bereichen des akademischen Spektrums in die digitale Welt zu überführen. Erfolgreich platzierte sie sich 2014 als bundesweite Anlaufstelle für das Fach Darstellende Kunst im neuen System der »Fachinformationsdienste für die Wissenschaft«, das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert wird. Das Programm unterstützt den möglichst schnellen und direkten Zugriff auf Spezialliteratur und forschungsrelevante Informationen.

Das Bibliothekssystem in Zahlen

  • Gesamtbestand an Medieneinheiten
    9,68 Millionen Einheiten
  • Bücher und Zeitschriftenbände gedruckt
    6,98 Millionen Bände
  • Ausgaben für Medienerwerb und Einband (inkl. Drittmittel)
    7,5 Millionen Euro
  • elektronische Zeitschriften
    30.367 Titel
  • gedruckte Zeitschriften
    10.160 laufende Abonnements
  • Zugang an Medieneinheiten
    257.310 Einheiten
  • davon: Zugang Bücher und Zeitschriftenbände gedruckt
    82.795 Titel
  • aktive Nutzer (Entleiher)
    59.032
  • Bibliotheksbesucher
    2,31 Millionen Bände
  • Anzahl Ausleihen
    1,77 Millionen Bände
  • Nutzung E-Books
    2,3 Millionen Bände
  • Anzahl lizenzierter E-Books
    120.000
  • Gesamtbudget aller bibliothekarischen Organisationseinheiten (Personal, Medien, Sachmittel, Drittmittel)
    23,03 Millionen Euro
  • bibliothekarisches Personal (Vollzeitäquivalente)
    234 Stellen
  • Auszubildende und Praktikanten
    28

Trotz der allseits fortschreitenden Digitalisierung bleibt der Zugang an gedruckten Materialien ungebrochen – 2014 stieg der Gesamtbestand der Universitätsbibliothek auf fast 7 Millionen Einheiten. Die Vision einer Bibliothek ohne Bücher bleibt damit so wirklichkeitsfern wie das papierlose Büro. Für Drucke, die in den Jahren 1800 bis 1870 erschienen sind, erfüllt die Frankfurter Bibliothek sogar die Funktion einer Nationalbibliothek – die Arbeitsgemeinschaft »Sammlung Deutscher Drucke«, an der die Universitätsbibliothek von Beginn an beteiligt ist, beging 2014 ihr 25-jähriges Bestehen.

Diese Haarlocke von Ludwig van Beethoven kam 1974 an die Unibibliothek; Foto: Jürgen Lecher

Diese Haarlocke von Ludwig van Beethoven kam 1974 an die Unibibliothek; Foto: Jürgen Lecher

Mit zahlreichen wertvollen Objekten waren die Sammlungen der Bibliothek auch in der Jubiläumsausstellung »Ich sehe wunderbare Dinge« der Goethe-Universität im Museum Giersch vertreten – ausgestellt waren unter anderem eine vermutlich in Frankfurt angefertigte Handschrift mit Heiligen-Legenden aus dem Jahr 1356, originale Manu- und Typoskripte aus verschiedenen Jahrhunderten und das Sofa, auf dem der Philosoph Arthur Schopenhauer 1860 starb.

Halb so alt wie die Universität, also 50 Jahre, ist das Gebäude der Zentralbibliothek in der Bockenheimer Landstraße. Die Ausstellung »Damals eine neue Bibliothek« zeigte die 1964 modernste Bibliothek Deutschlands, wenn nicht gar Europas, die heute deutliche Gebrauchsspuren aufweist. Neuen Räumen am Campus Westend blickt nun zunächst die künftige große Bereichsbibliothek der Sprach- und Kulturwissenschaften entgegen, für die 2014 der Architekturwettbewerb anlief.

Dieser Bericht ist im Jahrbuch 2014 erschienen: [PDF-Download]