Das Homeoffice hat den Kontakt zu den Kolleginnen und Kollegen deutlich reduziert. Um ihre geselligen Mittagspausen nicht einschlafen zu lassen, haben einige Kolleginnen und Kollegen die „Mensadigitale“ ins Leben gerufen.

Es ist Mitte März. Seit einiger Zeit schon deutet sich an, dass die Ausbreitung des Coronavirus zu Veränderungen im Arbeitsmodus führen wird. Und nun lautet die Direktive im Präsidialbüro: Homeoffice. Bereits nach den ersten Tagen wird auch in der Praxis deutlich, was wir theoretisch bereits wussten: Der Kontakt zu den Kolleginnen und Kollegen ist deutlich reduziert. Zwar sieht man einander in Videokonferenzen oder spricht über das Telefon, aber der lose Austausch und das ein oder andere private Wort sind es, die fehlen.

Besonders der gemeinsame Gang in die Mensa war hierfür immer die ideale Gelegenheit. Zudem schmeckt das Essen in Gemeinschaft besser. Wenn nun, überlegen wir, wichtige Sitzungen, Bewerbungsgespräche oder die Lehre in den digitalen Raum verlagert werden, warum nicht auch der gemeinsame Mensabesuch? Und so beschließen wir – eine Gruppe von fünf Kolleginnen und Kollegen aus dem Präsidialbüro – uns in einer Videokonferenz zusammenzuschalten während wir essen. Aus der Kollegin, die den Kopf ins Büro steckt und fragt »Mittagessen? « ist eine Outlook-Besprechungseinladung geworden.

Wo sich sonst die Gruppe gesammelt hat, um gemeinsam hinüber in den Casino-Anbau zu gehen, wählen wir uns nun in einen digitalen Raum ein. »Mensadigitale« haben wir unser allmittägliches Treffen per Video deswegen in Anlehnung an »studiumdigitale«, die zentrale eLearning-Einrichtung der Universität, getauft. Unsere Strategien in der Selbstversorgung variieren. Während bei den einen die Kartoffeln noch auf dem Herd stehen – aufgrund der letzten, viel zu langen Videokonferenz konnte man den Herd erst verspätet anstellen –, setzen andere auf Vorgekochtes. Auch Butterbrote stehen hoch im Kurs. Zuweilen müssen der Thailänder oder Italiener um die Ecke einspringen.

Wer doch im Büro ist, lebt oft von einem belegten Brötchen aus dem »Sturm und Drang«. So sitzen wir dann zu fünft, jeder für sich, aber dennoch irgendwie gemeinsam, vor unseren Rechnern, essen, plaudern, tauschen uns aus – Mittagessen in der Mensa eben. Aber ein mensadigitale-spezifisches Thema gibt es doch: Zeigt sich jemand vor einem anderen Hintergrund, weil er seinen üblichen Essplatz verlassen und sich an einen anderen Ort in der Wohnung begeben hat, wird dies natürlich zu allererst diskutiert. Und nach der Corona-Krise? Wir haben uns vorgenommen, uns reihum zu besuchen, um die Wohnungen, die wir bislang lediglich als Kulissen für das Mittagessen kennen, nicht mehr nur in der mensadigitale, sondern ganz analog zu sehen.

Caroline Wittig

Dieser Artikel ist in der Ausgabe 2/20 des Mitarbeitermagazins GoetheSpektrum erschienen.