Für Testzwecke realisierte erste minimalinvasive Mikrowellen-Sonden des dualen Mikrowellen-Applikators mit Diagnose- und Therapiefunktion. Bildnachweis: Katrin Binner / TU Darmstadt

Minimalinvasive Mikrowellen-Sonden des dualen Mikrowellen-Applikators. Foto: Katrin Binner / TU Darmstadt

Prof. Thomas Vogl vom Universitätsklinikum Frankfurt und Prof. Rolf Jakoby von der TU Darmstadt entwickeln im Rahmen des Schwerpunktprogramms ESSENCE gemeinsam  einen dualen Mikrowellen-Applikator, der Tumore in der Leber erkennen und behandeln soll.

ESSENCE, das die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) mit bis zu zehn Millionen Euro unterstützt, entwickelt elektromagnetische Sensoren für die Lebenswissenschaften. Das Besondere an dem dualen Mikrowellen-Applikator sind seine beiden Betriebsarten, zwischen denen hin und her geschaltet werden kann. Mit der Diagnosefunktion sollen die Tumore über die Mikrowellen-Sonde lokalisiert und identifiziert werden, anschließend werden mit der Therapiefunktion die Tumore erhitzt und dabei abgetötet (Ablation). Für Vogl, Direktor des Instituts für Diagnostische und Interventionelle Radiologie, ist es auch wichtig, dass das System mit dem Kernspintomographen kompatibel ist, damit der Therapieerfolg in Echtzeit überprüft werden kann.

Prof. Thomas Vogl; Bild: Uni-Klinik Frankfurt

Prof. Thomas Vogl; Bild: Uni-Klinik Frankfurt

Herr Professor Vogl, warum beteiligen Sie sich an dem Projekt?

Wir haben uns an diesem innovativen Projekt beteiligt, weil die Mikrowellentechnologie eines der spannendsten Zukunftsprojekte sein wird, auch für die Biomedizin. Für die translationale Forschung ist zudem das Ineinandergreifen von Grundlagenforschung und präklinischer und klinischer Evaluation ungeheuer wichtig.

Wie erleben Sie die Kooperation mit den Kollegen der TU Darmstadt?
Wir haben bereits im Vorfeld und bei der gemeinsamen Antragstellung exzellent zusammengearbeitet – durch Teamgeist und durch die überzeugende und nachhaltige Bereitschaft zur Kooperation auf beiden Seiten. Jakoby und sein Team bestechen durch Ideenreichtum, Expertise und ihre enorme Erfahrung in der Mikrowellentechnologie.

Welche Ergebnisse erwarten Sie während der Förderung durch die DFG?

Wir erwarten die stufenweise Weiterentwicklung der bisherigen Basisapplikation hin zu einem experimentell und klinisch einsetzbaren System. Wir werden unsere Expertise in der In-Vivo- Charakterisierung von normalem und pathologischen Gewebe und der bildgestützten minimal-invasiven Therapie in diese Kooperation einbringen.

Wann könnte der neuartige Mikrowellen-Applikator in die Klinik kommen?

Wir erwarten, dass wir in drei Jahren erste klinischen Untersuchungen und Therapien starten können.

Das Interview führte Hildegard Kaulen.