Titelblatt der handschriftlichen Partitur zu »Fidelio«, die 1814 am Comödienhaus Frankfurt aufgeführt wurde. (Foto: UB Frankfurt)

Im Dezember 2020 feierten Klassikfans auf der ganzen Welt den 250. Geburtstag Ludwig van Beethovens. Auch die Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg wollte mit einer großen Ausstellung die Reihe der Festveranstaltungen ergänzen. Die Ausstellung war bereits geplant, als die Corona-Vorsorge-Maßnahmen zu einem völlig neuen Ansatz zwangen.

Die Bibliothek bietet nun eine digitale Ausstellung auf einer Plattform, die im Rahmen der Deutschen Digitalen Bibliothek von der Deutschen Nationalbibliothek angeboten wird: https://ausstellungen.deutsche-digitale-bibliothek.de/fidelio-in-frankfurt. Im Mittelpunkt des Themas Beethoven-Rezeption in Frankfurt steht jetzt ein Werk, zu dem viel Bildmaterial und zeitgenössischer handschriftlicher Bestand in der Universitätsbibliothek vorhanden ist: Fidelio, Beethovens einzige Oper.

Frankfurt war eine der acht Städte, die direkt vom Autorenteam Beethoven/Treitschke handgeschriebene Partituren für die Aufführung im Comödienhaus, dem Vorläufer der Städtischen Bühnen, erwarb. Es handelt sich um die dritte Fassung der Oper von 1814, nachdem die ersten beiden Fassungen von 1805 und 1806 nur in Wien gezeigt worden waren.

Zum Werk

Die Oper Fidelio steht in der Tradition der Wiener Singspiele, ist aber musikalisch in Richtung einer „theatralen Symphonie“ weiterentwickelt, in der inhaltlich auch Elemente einer Revolutionsoper aufscheinen. Im Zentrum des Geschehens steht eine Frau, Leonore, die aus Liebe zu ihrem aus politischen Gründen gefangenen und zum Tode verurteilten Ehemann Florestan mutig eingreift. Sie rettet ihn, indem sie sich als junger Mann verkleidet unter dem Namen Fidelio Zugang in das Gefängnis verschafft und im Moment des geplanten Mordes schützend vor ihren Mann stellt.

Die Ausstellung

Erhalten sind in der UB Frankfurt die von mehreren Schreibern angefertigte Partitur mit zeitgenössischen Eintragungen zu Frankfurter Aufführungen, ein Regiebuch, das in Frankfurt erstellt und jahrzehntelang verwendet wurde sowie ein Frankfurter Textdruck von 1814, der die gesungenen Texte enthält. Partitur, Regiebuch und Textbuch wurden komplett digitalisiert: Sie sind auszugsweise in der Ausstellung zu sehen und vollständig in den „Digitalen Sammlungen“ der Bibliothek zu finden (vgl. Links im Anhang).

Im zweiten Teil der Ausstellung sind Bühnenbildentwürfe aus dem ersten Drittel des 20. Jahrhunderts zu finden, u.a. aus der Zeit, als der hervorragende Ludwig Sievert bei den Städtischen Bühnen als Bühnenbildner beschäftigt war. Nebeneinander zu sehen sind sein Entwurf für Fidelio in Frankfurt 1926, für Berlin 1935 sowie auf einem Szenenfoto das Bühnenbild von Helmut Jürgens für die Frankfurter Aufführung 1939/40. (Bildmaterial aus dem 19. Jahrhundert ist nicht in der UB erhalten.)

Brustbild Beethovens, Lithografie von Josef Kriehuber (1800 bis1876), nach einer
Zeichnung von Johann Stephan Decker. (Foto: UB Frankfurt)

Es folgt eine Galerie von Rollenbildern berühmter Fidelio-Darstellerinnen aus der Zeit von 1820 bis 1940: von der in dieser Rolle berühmt gewordenen Wilhelmine Schröder-Devrient bis zu Else Gentner-Fischer, die vierzig Jahre lang im Frankfurter Ensemble tätig war.

Was wäre eine Ausstellung über Beethoven ohne Musik? Im vierten Teil werden drei Ausschnitte aus der Oper in historischen Aufnahmen präsentiert. Hier konnte auf die Sammlung digitalisierter Schellackplatten der Sächsischen Landes- und Universitätsbibliothek Dresden zurückgegriffen werden, außerdem auf die Klavierrollensammlung des Musikwissenschaftlichen Instituts der Goethe-Universität.

Den Abschlussteil bilden Beethoven-Porträts und einige persönliche Gegenstände, die in der Universitätsbibliothek aufbewahrt werden: Beethovens Locke, seine Wasserkanne und sein Geldkasten. Anton Schindler (1795 – 1864), der in den Jahren 1820 bis 1827 als unbezahlter Sekretär für Beethoven tätig war, verbrachte seinen Lebensabend in Bockenheim und es ist wahrscheinlich, dass durch ihn zumindest ein Teil dieser Gegenstände nach Frankfurt gelangten. Der Geldkasten gehörte zwischenzeitlich dem Sänger Josef Hauser (1828 – 1903).

Wir danken dem Historischen Museum Frankfurt für die Überlassung zweier Abbildungen und der Sächsischen Landes- und Universitätsbibliothek Dresden für die Erlaubnis, zu digitalisierten Tonbeispielen zu verlinken.

Ann Kersting-Meuleman

Weitere Informationen
Die Ausstellung: https://ausstellungen.deutsche-digitale-bibliothek.de/fidelio-in-frankfurt/
Die vollständigen Digitalisate von Partitur, Regiebuch und Textbuch des Fidelio finden Sie hier.

Dieser Beitrag ist in der Ausgabe 1/2021 (PDF) des UniReport erschienen.