Haube zur Messung von Hirnströmen; Foto: Büdel

Haube zur Messung von Hirnströmen; Foto: Büdel

Psychologie – dieser Begriff ist bei vielen erst einmal mit Therapie und Psychoanalyse verbunden. Die Vorstellung, dass der psychologische Blick ins Innerste tiefe Geheimnisse zu Tage bringen könnte, fasziniert viele. Nicht umsonst erreichen Zeitschriften wie »Psychologie heute« oder die Bücher von Beststeller-Autoren wie Irvin D. Yalom eine große Öffentlichkeit.

Tatsächlich sind im Frankfurter Institut einmalig für eine staatliche Universität in Deutschland beide großen Psychotherapie-Schulen (die Kognitive Verhaltenstherapie und die Psychoanalyse) als Abteilungen vertreten. Die Psychologie umfasst aber ebenso experimentell arbeitende Grundlagenforschung und weitere praxisorientierte Felder.

Das Frankfurter Institut für Psychologie zeichnet sich dadurch aus, dass es das gesamte inhaltliche und methodische Spektrum der Psychologie in 16 Abteilungen anbietet. Sie sind in fünf Schwerpunkte gegliedert, die sich in den vier inhaltlichen Schwerpunkten im Masterstudiengang und dem Studienbereich Methodik/Diagnostik abbilden:

Kognitions- und Neurowissenschaften: Neurokognitive Psychologie, Allgemeine Psychologie und Entwicklungspsychologie:

Themen dieses Bereichs sind die psychologischen und physiologischen Grundlagen des Erlebens, Denkens und Handelns sowie deren Entwicklung im Verlauf des Lebens. Forschungsschwerpunkte hier sind zum Beispiel die Objekt und Szenenwahrnehmung, neuronale Grundlagen höherer kognitiver Fähigkeiten wie Sprache oder Intelligenz, Gedächtnisentwicklung bei Kleinkindern und Altruismus.

Klinische Psychologie:

Hier sind die kognitive Verhaltenstherapie und die Psychoanalyse vertreten. Zu den Forschungsschwerpunkten gehören die Psychotherapieforschung und die Narrationsforschung (Erzählungen als Forschungsobjekte).

Arbeits- und Organisationspsychologie sowie Sozialpsychologie:

Konflikte mit den Kollegen und Burnout sind nur zwei Schlagworte, die zeigen, wie das Miteinander in der Gemeinschaft und sozialer Druck zur Belastung werden können. Entsprechend steht beim dritten Schwerpunktbereich des Instituts das Zusammenleben und -arbeiten von Menschen (vor allem im organisationalen Kontext) im Mittelpunkt. Forschungsschwerpunkte hier sind zum Beispiel Stress und Bullying, Identität und Diversität.

Pädagogische Psychologie:

Bei der pädagogischen Psychologie gibt es viele Berührungspunkte mit den Erziehungswissenschaften, denn hier geht es um das Lehren und Lernen von Kindern wie Erwachsenen. Zu den Forschungsschwerpunkten gehören Lernschwierigkeiten, die Wirksamkeit kognitiver und pädagogischer Interventionen, medienbasiertes Lehren und Lernen, Lebensspannenentwicklung von Gedächtnis und kognitiver Kontrolle, professionelle Kompetenzen von Lehrkräften, Motivation und selbstreguliertes Lernen.

Forschungsmethodik, Differentielle Psychologie und Diagnostik:

Keine Psychologie ohne Methodik: Im fünften Schwerpunkt dreht sich alles um die Grundlagen des wissenschaftlichen Arbeitens und Diagnostizierens: um methodische Fragen des Experimentierens, der Statistik, der Evaluation, um psychologische Diagnostik und Begutachtung. Forschungsschwerpunkte hier sind zum Beispiel die Stress- und Emotionsforschung sowie Strukturgleichungsmodelle.

Praxisnahe Studiengänge

»Nicht zuletzt durch unsere Kooperationen mit diversen Arbeitsstellen, Ambulanzen und Psychotherapieeinrichtungen profitieren die Studierenden bei uns von starken, praxisnahen Studiengängen«, sagt Dr. des. Ninja Roth, die Dekanatsreferentin für Lehre und Personal. Weiterbildungsstudiengänge in Verhaltenstherapie für Erwachsene, Kinder- und Jugendliche runden das Angebot ab. Aktuell gibt es 800 Psychologie-Studierende an der Goethe-Universität. Das Fach ist begehrt: Wer aufgenommen werden will, muss ein sehr gutes Abitur nachweisen oder eine lange Wartezeit von etwa 14 Semestern in Kauf nehmen.

Etwa 60 Prozent der Absolventen gehen nach dem Studium als Psychotherapeuten in den Klinischen Bereich; dafür wird eine postgraduale Ausbildung in einem der Weiterbildungsstudiengänge oder an einem außeruniversitären Ausbildungsinstitut benötigt. Weitere zirka 25 Prozent steigen in die Wirtschaft ein und sind hier klassischerweise im Personalbereich tätig. Darüber hinaus finden Psychologen in vielen weiteren Bereichen Arbeit, unter anderem in der Forschung, in der Forensik, in Beratungsstellen, im Sport oder auch im Verkehrswesen. Aufgrund dieser vielfältigen Beschäftigungsmöglichkeiten ist die Arbeitslosenquote unter Psychologen äußerst gering.

Forschen in vielfältigen Kooperationen

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler forschen in vielfältigen Kooperationen. Ein Beispiel dafür ist das Rhine Main Neuroscience Network rmn²: Der Zusammenschluss von Forschungsinstitutionen aus Frankfurt und Mainz wurde 2010 gegründet, damit diese sich in den verschiedenen Bereichen der Neurowissenschaften gegenseitig ergänzen, Technologien gemeinsam nutzen und neue Erkenntnisse schneller in die klinische Praxis umsetzen. »Eine sehr enge Partnerschaft besteht auch mit dem Deutschen Institut für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF), mit dem wir auch personell verknüpft sind«, erzählt Fachbereichsreferent Stephan Braun.

Kooperiert wird beispielsweise im Rahmen des IDeA-Forschungszentrums. Dort geht es, auch in Zusammenarbeit mit dem Sigmund-Freud-Institut, vor allem um Kinder, die ein erhöhtes Risiko für eine beeinträchtigte Entwicklung, nicht zuletzt schulischer Fertigkeiten, haben, und um die Frage, mit welchen vorschulischen und schulischen Lernarrangements sie bestmöglich in ihrer Entwicklung gefördert werden können. Mitglieder des Instituts sind am Frankfurter Forum für Interdisziplinäre Alternsforschung beteiligt. Auch ansonsten gibt es eine enge Vernetzung mit der Stadtgesellschaft, gelebt durch die zahlreichen angegliederten Arbeitsstellen und Kooperationen mit externen Partnern.