Unterwegs mit Julia Zerlik aus der Zentralen Studienberatung. Foto: Lecher

Mit der Entscheidung für oder gegen ein Studienfach lässt die Goethe-Universität ihre zukünftigen Studierenden nicht alleine. Nützlich bei dieser wichtigen Wahl sind nicht zuletzt die von Julia Zerlik betreuten Online-Studienwahl-Assistenten.

Am Anfang steht die Entscheidung, die oft ganz schön schwer ist. Eine Entscheidung, die den weiteren Lebenslauf von Studierenden wesentlich beeinflussen kann und zu der in vielen Fällen die Tätigkeit von Julia Zerlik beiträgt: Bevor sich angehende Studierende an der Goethe-Universität einschreiben können, müssen sie sich schließlich darüber im Klaren sein, welches Studienfach sie überhaupt belegen wollen – und genau das kann für die angehenden Akademiker schon mal zum Problem werden.

Andere wiederum hatten ihr bevorzugtes Studienfach eigentlich längst gefunden, benötigen aber auf einmal einen Plan B, weil sie am Numerus Clausus oder an der Aufnahmeprüfung im ursprünglich favorisierten Fach gescheitert sind. Mit der Entscheidung für beziehungsweise gegen ein bestimmtes Studienfach lässt die Goethe-Universität ihre zukünftigen Studierenden nicht allein – Orientierung bietet beispielsweise die Zentrale Studienberatung des Studien-Service-Centers (SSC).

Und dieses »analoge« Beratungsangebot wird durch das »digitale« des SSC ergänzt. Alle Studieninteressierten, die sich lieber auf eigene Faust informieren wollen, finden im Portal für Studieninteressierte die von Zerlik betreuten und teilweise erstellten »Online-Studienwahl-Assistenten« (OSA). In diesem interaktiven Tool können potentielle Studierende ihre eigenen Vorstellungen und Interessen mit dem vergleichen, was sie in dem betreffenden Fach erwartet.

»Außerdem können sie ihr Fachwissen mit Hilfe von kleinen Wissensaufgaben testen und erhalten in kurzen Videoclips wichtige Informationen, zum Beispiel zum Studienalltag und zu den Studieninhalten«, sagt Zerlik. »Das zeigt den Studieninteressierten nicht nur, wie interessant und vielfältig ein Fach sein kann. Es räumt auch auf mit so mancher Fehlvorstellung, wie etwa mit der, dass in den Sozialwissenschaften Mathematik keine Rolle spielt oder dass man mit einem Informatikstudium Computerspiel-Programmierer wird.«

In einigen Fächern wie Meteorologie, Germanistik oder Ethnologie sind die Online-Studienwahl-Assistenten sogar vorgeschrieben für alle, die sich für das entsprechende Fach einschreiben wollen. Um mit falschen Erwartungen von Studieninteressierten aufzuräumen, kommen nicht nur die jeweiligen Professorinnen und Professoren zu Wort. »Ganz wichtig sind in den OSA auch die Interviews, in denen Studierende den Studieninteressierten von ihren Erfahrungen berichten«, fügt Julia Zerlik hinzu.

Dr. Georg Wille zeigt, was die Studierenden im Biophysik-Labor lernen können. Foto: Lecher

So betont zum Beispiel die Ethnologie-Studentin Melina in einem Video, dass Durchhaltevermögen, Empathie und die Bereitschaft, auf Fremde zuzugehen, wichtige Voraussetzungen für ein erfolgreiches Ethnologiestudium seien. Die Germanistik-Studentin Ariane erläutert, wie das Schreibzentrum Studierende dabei unterstützt, wissenschaftliche Arbeiten abzufassen, während Christine und Sebastian, die beide Meteorologie studieren, erzählen, dass für ihr Studium eine Neigung zu Mathematik und Formeln hilfreich sei.

Außerdem seien die Mathematikvorlesungen, die ihnen hier an der Uni begegneten, etwas ganz anderes als der Mathematikunterricht in der Oberstufe. Um die Inhalte eines OSA festzulegen, steht Julia Zerlik insbesondere am Anfang der Entwicklung in intensivem und ausführlichem Kontakt mit dem betreffenden Fachbereich respektive Institut:

Sie trifft sich zunächst mit ihren direkten Ansprechpartnern, um das Vorgehen und den Zeitplan zu besprechen. Danach setzt Zerlik sich mit rund zehn Vertretern aus Professuren, wissenschaftlichem Mittelbau sowie Studierenden des Fachs zusammen. »Dabei sammeln wir Inhalte, die für diesen Studiengang so relevant sind, dass sie für den OSA in Frage kommen«, berichtet Zerlik.

Aus den gesammelten Punkten wird in einem zweiten Schritt eine Umfrage generiert und einer möglichst großen Anzahl an Studierenden des Faches vorgelegt. »So erhalte ich ein Meinungsbild nicht nur der zehnköpfigen OSA-Kommission, sondern des gesamten jeweiligen Fachbereichs«, sagt Zerlik. Immer im Austausch mit Vertretern des Fachbereichs teilt sie ein, zu welchen dieser Aspekte das Wissen oder die Einstellung der Studierenden abgefragt werden soll, auf welche Punkte die Interviewten eingehen sollen und zu welchen Themen Fragen formuliert werden, die Studieninteressierte anregen sollen, über die eigenen Stärken, Schwächen und Neigungen zu reflektieren.

Auf diese Weise entsteht das formale Gerüst eines neuen OSA, den Zerlik jetzt mit Inhalten füllt: Sie sucht sich auf dem Campus des betreffenden Fachbereichs geeignete Orte – sei es das Büro einer Ethnologie- Professorin, sei es der große Hörsaal im Physikgebäude auf dem Riedberg, in dem Physik- und Biophysik-Studierende ihre Anfängervorlesungen hören.

An diesen aussagekräftigen Orten führt Zerlik die Interviews und zeichnet sie zusammen mit einer studentischen Hilfskraft auf, die Zerlik während der Aufnahmen bei Ton, Kamera und Beleuchtung unterstützt. »Aus dem Video-Rohmaterial schneide ich dann die relevanten Interviewsequenzen heraus, verfasse erläuternde Texte und wähle passende Fotos zur Illustration aus«, berichtet Zerlik.

Julia Zerlik interviewt Dr. Markus Lindner für den Ethnologie-OSA. Foto: Lecher

»Dabei kommt mir zugute, dass ich schon in meiner Schulzeit ein Faible für Videos und Videotechnik hatte.« Nachdem sie am Computer mit Hilfe des Autorensystems »LernBar« von studiumdigitale Videosequenzen, Texte und Bilder zusammengesetzt und mit den Institutsmitarbeitenden besprochen hat, fehlt noch ein wichtiger Schritt, bis der fertige OSA ins Netz gestellt werden kann:

Die Studieninteressierten sollen ihre eigenen Antworten auf die Selbstreflexionsfragen, bei denen es ja kein Richtig und Falsch gibt, mit den Antworten »realer« Frankfurter Studierender aus den ersten Semestern vergleichen können. Daher lässt Zerlik eine angemessene Referenzgruppe den OSA durcharbeiten. Mit Hilfe der so gewonnenen Rückmeldungen und Erkenntnisse wird der OSA nochmals optimiert, mit Unterstützung von studiumdigitale softwaretechnisch umgesetzt und schließlich veröffentlicht.

Und natürlich bereiten auch die fertigen OSA Zerlik manchmal noch eine Menge Arbeit. Sowohl die Inhalte müssen aktuell gehalten werden, als auch die Technik. Damit die schon bestehenden OSA zum Beispiel auch auf mobilen Endgeräten bearbeitet werden können, müssen sie von der älteren Programmiersprache Flash in das modernere HTML 5 überführt werden.

In der heutigen Form besteht das OSAInformationsangebot der Goethe-Universität seit dem Wintersemester 2012/2013, als die Abteilung Lehre & Qualitätssicherung den OSA für das Fach Physik online stellte. Zuvor hatte es nur einen OSA für Psychologie gegeben, entwickelt vom Fachbereich Psychologie, der allerdings auf einem anderen Konzept beruhte: dem Testen grundlegender Fähigkeiten und Einstellungen gegenüber den Anforderungen des Studiums.

»Seither ist die Anzahl der OSA auf derzeit dreizehn gewachsen«, sagt Zerlik, die selbst seit 2017 an den OSA arbeitet, »und natürlich geht es weiter: Bis 2020 sollen OSA in 20 Fächern die Studieninteressierten bei ihrer Entscheidung unterstützen.« Sie selbst wird also auch weiterhin mit Engagement, Kreativität und Ausdauer dazu beitragen, dass sich die Zahl der OSA in den kommenden zwei Jahren nahezu verdoppelt – es kann schon mal ein Jahr dauern, bis ein neu entwickelter OSA online geht.

Mit Ausdauer ist allerdings tatsächlich auch die körperliche Fitness gemeint: Zwischen den Campus-Standorten Westend, Riedberg und Bockenheim, von ihrem Büro im PEG-Gebäude zu den zahlreichen Treffen mit Vertretern der Fachbereiche ist Julia Zerlik grundsätzlich mit dem Fahrrad unterwegs.

Autorin: Stefanie Hense

Dieser Artikel ist in der Ausgabe 2.18 der Mitarbeiterzeitung GoetheSpektrum erschienen.