Schon mit 17 Jahren dirigierte Lisa Bodem das Jugendorchester in Berstadt; Foto: Privat

Mit gerade einmal 17 Jahren dirigierte Lisa Bodem schon das Jugendorchester in Berstadt. Mittlerweile richtet sich auch das von ihr gegründete Sinfonische Blasorchester der Goethe-Universität nach dem Taktstock der Musikwissenschaftsstudentin.

Alles begann vor rund zwei Jahren, als Lisa Bodem (26), Studentin der Musikwissenschaft, in der Teeküche ihres Instituts saß und sich so ihre Gedanken machte: über sich, ihre Musik, und die Zukunft der Blasmusik an der Goethe-Universität. Ihr war es ergangen wie schon so vielen Musikern mit Blasinstrumenten. Sie wollte als Klarinettistin im Universitätsorchester mitspielen, doch die Stellen für Blasinstrumente sind im klassisch sinfonischen Repertoire rar gesät.

Und so musste sie der Universitätsmusikdirektor (UMD) wie schon so viele vor ihr abweisen. »Ich fand es schade, dass so viele Blasmusiker Lust haben an der Universität Musik zu machen, aber keine Gelegenheit dazu bekommen. Dabei geht so viel Potenzial verloren«, sagt Lisa Bodem und hatte die entscheidende Idee. Warum nicht selbst einen Platz für all die Spielwütigen schaffen und ein neues Blasorchester gründen?

Gesagt getan. UMD Jan Schumacher war begeistert von der Idee, all den orchesterlosen Klarinettisten, Trompetern, Flötisten und Tubaspielern eine neue Heimat zu geben. Im Semester 2016/2017 trat also die frischgebackene Orchesterleiterin Lisa Bodem zu ihrer ersten Probe mit dem neugegründeten Sinfonischen Blasorchester der Goethe-Universität an.

»Es war aufregend, denn ich wusste ja nicht, welche Musiker überhaupt kommen würden und was für Erfahrungen sie mitbringen«, sagt Bodem, die nicht ganz unvorbereitet an die neue Herausforderung heranging. Schon mit 17 Jahren hatte sie die Leitung des Jugendorchesters ihres Heimatortes Berstadt übernommen. Sie nahm Dirigierunterricht und übernahm in den folgenden Jahren noch ein Schulund ein weiteres Jugendorchester.

Zum Zeitpunkt, als sie das Sinfonische Blasorchester der Goethe Universität übernahm, hatte sie bereits sechs Jahre Dirigiererfahrung. »Ein Orchester zu leiten ist eine große Verantwortung gegenüber der Musik und den Musikern«, sagt sie. »Als Dirigentin braucht man Wissen über die einzelnen Instrumente, die Kompositionen, den Probenaufbau, und vor allem muss man es schaffen, dass die Musiker verstehen, wohin man will mit den Stück.«

Die Kommunikation mit dem neugegründeten Sinfonischen Blasorchester funktioniert offensichtlich sehr gut: Schon wenige Monate nach der ersten Probe konnte das frischgebackene Orchester auf dem Semesterabschlusskonzert des Universitätschores mit den ersten Stücken überzeugen. »Das Orchester in so kurzer Zeit zu einem Auftritt zu führen, lag mir schon schwer im Magen«, erinnert sich Lisa Bodem.

»Aber es hat gut geklappt, und das Zusammenspiel klang schon nach so kurzer Zeit richtig nach einem sinfonisches Blasorchester.« In Zukunft möchte sie die musikalischen Anforderungen steigern. »Der Orchesterklang soll noch transparenter, der Schwierigkeitsgrad der Stücke höher werden.« Vor allem möchte sie auf Originalkompositionen für sinfonisches Blasorchester von einheimischen Komponisten setzen, so wie das Stück »Ferne Weite« von dem in Bruchköbel lebenden Komponisten Rolf Rudin.

Das Stück wurde bei dem diesjährigen Semesterabschlusskonzert in Anwesenheit des Komponisten aufgeführt. »Das war etwas ganz Besonderes. Wenn der Komponist dabei ist, legt sich das ganze Orchester extra ins Zeug«, sagt Lisa Bodem. »Das war eine aufregende und sehr schöne Erfahrung, die motiviert, in Zukunft verstärkt mit Komponisten zusammenzuarbeiten. «

Ein Orchester neu zu gründen, alleine für rund 60 Musiker verantwortlich zu sein, die Proben und die Auftritte zu organisieren, ist eine große Herausforderung und vor allem: sehr viel Arbeit. »Aber es lohnt sich«, findet Lisa Bodem. »Die Arbeit mit den Musikern macht sehr viel Spaß, und für die Universität ist es eine Bereicherung, ein Sinfonisches Blasorchester zu haben.«

Derzeit schreibt Lisa Bodem an ihrer Magisterarbeit in Musikwissenschaften und möchte im Anschluss ihre Fähigkeiten in einem Dirigierstudium vertiefen. Ihr Berufsziel in zehn Jahren: Dirigentin. Dem Sinfonischen Blasorchester der Goethe Universität würde sie auch in Zukunft gern die Treue halten.

Autorin: Melanie Gärtner

Sie spielen ein Blasinstrument und haben Lust, beim Sinfonischen Blasorchester mitzumachen?
Kommen Sie einfach zur Probe vorbei oder nehmen Sie für mehr Informationen auch gerne Kontakt mit Orchesterleiterin Lisa Bodem auf (E-Mail: lisa.bodem@t-online.de). Die erste Probe im Sommersemester 2018 findet am Montag, den 9. April, in der Lobby des PA-Gebäudes am Campus Westend von 18.30 bis 21 Uhr statt.

Dieser Artikel ist in der Ausgabe 1.18 der Mitarbeiterzeitung GoetheSpektrum erschienen.